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Frankfurt - Die wachsende Stadt : Frankfurt wird überrollt

Auf den Straßen staut es sich: Die Mehrheit der Pendler kommt mit dem Auto zur Arbeit nach Frankfurt. Bild: dapd

Es reicht nicht aus, immer mehr neue Wohnungen zu errichten. Auch das Verkehrsnetz in und um Frankfurt muss ausgebaut werden. Doch hinten und vorne fehlt Geld.

          Mehr Einwohner gleich mehr Verkehr. So lautet eine einfache Wahrheit, die gleichwohl in der Diskussion über die wachsende Stadt Frankfurt leicht vergessen wird. Eine junge Familie, die nach Frankfurt gezogen ist, weil einer der Ehepartner zum Beispiel einen guten Job bei der Europäischen Zentralbank gefunden hat, ist auf vielfältige Weise mobil. Der Mann fährt mit dem Auto oder Bus und Bahn zur Arbeit, die Frau bringt ihr Kind mit dem Wagen zur Krippe oder zur Schule und steuert danach das Büro an. Am Wochenende macht die Familie einen Ausflug in den Palmengarten oder besucht die Eltern im Umland – und all das selten zu Fuß.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das wachsende Verkehrsaufkommen lässt sich an den Fahrgastzahlen des Rhein-Main-Verkehrsverbunds ablesen: Im Jahr 2010 zählte der Verbund 667 Millionen Personenfahrten, im vergangenen Jahr lag die Zahl um mehr als 40 Millionen höher, nämlich bei 708 Millionen Fahrten. Vor allem im Ballungsraum Rhein-Main drängen sich immer mehr Fahrgäste in die Bahnen und Busse.

          Tagsüber wird Frankfurt zur Millionenstadt

          Daraus ist eine zweite einfache Wahrheit abzuleiten, die oft nicht genügend beachtet wird. Sie lautet: Wenn die Bevölkerung des Umlands wächst, nimmt in Frankfurt der Verkehr zu. Denn die Jobs für die Offenbacher, Friedberger und Hanauer entstehen oft in der nahegelegenen Wirtschaftsmetropole. Jeden Morgen wird Frankfurt von Pendlern sozusagen überrollt, knapp 350.000 von ihnen kommen werktags in die Stadt. Damit wird Frankfurt mit seinen knapp 700.000 Einwohnern tagsüber regelmäßig zur Millionenstadt.

          Wenn Nachbargemeinden neue Baugebiete ausweisen, weil es in Frankfurt an Wohnungen und Flächen mangelt, geht es immer auch darum, diese Siedlungen an die Verkehrswege anzubinden. Für Frankfurts Verkehrsdezernenten Stefan Majer von den Grünen lautet deshalb eine Grundregel der Stadtentwicklung, dass neue Wohngebiete nie abseits der großen Verkehrswege entstehen dürfen, sondern immer an solchen Magistralen liegen müssen. Das gelte nicht nur für das Umland, sondern auch für das Stadtgebiet selbst.

          Volle Abteile, Gedränge auf den Straßen

          Deshalb hält der Stadtrat auch nichts von dem SPD-Vorschlag, auf der grünen Wiese zwischen Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach eine Trabantenstadt zu errichten. Sie wäre, so seine Argumentation, nicht leistungsfähig genug ans Verkehrsnetz angeschlossen. Neue Siedlungen sollten nur dort entstehen, wo öffentliche Verkehrslinien vorhanden seien – oder neue Strecken zumindest schon in der Planung. Ist das nicht der Fall, muss der Pendler morgens ins Auto steigen.

          Die Lage wird dadurch nicht einfacher, dass viele Pendler zwar mit dem Zug oder der S-Bahn nach Frankfurt fahren könnten, es aber nicht tun, weil ihnen volle Abteile ein Greuel sind oder weil sie auf den Komfort des eigenen Wagens nicht verzichten wollen. Deutlich mehr als die Hälfte der Pendler kommt mit dem Auto zur Arbeit. Zu beobachten ist das jeden Morgen und jeden Abend an dem Gedränge auf den Autobahnen und Schnellstraßen im Rhein-Main-Gebiet und an den Schlangen vor den Ampeln der Einfallstraßen.

          Die Straßenbahnlinie 18 bindet den Frankfurter Bogen an.

          Die einstige Lösung, immer neue Straßen zu bauen, scheint nicht länger zu taugen. Neue Autobahnen werden im Rhein-Main-Gebiet wohl kaum mehr in Angriff genommen. Dafür fehlt nicht nur das Geld, es gibt darüber hinaus auch keinen Platz für neue Trassen. Ohnehin würden alle Pläne für zusätzliche Schnellstraßen am Widerstand der Anwohner scheitern, die sich vor Lärm und Abgasen fürchten. Zuletzt wurde vor 20 Jahren die Autobahn661 durch das Frankfurter Stadtgebiet zwischen Bornheim und Seckbach geschlagen. Die Proteste gegen den „Moloch Autobahn“ haben dort bis heute nicht aufgehört. Sie richten sich mittlerweile gegen eine Verbreiterung der Trasse und gegen den Riederwaldtunnel, der eine Verbindung zwischen der vom Osten kommenden und am Hessencenter jäh endenden A66 mit der A661 schaffen wird.

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