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Andacht in Frankfurt : In Trauer still vereint

  • -Aktualisiert am

Gemeinsames Gedenken: Einige hundert Menschen beten für den getöteten achtjährigen Jungen. Bild: Frank Röth

Nach dem Mord an einem Achtjährigen kommen am Frankfurter Hauptbahnhof Hunderte zum Gebet zusammen. Kurz vor der Andacht ist die Stimmung aufgeheizt. Linke und Rechte pöbeln gegeneinander.

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          Und dann wird es still auf dem Bahnhofsvorplatz. Ein Klavier erklingt. Fünf Kirchenleute gehen nach vorne. Einige hundert Menschen stehen eng beieinander. Zum gemeinsamen Vaterunser später werden sie einander an den Händen nehmen. Die Menschen können nicht fassen, was da am Montagmorgen auf Gleis 7 geschehen ist. Eine Frau wischt sich die Tränen aus den Augen.

          Für eine halbe Stunde, für eine ökumenische Trauerandacht, hält diese hektische Stadt inne. Gedacht wird des Achtjährigen, der zusammen mit seiner Mutter von einem 40 Jahre alten Eritreer vor einen ICE gestoßen worden war. Der Junge starb, die Mutter überlebte. Die Bahnhofsmission und die beiden großen Kirchen haben die Andacht organisiert und zum gemeinsamen Gebet eingeladen.

          Aufgeheizte Stimmung vor der Andacht

          20 Minuten vorher ist von Stille keine Spur. Rechts vom Haupteingang geht es nicht um das Opfer. Nicht um die Angehörigen. Nicht um den Zugführer. Nicht um die Augenzeugen, die Schlimmes mit ansehen mussten. Es geht um Hass, es geht um die Deutungshoheit und darum, recht zu haben. Einer ruft: „Die Tat hat mit Migration und Flüchtlingen nichts zu tun.“ Ein anderer, der ihm gegenüber steht, brüllt zurück: „Es geht hier um Kindermord. Was soll denn das?“ Auf einem Banner steht: „Aufstehen gegen Rassismus.“

          Vor der Andacht gab es Wortgefechte.
          Vor der Andacht gab es Wortgefechte. : Bild: Frank Röth

          Der Bund der Antifaschisten ist auch da. Ein paar Meter weiter skandieren ein paar Krakeeler: „Nationalismus raus aus den Köpfen.“ Dazu klatschen sie. Ein älterer Mann schaut sie entgeistert an. Dann geifert er: „Werft euch vor den Zug. Ich fass’ es nicht.“ Zwei Männer geraten aneinander. Sie schubsen sich. Polizisten, von denen ein paar Dutzend auf dem Vorplatz verteilt sind, gehen dazwischen. Ein junger Mann, der ein wenig abseits steht, sagt: „Ist schon auf ganz hohem Niveau hier.“ Ein anderer im weißen Hemd sagt: „Das ist das Schwierige, dieses Aufgeheizte.“

          „Das widerspricht allem, wofür wir in Frankfurt stehen“

          Links auf dem Platz liegt ein Kondolenzbuch auf einem Holzständer. Ein Vater mit zwei kleinen Kindern tritt heran und nimmt den Stift. „Gott, erlöse uns von dem Bösen“, hat vorher einer geschrieben. Jemand anders erhofft „viel Kraft für die Mutter und den Lokführer“. Als erster Bürger Frankfurts ist Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler im dunklen Anzug und mit dunkler Krawatte gekommen. Der Politiker sagt: „Es geht darum, Präsenz zu zeigen. Es ist unerträglich, was da in den asozialen Medien nach der Tat geäußert wurde.“

          Carsten Baumann von der Bahnhofsmission, die die Andacht ausrichtet, spricht die ersten Worte. Er sagt: „Es ist Schreckliches passiert.“ Jutta Jekel von der evangelischen Hoffnungsgemeinde zitiert angesichts des Leids Jesu Worte am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Für die katholische Kirche spricht Beatrix Henrich von der Dompfarrei. Auch sie fasst die Rat- und Hilflosigkeit angesichts des Opfers und der Tat in Worte: „Warst du nicht bei ihnen? Hast du sie nicht begleitet und geschützt?“

          Nach vorn tritt Abba Dawit Zeramariam, der Pfarrer der katholischen eritreischen Gemeinde, und sagt: „Wir sind mit unseren Gedanken und Gefühlen bei dem Kind, das so schrecklich gestorben ist.“ Er hoffe, dass es in der Stadt friedlich bleibe. Zum Schluss spricht Oberbürgermeister Peter Feldmann. Er wünsche sich, dass der Täter „seiner gerechten Strafe nicht entgeht“. Aber er warnt auch vor neuem Hass gegen Ausländer. „Dieses Verbrechen widerspricht allem, wofür wir in Frankfurt stehen.“

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