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Frankfurter Hauptbahnhof : Nur die Absperrung des Gleisbetts könnte helfen

Sicherheitsbarriere: Bahnsteig in Tokio Bild: dpa

Der Fall aus Frankfurt zeigt auf traurige Weise: Bahnsteige können zum Ort der Gefahr werden. Anderswo verhindern Absperrungen am Gleis Unfälle und Verbrechen. Ist das auch eine Lösung für Deutschland?

          Der Ruf nach Vorsicht an der Bahnsteigkante ist nahezu sprichwörtlich, und er ist gut begründet. Immer wieder kommt es zu Todesfällen an diesem heiklen Ort, und es muss nicht einmal ein Verbrechen sein wie offenkundig kürzlich im Frankfurter Hauptbahnhof. Noch gut in Erinnerung ist, dass im November vergangenen Jahres ein junger Mann aus Hanau ums Leben kam, als er versuchte, in der S-Bahn-Station Ostendstraße in Frankfurt einen Betrunkenen zu retten, der ins Gleisbett gefallen war.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Im März vergangenen Jahres erlag ein Mann seinen Verletzungen, nachdem er an der S-Bahn-Station Galluswarte ebenfalls in Frankfurt in den Spalt zwischen dem Bahnsteig und einer anfahrenden S-Bahn geraten war. Vor fünf Jahren kam in Weiterstadt ein 89 Jahre alter Mann mit seinem Rollator vom Bahnsteig ab und stürzte aufs Gleis, wo er von einem durchfahrenden Güterzug erfasst und tödlich verletzt wurde.

          Die Aufzählung ließe sich fortsetzen. Der Hunderte Tonnen schwere einfahrende Zug, der auch bei reduziertem Tempo nicht in der Lage ist, abrupt stehenzubleiben, und der gleich neben dem Gleis auf dem Bahnsteig stehende Fahrgast, der durch keinerlei Absperrung geschützt ist – an dieser Gefahren bergenden Situation hat sich seit den ersten Tagen des Eisenbahnbetriebs vor nahezu zwei Jahrhunderten nichts geändert. Manchmal, wenn etwa im Berufsverkehr oder nach einem Fußballspiel in den S-Bahn-Stationen die Fahrgäste dicht gedrängt stehen, wundert man sich, dass nicht viel öfter etwas geschieht.

          Die Gefahr wird bleiben

          Anderswo weiß man diesen Gefahren zu begegnen. Vor allem bei vielen der neuen U-Bahn-Systeme in den rasch wachsenden Metropolen Asiens wurde von Anfang an das Gleisbett von den Bahnsteigen baulich getrennt, durch Glaswände oder wenigstens Balustraden in der Höhe eines Treppengeländers. In diesem Fall müssen die Züge stets an exakt derselben Stelle halten, es öffnen sich dann gleichzeitig die Zugtüren wie auch die in den Absperrungen, so dass die Fahrgäste aus- und einsteigen können. So wird die Sicherheit beträchtlich erhöht. Fahrerlose U-Bahn-Systeme erfordern solche Absperrungen geradezu, so etwas lässt sich zum Beispiel in Dubai besichtigen.

          Es ist aber etwas anderes, ob solche Lösungen gleich beim Bau eingeplant sind oder nachgerüstet werden. Denn eine der Voraussetzungen ist natürlich, dass alle Züge die Türen an der genau gleichen Stelle haben. Das dürfte schon bei der Frankfurter U- und S-Bahn kaum der Fall sein, sind doch auch dort Fahrzeuge unterschiedlicher Generationen im Einsatz. Im Eisenbahnverkehr Deutschlands aber ist es auf keinen Fall so. Selbst die ICE-Züge unterschiedlicher Baureihen unterscheiden sich erheblich. Unterschiede in den Bahnsteigen der verschiedenen Bahnhöfe kommen hinzu. Man wird eine solche Lösung daher wohl als unrealistisch bezeichnen müssen.

          Leichter wäre es, den Bahnsteig als solchen abzusperren, wie es Ältere noch aus der Zeit der Bahnsteigkarte kennen. Verbrecher ließen sich damit aber nicht fernhalten, sie müssten sich nur eine Fahrkarte beschaffen. Die Gefahr an der Bahnsteigkante wird also bleiben.

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