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Nach Verbrechen in Frankfurt : Etwas zerbricht

Nach dem Verbrechen am Frankfurter Hauptbahnhof, bei dem ein Junge aufs Gleis gestoßen und damit getötet wurde, steht die Stadt unter Schock. Bild: dpa

Das Verbrechen am Frankfurter Hauptbahnhof, bei dem ein Junge ums Leben kam, weckt Unsicherheit. Mit Blick auf die jüngsten Ereignisse in Hessen sinkt das Urvertrauen in die eigene Umgebung.

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          Die Grausamkeit der heimtückischen Tat vom Frankfurter Hauptbahnhof ist monströs. Der Täter hat ein Kind in den Tod gestoßen. Seine Mutter konnte ihr Leben retten, aber nicht das des Sohnes. Es gab etliche Augenzeugen, die das Geschehen verfolgt haben und anschließend zusammengebrochen sind.

          Auch ihr Leben ist nun ein anderes. Über den Täter ist bisher bekannt, dass es sich um einen Mann mit Wurzeln in Eritrea handelt. Zu den Hintergründen der Tat, zum Motiv und zum Aufenthaltsstatus des Vierzigjährigen ist bislang nichts Sicheres verlautet. Solange das so ist, verbietet es sich, Verbindungen zur Flüchtlingspolitik zu ziehen, wie es die AfD sogleich tat.

          Jenseits vorschneller Schuldzuweisungen aus der Ferne stellen sich genügend beunruhigende Fragen. Auffällig ist, dass sich derzeit gerade in Hessen Gewalttaten häufen, die eine neue Qualität haben. Da ist die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke durch einen Rechtsextremen, die Züge einer Hinrichtung trug. Sodann die Schüsse auf einen jungen Eritreer auf offener Straße in Wächtersbach und der anschließende Suizid des Schützen, der sein Opfer aus fremdenfeindlichen Motiven ausgesucht hatte. Und jetzt der Todesstoß von Frankfurt, der in dem Fall im niederrheinischen Voerde einen unheimlichen Vorläufer hat.

          So unterschiedlich diese Fälle liegen, sie haben Gemeinsamkeiten: Sie berühren das Verhältnis von Deutschen und Migranten. Zudem kannten sich Täter und Opfer nicht. Beides trägt dazu bei, die gesellschaftliche Atmosphäre zu vergiften. Viele Bahnreisende, nicht nur in Frankfurt, werden die Einfahrt von Zügen künftig möglichst von der Mitte des Bahnsteigs aus abwarten; einige von ihnen werden Männer mit dunkler Hautfarbe in ihrer Nähe ängstlich beäugen. Viele Migranten wiederum sind nun mit der Angst unterwegs, dass sie ein Ausländerhasser tödlich attackieren könnte.

          Keine Frage, in Deutschland zerbricht gerade etwas sehr Wertvolles: Das Urvertrauen, nicht unversehens in mörderischer Absicht angegriffen zu werden, geht verloren. Dass Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) seinen Urlaub unterbrochen hat, deutet darauf hin, dass auch er die Lage als sehr ernst einschätzt. Die Politik wird Antworten finden müssen, wie sie das Sicherheitsgefühl wiederherstellt. Wohlfeile Appelle an Toleranz und gegen Vorurteile werden nicht reichen. Es wäre viel gewonnen, wenn härter gegen diejenigen vorgegangen würde, die Gewaltbereitschaft erkennen lassen. Auch die Bürger sind gefragt, wachsamer zu sein und Zivilcourage zu zeigen. Ein Mord kündigt sich fast immer an.

          Matthias Alexander

          Redakteur im Feuilleton.

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