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Verkehrsüberwachung : Der neue Blitzer ist schussfest und feuersicher

  • -Aktualisiert am

Panzerblitzer: So sieht das mobile Messgerät aus. Bild: Wolfgang Eilmes

Frankfurt hat ein automatisches und mobiles Geschwindigkeitsmessgerät gekauft. Auch andere Städte rüsten auf.

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          „Abzocker“, ruft eine Frau quer über die Mainzer Landstraße. Ihren Unwillen hat ein grau schimmerndes Gefährt auf der anderen Straßenseite erregt, das Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) gestern vorgestellt hat: ein „Enforcement Trailer“. Warum das Geschwindigkeitsmessgerät auf Rädern diesen Namen trägt, wissen nur seine Erfinder. Warum Frankfurt als erste Stadt eine solche mobile, ohne menschliche Bedienung auskommende Blitzanlage gekauft hat, erklärt der Dezernent: „Weil die Bürger und Ortsbeiräte mehr Verkehrskontrollen wollen.“ Das neue, 125.000 Euro teure Gerät arbeitet vollautomatisch. Man kann es für mehrere Tage an einer Straße aufstellen, ohne dass es jemand bedienen muss. Lediglich für das Auf- und Abbauen bedarf es eines Mitarbeiters der städtischen Verkehrspolizei.

          Das fahrbare Messgerät, das aussieht wie ein Anhänger und hinten zur Tarnung ein Nummerschild und Rücklichter besitzt, ist rundum durch eine Metallverkleidung geschützt, die schuss- und feuersicher ist. Das ist notwendig, weil Autofahrer, die geblitzt werden, manchmal rabiat werden und Blitzanlagen zerstören. Für den Einsatz des Trailers ist Rainer Michaelis, der Leiter der Abteilung Verkehrssicherheit beim Straßenverkehrsamt, zuständig. Auf den Vorwurf „Abzocke“ reagiert er allergisch. „Die Bürger wollen, dass der Verkehr kontrolliert wird“, sagt er. Und: „Sie wünschen Sicherheit für ihre Kinder.“ Das Messgerät werde nicht dort aufgestellt, wo durch Bußgelder die höchsten Einnahmen erzielt würden, sondern dort, wo die Verkehrssicherheit am meisten beeinträchtigt sei. Das sehe ein Erlass des Landes vor, und das sei immer das Konzept der Frankfurter Verkehrspolitik gewesen.

          Geblitzt wird, wo es häufig kracht

          Vorrang haben Stellen, an denen viele Unfälle passieren, Straßen vor Schulen, Kitas, Krankenhäusern oder Altersheimen und im Falle des neuen Trailers Wohngebiete, in denen Tempo 30 gilt. Im Gegensatz zu einigen anderen Kommunen kauft Frankfurt seine Überwachungsanlagen und least sie nicht, wobei die Leasingfirma vertragsgemäß oft die Hälfte der Einnahmen erhält. In diesem Fall sind beide Seiten daran interessiert, die Geräte an Orten aufzustellen, wo viele Verstöße stattfinden. In Frankfurt dagegen, so sagt Michaelis, wird dort geblitzt, wo es häufig Unfälle gibt und wo die Gefährdungslage hoch ist. Frankfurt hat in den vergangenen Jahren bei der Verkehrsüberwachung aufgerüstet. Anfang Juli hat die Stadt zum Beispiel am Ratswegkreisel eine Blitzanlage in Betrieb genommen. Insgesamt sind in der Mainmetropole 22 stationäre Anlagen im Einsatz, wobei nicht jede immer mit einer Kamera bestückt ist.

          Denn es stehen nur 18 Blitzer zur Verfügung, die nach einem bestimmten Schlüssel in die Anlagen geschoben werden. Darüber hinaus misst die Stadtpolizei mit fünf in Autos installierten Messgeräten die Geschwindigkeit. Dazu kommt nun noch der „Enforcement Trailer“. Andere hessische Kommunen verfahren ähnlich. Darmstadt baut seit 2012, als eine erste Anlage zur Geschwindigkeitskontrolle aufgestellt wurde, die Verkehrsüberwachung kontinuierlich aus. Auch Gießen, Marburg oder Kassel haben in zusätzliche Radarfallen investiert. Wie unverzichtbar eine Verkehrsüberwachung ist, zeigte dieser Tage ein Zwischenfall an der Langen Straße in Frankfurt. Dort wurde ein Fahrer geblitzt, der gegen 22 Uhr mit 109 Kilometern in der Stunde auf dieser innerstädtischen Straße gerast war. Die Strafe: zwei Monate Fahrverbot, zwei Punkte in Flensburg und eine Geldbuße von 280 Euro.

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