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Frankfurt - die wachsende Stadt : Nicht so reich, aber doppelt so groß wie Harvard

  • -Aktualisiert am

Nichts für Studenten mit Platzangst: In den Hörsälen der Goethe-Uni herrscht großes Gedränge. Bild: Kretzer, Michael

Die Frankfurter Universität hat so viele Studenten wie noch nie. Auch für ausländische Abiturienten und Forscher wird sie attraktiver. Die Chancen, dass Absolventen in der Stadt bleiben, stehen gut.

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          Frankfurt hat jetzt zwei Universitäten. Zum einen die Goethe-Uni, die gerade ihr hundertjähriges Bestehen feiert. Und dann die Frankfurt University of Applied Sciences. Die gibt es eigentlich auch schon ziemlich lange, doch hatte sie bisher einen nicht ganz so klangvollen Namen: Fachhochschule Frankfurt. Doktorarbeiten schreiben kann man bisher nur an der echten Universität, aber selbst das wird sich vielleicht bald ändern, denn die schwarz-grüne Landesregierung will laut Koalitionsvertrag auch forschungsstarken FH-Professoren das Promotionsrecht gewähren.

          Sascha Zoske
          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Fachhochschule, die nicht mehr so heißen will, hat gut 11.000 Studenten. Was das betrifft, kann sie es schon mit dem Massachusetts Institute of Technology aufnehmen. Hinsichtlich der Forschungsleistung noch nicht so ganz. Es ist auch unwahrscheinlich, dass dank des neuen Namens nun Hunderte heller Köpfe aus Amerika an den Main ziehen, um ihren Lebenslauf mit einem Master der Frankfurt University zu krönen.

          Drittgrößte Uni Deutschlands

          Die andere, die Goethe-Universität, zählt mehr als doppelt so viele Immatrikulierte wie Harvard – jene amerikanische Elitehochschule, der Frankfurts Unipräsident Werner Müller-Esterl so gerne nacheifern möchte. Mit rund 45.000 Studenten ist seine Uni die drittgrößte Deutschlands. Manche ihrer Wissenschaftler können sich mit den Harvard-Kollegen messen. Das universitäre Stiftungsvermögen der Frankfurter liegt verglichen mit dem der Konkurrenz jenseits des Atlantiks aber auf Kleinsparerniveau: 160 Millionen Euro hier, 24 Milliarden Euro dort.

          Mögen Anspruch und Wirklichkeit auch manchmal nicht ganz zueinander passen, eines steht fest: Die beiden größten Frankfurter Hochschulen wachsen, qualitativ und quantitativ, teils auf eigenen Wunsch, teils gezwungenermaßen. Sie nehmen mehr Studenten auf, und sie entwickeln sich baulich weiter, wie auch die größte Privathochschule der Stadt, die Frankfurt School of Finance and Management, die gerade dabei ist, sich einen neuen Campus an der Adickesallee zu erschließen.

          Drittgrößte Universität: Wer einen Platz bekommen will in der Vorlesung, muss zeitig da sein.
          Drittgrößte Universität: Wer einen Platz bekommen will in der Vorlesung, muss zeitig da sein. : Bild: Gilli, Franziska

          Das nicht ganz freiwillige Wachstum von Universität und Fachhochschule, pardon, University, resultiert aus den steigenden Studentenzahlen. Schon zur Jahrtausendwende wiesen die Kurven nach oben, dann kamen moderate Rückgänge wegen der vorübergehenden Einführung von Studiengebühren, aber seit 2008 geht es stetig aufwärts. Die Gründe sind nicht Frankfurt-spezifisch: Aussetzung der Wehrpflicht, G8-Gymnasialreform, vergleichsweise geburtenstarke Jahrgänge, steigende Studierneigung. Dass die Zahlen in nächster Zeit zurückgehen, ist nicht zu erwarten. Nach neuesten Schätzungen der Kultusministerkonferenz bleiben sie bis 2020 auf hohem Niveau.

          Seit Jahren beteuern die Hochschulpräsidenten, dass sie die vielen Studenten gerne aufnehmen, und ebenfalls seit Jahren wird immer wieder einmal darauf hingewiesen, dass die Kapazitätsgrenzen nun erreicht seien. Trotz des Andrangs sind die Studienbedingungen in Frankfurts Akademiker-Bildungsstätten – bei allen Mängeln im Detail – so gut wie lange nicht. Dafür haben allein schon die Bauprogramme der Wiesbadener Regierungen gesorgt, deren Erfolge auf den Arealen beider Landeshochschulen zu besichtigen sind.

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