https://www.faz.net/-gzg-7rb1t

Frankfurt - Die wachsende Stadt : Frankfurt wird überrollt

  • -Aktualisiert am

Eigentlich sollten die Arbeiten für den Tunnel schon Mitte der siebziger Jahre beginnen. Die Kritiker, die auf die hohen Kosten, den Lärm und die Umweltschäden hinwiesen, konnten das Vorhaben lange verhindern. Nun ist mit dem Bau des Autobahndreiecks Erlenbruch und mit den Vorarbeiten für den Riederwaldtunnel, der nach der jüngsten Prognose 2022 fertig sein soll, begonnen worden. Würde die A661 erst jetzt gebaut werden, würde ihre Trasse vermutlich nicht zwischen zwei Stadtteilen verlaufen, sondern am Stadtrand abseits von Wohngebieten.

Riederwaldtunnel das größte Autobahn-Projekt

Die Verbreiterung der A661 hat aber überraschend die Chance auf ein neues Wohngebiet eröffnet. Alle wichtigen politischen Kräfte in der Stadt haben sich dafür ausgesprochen, zwischen Bornheim und Seckbach einen Deckel auf die Autobahn zu setzen. Auf einer solchen Einhausung soll dann unter dem Namen Ernst-May-Viertel ein neuer Stadtteil gebaut werden. Der Charme des Vorhabens liegt nicht zuletzt darin, dass es nicht aufwendig wäre, das neue Viertel an den öffentlichen Nahverkehr anzuschließen. Allerdings ist Frankfurt bei dem teuren Einhausungs-Projekt auf finanzielle Hilfe des Bundes angewiesen. Ob der bereit sein wird, der Stadt in größerem Umfang beizustehen, muss man vorerst bezweifeln.

Der Riederwaldtunnel samt neuem Autobahndreieck im Frankfurter Osten dürfte das letzte große Autobahn-Projekt im Rhein-Main-Gebiet sein. Land und Bund setzen nicht mehr auf Neubauten, sondern auf die Ertüchtigung der bestehenden Autobahnen. In dem vom damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) initiierten Projekt „Staufreies Hessen 2015“ wurde gezielt nach Möglichkeiten gesucht, die Kapazität der bestehenden Trassen zu vergrößern. Die größten Erfolge erzielte die Straßenverwaltung dabei mit der Freigabe von Seitenstreifen bei hohem Verkehrsaufkommen.

Sanierungsbedürftig: der Frankfurter Ostbahnhof.
Sanierungsbedürftig: der Frankfurter Ostbahnhof. : Bild: Eilmes, Wolfgang

Frankfurt allerdings kann zusätzlichen Verkehr kaum mehr verkraften. Die Straßen sind im Berufsverkehr voll, Parkplätze sind Mangelware, obwohl in den vergangenen Jahren von der Stadt und von Privaten zahllose Tiefgaragen gebaut wurden. Die schwarz-grüne Stadtregierung hat deshalb in den vergangenen Jahren auf den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und des Radverkehrs gesetzt. Immerhin legen die Frankfurter mittlerweile 15 Prozent der Wege mit dem Rad zurück – zumindest, wenn es nicht regnet oder schneit. Die Stadt hat viel Geld für den Ausbau des Radwegnetzes ausgegeben und plant weitere Investitionen. Tatsächlich hat das den Druck im Autoverkehr etwas gemindert: Auf dem Cityring etwa, so wird vermeldet, sollen jetzt weniger Autos fahren als früher.

Entscheidend für eine wachsende Stadt wie Frankfurt ist die Erweiterung des Bus- und Bahnnetzes. Mit der Ausschreibung von Buslinien konnte die Stadt anfangs die Kosten senken und mit dem eingesparten Geld neue Verbindungen schaffen. Nun scheint aber die Wettbewerbspolitik ausgereizt zu sein. Das nächste Busbündel will die Stadt wieder direkt an eine städtische Tochter vergeben. Auch muss sie inzwischen den Busverkehr wieder subventionieren.

S-Bahn-Ausbau gegen den Wohnungsmangel

Der Bau neuer Schienentrassen für die U-Bahn, Straßenbahn und S-Bahn wiederum erfordert einen ungeheuer langen Atem. Die Planung für die nordmainische S-Bahn zwischen Frankfurt und Hanau etwa begann schon 1985. Erst zwei Jahrzehnte später war die Vorplanung fertig. Und noch immer ist nicht sicher, ob die Strecke tatsächlich gebaut werden kann. Denn bei der obligatorischen Nutzen-Kosten-Rechnung hat das Projekt nicht den notwendigen Wert erreicht, der für eine Förderung notwendig ist. Nun hoffen die regionalen Akteure und die Bahn auf den Bund. Er soll akzeptieren, dass die Vorteile des Projekts für den dann besser fließenden Bahn-Fernverkehr in die Rechnung eingehen dürfen.

Weitere Themen

Das rote Netz wird dichter

Fahrradwege in Frankfurt : Das rote Netz wird dichter

Radfahrer bekommen in Frankfurt mehr Platz auf den Straßen. Das Straßenbauamt nutzt die Sommerfeiern und richtet nun auch am Mainkai eine separate Fahrradspur sein. Weitere Spuren sollen auch andernorts folgen.

Topmeldungen

Einsatz in Kirli: Feuerwehrleute versuchen ein Feuer in der türkischen Provinz Antalya unter Kontrolle zu bringen.

Brände in Türkei und Italien : Heftige Feuer im Mittelmeerraum

In der Türkei und in Italien brennen die Wälder. Schuld sind womöglich Brandstifter. Eine seit Anfang der Woche andauernde Hitzewelle in Griechenland geht indes auf ihren Höhepunkt zu – mit Temperaturen von bis zu 45 Grad.
Markus Söder im Landtag, im Vordergrund Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) am Rednerpult

Testpflicht und Impfregime : Söders Sorgen

Die Testpflicht ist das Eingeständnis von Bund und Ländern, dass ihre Strategie nicht aufgegangen ist. Die Impfmüdigkeit ist zu groß. Der Grund: Eigensinn und Politiker wie Hubert Aiwanger.

Aufruhr im Schwimmen : Zurück im Doping-Sumpf

Ryan Murphy wird von Jewgeni Rylow geschlagen. Der Amerikaner spricht im Anschluss von einem Rennen, das „wahrscheinlich nicht sauber“ war – und wird vom Olympischen Komitee Russlands als Verlierer verhöhnt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.