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Kommentar : Das Schweigen im Römer zur DFB-Akademie

Im Grünen: So soll die DFB-Akademie auf der einstigen Galopprennbahn in Frankfurt einmal aussehen. Bild: Simulation Kadawittfeldarchitektur

Frankfurts Politiker sind vor dem Bürgerentscheid äußerst zurückhaltend mit Lob für das geplante DFB-Zentrum. Sie fürchten offenbar ein weiteres Aufrütteln der Gegner.

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          Je näher der Tag des Bürgerentscheids über die Zukunft des Rennbahn-Areals rückt, desto deutlicher ist die Taktik der Frankfurter Kommunalpolitik zu erkennen. CDU, Grüne und SPD, die die Planung für eine DFB-Akademie unterstützen, unternehmen denkbar wenig, um für das Projekt zu werben. Sportdezernent Markus Frank (CDU) ist der einzige, der in öffentlichen Veranstaltungen Rede und Antwort steht. Der Oberbürgermeister beschränkt sich bisher auf eine Videobotschaft im Internet.

          Feigheit vor dem Feind, könnte man denken. Es handelt sich jedoch eher um eine Variante der asymmetrischen Demobilisierung, wie sie Angela Merkel hierzulande bekannt gemacht hat. Dahinter steht die Annahme, dass eine massive Werbekampagne der Stadt zugunsten des DFB-Projekts die Gegner erst richtig aufrütteln würde. Das lehrt der Ausgang von Bürgerentscheiden in München, Hamburg und Berlin: Sie waren dann erfolgreich, wenn sie als Gelegenheit wahrgenommen wurden, dem politischen Establishment eine Lehre zu erteilen. Um die Sache ging es dort weniger.

          Gegner der DFB-Akademie skandalisieren

          Die Kampagne der Rennbahn-Freunde geht den umgekehrten Weg. Sie setzt auf Skandalisierung. In ziemlich kühnen Rechnungen wird unterstellt, die Stadt unterstütze den reichen DFB mit 84 Millionen Euro. Und auf einem seit Montag in großer Auflage verbreiteten Plakat wird eine persönliche Nähe von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach zu Fifa-Chef Josef Blatter suggeriert. Damit will man sich zunutze machen, dass der Schweizer zum Teufel in der Ersatzreligion Fußball geworden ist.

          Der DFB ist um Souveränität bemüht. Er wirbt bodenständig unter hiesigen Vereinen für Unterstützung. Er bietet viel Prominenz auf und preist den Standort Frankfurt. Und er präsentiert kurz vor dem Bürgerentscheid den zurückhaltend geratenen Siegerentwurf für die Akademie. Niemand soll sagen können, der DFB wolle auftrumpfen oder er habe Geheimnisse.

          Klares Ergebnis wünschenswert

          Jede Taktik hat Risiken. Die Anhänger des Rennsports laufen Gefahr, mit ihren Übertreibungen jene zu verprellen, die seriöse Debatten schätzen. Die Zurückhaltung der Stadt, die sich ihrer Sache noch ziemlich sicher ist, könnte wiederum auch die Anhänger des Akademie-Projekts demobilisieren.

          So oder so, ein klares Ergebnis des Entscheids ist wünschenswert. Sollten die Rennbahnfreunde nur knapp am Quorum scheitern und zugleich eine halbwegs deutliche Mehrheit vorweisen können, dann wäre die Debatte am 21. Juni nicht beendet. Die Politik sollte dann auch nicht das Argument hervorkramen, die schweigende Mehrheit teile ihre Haltung.

          Matthias Alexander
          Redakteur im Feuilleton.

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