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Frankfurter Hauptbahnhof : Keine Gedenkstätte mehr an Gleis 7 für getöteten Jungen

  • Aktualisiert am

Gedenken: Wochenlang lagen Blumen an Gleis 7 für das ermordete Kind und seine Mutter, nun sind Blumen wieder verschwunden Bild: dpa

Wochenlang haben nach dem Mordanschlag auf einen Jungen im Frankfurter Hauptbahnhof zum Gedenken etwa Blumen, Kuscheltiere, Engelsfiguren und Briefe gelegen. Was mit ihnen nun geschehen soll, ist unklar.

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          Mehr als einen Monat nach der Gleisattacke mit einem toten Jungen am Frankfurter Hauptbahnhof ist die Gedenkstätte an Gleis sieben abgebaut worden. „Die Möglichkeit des Gedenkens besteht weiter, und zwar in den Räumen der Bahnhofsmission“, sagte eine Sprecherin der Bahn am Dienstag. Im dortigen „Raum der Stille“ liegt bereits seit der Attacke ein Kondolenzbuch aus.

          Die Gedenkstätte an Gleis sieben, bei der zahlreiche Menschen Blumen, Kuscheltiere, Engelsfiguren, Briefe und Beileidsbekundungen abgelegt hatten, war rund um die Uhr von zwei Sicherheitsleuten bewacht worden. Am Montagabend seien die Gegenstände weggeräumt worden. Laut Bahn werden beispielsweise die Kuscheltiere erst einmal gereinigt, danach soll entschieden werden, was damit gemacht wird.

          Tatverdächtiger in der Psychiatrie

          Ende Juli hatte ein Mann einen Achtjährigen und dessen Mutter vor einen einfahrenden ICE gestoßen. Der Junge starb im Gleisbett, seine Mutter konnte sich in letzter Sekunde retten. Eine ältere Frau, die er auch attackiert hatte, konnte sich in Sicherheit bringen, ohne auf die Gleise zu stürzen.

          Der Tatverdächtige, ein Eritreer, der seit 2006 in der Schweiz lebte, kam zunächst Untersuchungshaft. Der Mann steht unter dringendem Verdacht des Mordes und zweifachen Mordversuchs. Seit vergangener Woche ist er in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht.

          „Die Grausamkeit der Tat ist monströs“

          Währenddessen haben Abgeordnete im hessischen Landtag eine Gedenkminute eingelegt. „Die Grausamkeit der Tat ist monströs und wir sind immer noch starr vor Schreck und Mitleid“, sagte Landtagspräsident Boris Rhein am Dienstag in Wiesbaden und drückte den Angehörigen sein Mitgefühl aus. „Die sinnlose Gewalt dieser Tat, die von Heute auf Morgen alles verändert hat, hat uns alle sprachlos und ohnmächtig gemacht.“

          Rhein mahnte, die Tat dürfe nicht für fremdenfeindliche Propaganda missbraucht werden. „Ist das eine ein furchtbares Verbrechen, ist das andere eine Verrohung der Sitten“, erklärte er. „Wenn wir schon eine solche Tat nicht verhindern können, dann sind wir der Familie schuldig, eine solche Art der politischen Instrumentalisierung nicht zuzulassen.“

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