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Bürgerentscheid zu OB Feldmann : „Wir haben ihn schon abgewählt“

Klingeln für die Abwahl: Désirée Vogt und Marius Hegmann sowie Leopold Born von der Jungen Union machen Haustürwahlkampf in Oberrad. Den Flyer wollen viele. Einige wie der Gärtner Peter Schecker bekennen offen, dass sie am Sonntag gegen Feldmann stimmen werden. Bild: Lando Hass

Mitglieder der Jungen Union Frankfurt werben an Haustüren für den Bürgerentscheid am 6. November gegen Oberbürgermeister Peter Feldmann. Viel Überzeugungsarbeit müssen sie nicht leisten.

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          Nur ein Ehepaar lehnt rundheraus das gesamte Abwahlverfahren ab: „Das ist absurd“, schimpft der Mann, der sich als aktiven Gewerkschafter bezeichnet, „das ist rausgeschmissenes Geld.“ Wie könne es sein, dass politische Parteien aktiv gegen einen einzelnen Menschen vorgingen? Peter Feldmann sei doch ein „sympathischer Typ“. Er kenne ihn von Veranstaltung und sei deshalb überzeugt, dass das, „was gerade in Frankfurt gemacht wird, nicht richtig ist“.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          An diesem Dienstagabend, an dem drei Mitglieder der Jungen Union Frankfurt wie so oft in den vergangenen Wochen Haustürwahlkampf machen, dieses Mal in Oberrad, bleiben der Gewerkschafter und seine Frau die Einzigen, die für das Stadtoberhaupt Partei ergreifen. An zahlreichen Türen klingeln Désirée Vogt, Marius Hegmann und Junge-Union-Chef Leopold Born. Einige bleiben verschlossen.

          „Gehen Sie bitte wählen“

          Von den Oberrädern, die öffnen oder sich zumindest über die Gegensprechanlage das Anliegen der Jungpolitiker anhören, benötigt keiner mehr die zentrale Information, die Hegmann, Born und Vogt unermüdlich wiederholen: „Wir möchten auf die Abwahl an diesem Sonntag aufmerksam machen. Es geht um die Abwahl von Feldmann.“ Mitunter schieben sie noch ein „gehen Sie bitte wählen“ nach.

          „Wir haben schon Briefwahl gemacht“, rufen viele durch die Anlage oder direkt an der Haustür den Aktivisten zu. Andere ergänzen: „Wir haben ihn doch schon abgewählt“ oder „wir wählen den auch so ab“, er sei „untragbar“. An einer Tür heißt es: „Klar, wir gehen zur Abwahl vom Skandaloberbürgermeister.“ Manche schicken sogar ein freundliches Tschüss oder ein „Danke für Ihre Mühe“ hinterher. Für die drei von der Jungen Union ist dieses mitschwingende Wohlwollen etwas Neues. Das kennen die CDU-Nachwuchspolitiker sonst nicht von Haustürwahlkämpfen. Wie Vertreter würden sie behandelt. Nicht selten geht die Tür dicht vor der Nase zu, kaum haben sie „wir kommen von der Jungen Union“ gesagt.

          Überparteilicher Ton

          Bei diesem Abwahlwahlkampf scheint alles anders. Es gibt allerdings auch keinen noch so kleinen Werbeblock im Nachgang für die eigene Partei und kein böses Wort gegen die SPD, deren Mitglied Feldmann ist. Die drei jungen Politiker pflegen den überparteilichen Ton, zu dem sich die Parteien der Stadtregierung zusammen mit der oppositionellen CDU verpflichtet haben. Sie wollen gemeinsam für einen Neubeginn in Frankfurt kämpfen. Und der ist, davon sind auch Vogt, Hegmann und Born überzeugt, nur mit einem neuen Oberbürgermeister möglich. Einem, sagt Born, „der Frankfurt gut tut“.

          An den Haustüren in Oberrad, einem Stadtteil, in dem die CDU bei der Kommunalwahl die meisten Stimmen errang und dennoch bei der Oberbürgermeisterwahl 2018 Peter Feldmann mehr Stimmen als die CDU-Kandidatin erhielt, braucht es an diesem Abend nicht viele Argumente. „Ich bin SPD-Stammwähler, seit ich wählen kann“, sagt ein 71 Jahre alter Oberräder. Doch was Feldmann getan habe, „das darf sich niemand leisten“. Der Mann weist auf die AWO-Affäre hin, auf den Verdacht der Vorteilsannahme, weswegen sich Feldmann derzeit vor Gericht verantworten muss. „Das ist doch alles bekannt“, sagt er, „so etwas, das geht doch nicht.“

          „Ich werde hingehen“

          Gärtner Peter Schecker findet noch deutlichere Worte. „So einen Sozialschurken kann man in Frankfurt nicht tolerieren“, sagt er und fügt fast schnaubend an: „Was sich dieser Mann erlaubt hat!“ Auf Nachfrage nennt er Feldmanns Äußerungen vor Gericht: „Führt der nicht eine Scheinehe?“ Überhaupt, was Feldmann über Frau und Kind gesagt habe und was er ihnen damit antue, „das ist alles unter der Gürtellinie“. Bei Feldmann komme mittlerweile vieles zusammen, sagt Schecker und fügt ehrlicherweise an, dass seine Partei die CDU sei.

          „Ich werde am Sonntag um 8 Uhr der Erste im Wahllokal sein“, sagt ein 57 Jahre alte Bankkaufmann, der gerade vom Sport heimkehrt. 2018 habe er Feldmann gewählt. Jetzt gehöre der „ohne Wenn und Aber abgewählt“. AWO, Korruptionsverdacht, „Fußball und das mit dem Kind“ sprächen dafür. Feldmann habe „nicht einmal den Schneid“, zurückzutreten, sondern bleibe „bis zum bitteren Ende“.

          Von den Parteien im Römer, deren Einigkeit im Fall Feldmann er lobt, hätte er sich dennoch in den vergangenen Monaten „mehr Engagement, mehr Wahlkampf, mehr Plakate und mehr Auftritte“ gewünscht. Zunächst habe er allerdings auch gedacht, es könnte schwierig werden, die erforderliche Mehrheit von 30 Prozent der Wahlberechtigten zu erreichen. Jetzt zeigt er sich zuversichtlich, dass am Sonntag die nötigen 150.000 Frankfurter mit Ja für die Abwahl stimmen. „Ich werde hingehen“, sagt er, „ich hoffe, dass viele so denken.“

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