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Klima-Protest : Frankfurter Uni-Leitung lässt besetzten Hörsaal räumen

Gesprächskreis: Kanzler Albrecht Fester im Gespräch mit Besetzern. Bild: Lando Hass

Seit Dienstagvormittag hatten Aktivisten der Gruppe „End Fossil“ einen Hörsaal an der Frankfurter Goethe-Universität besetzt gehalten. Das Angebot der Uni-Leitung, andere Räume für Diskussionen und Vorträge nutzen zu können, haben sie abgelehnt.

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          Das Gespräch dauert kaum zehn Minuten, dann verlässt Albrecht Fester, der Kanzler der Frankfurter Goethe-Universität, genervt den Saal. Seinen Vorschlag wollen die Klima-Aktivisten nicht annehmen: Fester hatte angeboten, ihnen Räume für Diskussionsveranstaltungen zur Verfügung zu stellen, auf dem Bockenheimer Campus der Universität, aber auch auf dem Uni-Gelände im Westend. Im Gegenzug sollten sie den Hörsaal räumen, den sie seit Dienstagvormittag besetzt halten. Doch auf das Angebot gehen die Besetzer nicht ein: „Wir bleiben hier“, erklären sie gegenüber dem Uni-Kanzler.

          Alexander Jürgs
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „End Fossil“ nennt sich die Gruppe, die den Hörsaal auf dem Campus Westend besetzt hat. Die erste Besetzung durch deren Aktivisten ist die Frankfurter Aktion nicht. Ende Oktober hatte in Göttingen erstmal eine Gruppe von „End Fossil“ Universitätsräume besetzt, auch in Marburg und Augsburg war es zu Aktionen gekommen. Insgesamt soll es bis Ende des Jahres in Deutschland unter dem Motto „End Fossil: Occupy!“ mehr als 20 Uni- und Schulbesetzungen geben, hat die Gruppe auf ihrer Website angekündigt.

          Lange Liste mit Forderungen

          Ihre Aktion auf dem Westend Campus nennt der Frankfurter Ableger eine „offene Besetzung“. Im Hörsaal sollen Vorträge gehalten und über die Forderungen der Gruppe diskutiert werden. Am Dienstagnachmittag haben sich dort etwa 150 Studenten versammelt. Ein Banner mit dem Schriftzug „Besetzt! Für Klimagerechtigkeit“ hängt an der Wand, Sofas und Sessel wurden in den Saal geräumt und im Kreis aufgestellt, auf einem Tisch stapeln sich Bananen, Hummus, Brezeln. Am Eingang zum Hörsaal hängt, mit Edding auf weißes Papier geschrieben, die Liste der Forderungen der Besetzer. Sie ist ziemlich lang.

          Die Aktivisten wollen etwa, dass das Juridicum auf dem Campus in Bockenheim von der Uni nicht an die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG abgeben und auch nicht abgerissen wird. Stattdessen sollen Initiativen das Gebäude „in Selbstverwaltung“ nutzen können. Gefordert wird außerdem, dass die Universität ihre Verträge mit dem Energieversorger Mainova kündigt und auf eine nichtfossile Energieversorgung umsteigt. Eine Professur für Klima und Transformation soll geschaffen werden, aber auch „mehr queer-feministische Forschung“ er­möglicht werden.

          „Wir stören den Betrieb, aber wir wollen keine Randale machen“, sagt Lukas Geisler, einer der Besetzer. Bis zum Freitag habe man Programm geplant, über das weitere Vorgehen will die Gruppe im Plenum beraten.

          Am späten Nachmittag entscheidet sich die Leitung der Uni, den Hörsaal räumen zu lassen. Sie stellt Strafantrag gegen die Besetzer. Als am Abend die Polizei eintrifft, ist ein Teil der Besetzer bereit, den Saal zu verlassen, andere muss die Polizei aus dem Gebäude abführen. Vor dem Hörsaal protestieren Aktivisten mit Sprechchören gegen den Einsatz.

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