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Frankfurt : Erste Containeranlage für Flüchtlinge eröffnet

  • -Aktualisiert am

Übergangslösung: die Container am Frankfurter Bogen Bild: Cornelia Sick

Die Flüchtlingsunterkünfte der Region platzen schon lange aus allen Nähten. Jetzt stellte das Frankfurter Sozialamt erstmals Container auf. „Wir haben keine andere Wahl“, heißt es.

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          Drei Brüder aus Syrien sind schon eingezogen, und die 77 anderen Betten werden auch nicht lange leer bleiben. Wahrscheinlich wird es nur wenige Wochen dauern, bis alle Doppelzimmer in den Containern am Frankfurter Bogen belegt sind. Mit der Eröffnung der Anlage vollzieht das Sozialamt einen Paradigmenwechsel. Statt die Asylbewerber dezentral in Wohnungen und kleinen Gruppen unterzubringen, setzt die Stadt nun auf größere Unterkünfte. „Wir haben keine andere Wahl“, sagte Michael Frase, Vorsitzender des Evangelischen Vereins für Wohnraumhilfe, der die Container im Auftrag der Stadt betreibt am Mittwoch.

          Im Schnitt muss Frankfurt Woche für Woche 40 Asylbewerber aufnehmen. Die meisten stammen aus Eritrea, Afghanistan und Ghana. Schon seit Monaten muss das Sozialamt die Neuankömmlinge auch in Hotels unterbringen.

          Professionelle Betreuung wichtig

          Die Container, in denen zuvor eine Kita untergebracht war, wurden für die Bedürfnisse von alleinstehenden Flüchtlingen umgebaut. Außer den Doppelzimmern gibt es eine Gemeinschaftsküche und einen Gruppenraum. Auf jedem Zimmer steht ein Kühlschrank. Die Asylbewerber werden rund um die Uhr betreut, tagsüber kümmern sich Sozialarbeiter um ihre Belange, ein Sicherheitsdienst wird jederzeit nach dem Rechten sehen. Eine Pfarrerin arbeitet halbtags in der Anlage. Darüber hinaus sollen den Flüchtlingen Ehrenamtliche zur Seite stehen.

          Schon bevor die ersten Bewohner eingezogen seien, hätten sich 70 Anwohner gemeldet, sagte Frase. „Aber wir müssen erst einmal sehen, welche Hilfe sie eigentlich brauchen und wollen.“ Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) ist wichtig, dass die Freiwilligen professionell betreut werden, um Enttäuschungen zu vermeiden. Sie wünscht sich, dass die Leute aus der Nachbarschaft den Asylbewerbern ihre neue Heimat näherbringen und sie mitnehmen in Vereine und Gemeinden.

          Konkurrenz um Bauplätze

          Für Mittwoch hatten Frase und Birkenfeld zu einem Tag der offenen Tür in die Container eingeladen. Die CDU-Politikerin sagte, weitere Container-Anlagen seien nötig. Die Eröffnung am Frankfurter Bogen sei daher auch ein Signal an andere Stadtteile. „Die Alternative wären Zelte“, sagte die Dezernentin. Gleichzeitig sucht die Stadt nach Grundstücken, auf denen sie dauerhafte Unterkünfte errichten kann. Doch die Konkurrenz ist groß, denn ähnlich verzweifelt hält Birkenfelds Magistratskollegin Sarah Sorge (Die Grünen) Ausschau nach Flächen für Kitas und Ausweichquartieren für sanierungsbedürftige Schulen.

          Birkenfeld wies darauf hin, dass selbst der erhöhte Pauschalbetrag, den das Land für jeden zugewiesenen Flüchtling an die Stadt überweist, bei weitem nicht ausreiche, um alle Kosten zu decken. Von den zukünftig 725 Euro gingen allein 390 Euro für den Regelsatz ab, der jedem Flüchtling zustehe. Die Unterbringung koste im Schnitt 24 Euro je Tag. „Dazu kommen noch Sozialarbeit, Gesundheitsvorsorge und vieles mehr“, führte die Dezernentin aus. Flüchtlinge in Frankfurt erhalten darüber hinaus einen Gutschein für einen Sprachkurs und den Frankfurt-Pass, mit dem sie günstiger Bus und Bahn fahren können und andere Vergünstigungen erhalten. Die Lücke zwischen Landesbudget und tatsächlichen Kosten wachse jeden Tag, weil die Suche nach Wohnraum immer komplizierter werde.

          Die Container-Anlage am Frankfurter Bogen ist in zweifacher Hinsicht eine Übergangslösung. Zum einen will das Sozialamt die Flüchtlinge so schnell wie möglich in dauerhafte, wohnlichere Unterkünfte vermitteln. Zum anderen werden die Container nur noch für zwei oder drei Jahre an diesem Ort stehen. Dann sollen dort Wohnungen entstehen.

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