https://www.faz.net/-gzg-8lzsw

Frankfurt : Das Fleisch darf nicht zu mager sein

Verwandschaft am Grill: Theocharis Petridis, hier mit seiner Tochter Anastasia, hat den Imbiss „To Steki“ gegründet. Bild: Wonge Bergmann

Ein Familienbetrieb im Frankfurter Stadtteil Griesheim führt vor, wie ein guter Gyros schmecken soll - und zeigt auch, wie es überhaupt zubereitet wird.

          Du bist keine Schönheit, vor Arbeit ganz grau. Mit dieser Zeile besingt Herbert Grönemeyer seine Heimatstadt Bochum. Für Frankfurt stimmen die Worte auch, für den Stadtteil Griesheim zumindest. Keine Glastürme mit Banken und Kanzleien. Keine Bürgersteige, schwarz von Büromenschen in dunkler Jobkleidung, keine teuren Aluräder, die vor dem Bio-Supermarkt parken. Stattdessen Industrie und Werkstätten und Discounter. Und an der Lärchenstraße ein Einkaufsmarkt für Delikatessen und gutes Essen, der auch die Spitzengastronomie beliefert, das Frischeparadies, beliebt wegen seiner großen Auswahl an Fisch. Fast um die Ecke, an der Elektronstraße, liegt ein Ort, der dazu so etwas wie einen Gegenpol darstellt, dessen Angebot sich aber auf seine Art ebenfalls lesen lässt als qualitätsversessen. Es ist der griechische Imbiss „To Steki“, und der Gyros schmeckt dort hervorragend.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein Eckhaus, frisch gestrichen. Über der Eingangstür zum „To Steki“ ragen zwei Leuchtschilder aus der Wand, die anzeigen, dass drinnen der Sportsender Sky läuft. Vor dem Lokal eine mit Holzbohlen ausgelegte, mit einem Jägerzaun eingefasste Terrasse, mit Gartenmöbeln und einer Lounge-Ecke. Auf den Tischen liegt die Speisekarte aus, los geht’s.

          So wird Gyros zubereitet - und Döner auch

          Es erscheint Christos Poulios, ein schmaler Mann in seinen Dreißigern, die Arme tätowiert, die Haare zum Dutt geknotet. Die Stimme eher leise, die Art selbstbewusst, fast forsch, dabei freundlich; wer schon mal bei ihm war und wer nicht, weiß er ganz genau. Neulinge spricht er gerne darauf an, woher sie ihn und das Lokal kennen, das vor ein paar Monaten erst eröffnet wurde und seine Familie betreibt.

          Fleisch, das geschichtet auf einen Spieß gesteckt und dann horizontal gegrillt wird, bevor mit einem langen scharfen Messer Stücke davon abgeschnitten und mit einer Sauce oder ohne in einer Teigtasche serviert werden, der Pita oder Pytta, vorzugsweise zum Aus-der-Hand-Essen: So wird Gyros zubereitet, Döner auch. Das griechische und das türkische Gericht ähneln sich und sind doch ganz verschieden. In der muslimischen Türkei wird im Döner-Imbiss meist Lamm gegrillt, in Deutschland oft auch Rind oder Geflügel. Echter Gyros hingegen stammt immer vom Schwein. „Vom Schweinenacken“, präzisiert Poulios.

          Im „To Steki“ wird jetzt ein Pita Gyros aufgetragen. Auf einem kleinen roten Plastiktablett liegt auf einem Papier ein gefaltetes Päckchen: ein innen weicher, außen knuspriger Fladen. Gefüllt ist er mit streichholzlangen Fleischstücken, ein paar daumendicken Pommes frites, Salatblättern und Zwiebelringen, einer sommersüßen Tomatenscheibe und einem Klecks Tsatsiki. Das Fleisch ist knusprig und herb, Oregano schmeckt heraus und Knoblauch. Einen Mundvoll davon zu nehmen heißt, sich erinnern an Tage auf einer griechischen Insel, in einem Gyros-Shop an einem Straßenrand, umtost vom Autoverkehr, am Himmel die Sonne, in der heißen Luft Grillgeruch und Hupgeräusche.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Carola Rackete bei ihrer Festnahme im Juli in Porto Empedocle

          Verfahren gegen Kapitänin : Rackete muss vor Gericht aussagen

          Im Verfahren wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Widerstands gegen ein Kriegsschiff sagt Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete an diesem Donnerstag vor Gericht auf Sizilien aus. Die Gefahr einer Inhaftierung besteht wohl nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.