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Abschiebung nach Afghanistan : Über 500 Demonstranten am Flughafen in Frankfurt

Frankfurter Flughafen: Hunderte demonstrieren gegen die Abschiebung aus Deutschland nach Afghanistan. Bild: dpa

Mehr als 20 Menschen werden am Mittwoch nach Kabul abgeschoben – darunter soll auch ein junger Afghane sein, der nicht kriminell aufgefallen war. Nach Informationen der F.A.Z. plante das Bundesinnenministerium die Abschiebung seit Wochen.

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          Mehr als zwanzig Afghanen sind am Mittwochabend vom Frankfurter Flughafen aus in ihr Heimatland abgeschoben worden. Ob auch einige von ihnen zuvor in Hessen lebten, ließ Innenminister Peter Beuth (CDU) offen. Ein bayrisches Verwaltungsgericht hatte am Nachmittag Eilanträge gegen die Abschiebung abgelehnt. Die zweite Rückführung von Frankfurt, die im Auftrag des Bundesinnenministeriums erfolgte, wurde auch diesmal von massiven Protesten begleitet. Rund 560 Abschiebegegner versammelten sich nach Angaben der Polizei im Terminal 1 und kritisierten lautstark die Entscheidung. Das Flugzeug sollte ursprünglich um 18.15 Uhr starten, hob jedoch erst etwa eine Stunde später ab.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Theresa Weiß

          Aktivisten berichten, dass nicht nur, wie von der Bundesregierung angekündigt, sogenannte Gefährder, Straftäter und Flüchtlinge, die ihre Identität verschleiern, in der Maschine nach Kabul gesessen hätten. Es sei etwa auch ein noch sehr junger Afghane aus Bayern dabei gewesen, der bisher nicht als kriminell aufgefallen sei. Christine Deutschmann, die am Morgen noch in Bayreuth demonstrierte und dann nach Frankfurt gefahren war, berichtete, sie habe beobachtet, wie der Afghane in der Ausländerbehörde festgenommen worden sei. „Das war eine Falle“, sagte sie am Rande der Demonstration im Flughafen. „Und der Grund für die Abschiebung: Er hat seinen Ausweis zwei Monate zu spät abgegeben.“ Auch der Bayerische Flüchtlingsrat kritisierte die Entscheidung. Es sei nicht zu erklären, warum es ausgerechnet diesen jungen Mann treffen soll, der offenkundig nicht habe untertauchen oder sich der Abschiebung entziehen wollen und dem auch sonst nichts vorzuwerfen sei.

          Abschiebung seit Wochen geplant

          Weder die Bundespolizei noch das Bundesinnenministerium wollten bestätigen, dass es überhaupt eine Abschiebung gegeben habe. Nach Informationen der F.A.Z. war auch diese jedoch schon seit Wochen geplant. Am Mittag waren die Afghanen – von denen zehn aus Bayern stammen sollen, weitere aus Hamburg, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen – aus den Unterkünften abgeholt und nach Frankfurt gebracht worden.

          Die Demonstration am Flughafen, die gegen 18 Uhr begann, verlief friedlich. Hunderte Menschen hielten Transparente mit Aufschriften wie „Afghanistan ist sicher – und die Welt ist eine Scheibe“ in die Höhe und riefen Parolen wie „Bleiberecht überall, kein Mensch ist illegal“. Organisiert hatte die Proteste am Flughafen Sarmina Stumann von „Afghan Refugees Movement“. Die junge Frau mit dem schlichten grauen Kopftuch führte den Zug durch das Terminal an. „Ich will darauf aufmerksam machen, was hier passiert“, sagte sie. Ein junger Mann aus ihrer Gruppe ist auch aus Kundus, wo immer noch täglich durch Angriffe und Anschläge Menschen sterben.

          Er berichtete, dass sein Asylantrag gerade abgelehnt worden sei. Beim Frankfurter Verwaltungsgericht hat er Widerspruch eingelegt und wartet nun auf die Entscheidung. „Ich habe voll Angst“, sagte der Dreiundzwanzigjährige in flüssigem Deutsch. Er ist seit zwei Jahren in Frankfurt. In seiner Sicht werden die Abschiebe-Flüge als „Instrument genutzt, um Panik zu schüren“. So sieht es auch der Sprecher des Bayerischen Flüchtlingsrates, der sich für viele der Abgeschobenen im Vorfeld eingesetzt hatte: Die Furcht gehe so weit, dass sogar Menschen untertauchten, die gar nicht von Abschiebung bedroht seien.

          Nicht alle Reisenden am Flughafen zeigten Verständnis für den Protest. Die meisten folgten stumm den Anweisern, die sie um Transparente navigierten. Doch ein junger Mann mit Gelfrisur deutete auf die Demonstranten und sagte laut zu seinem Freund: „Das sind die Asozialen!“ Auf die Frage, was er meine, erwiderte er: „Ich war selbst beim Bund, ich weiß Bescheid – die sollen alle abhauen.“

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