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Wohnungsmarkt : Beim Stau am Bau liegt Frankfurt vorn

Bauboom: Wie hier im Schönhofviertel drehen sich in Frankfurt viele Baukräne. Dennoch gibt es einen Überhang an genehmigten, aber nicht vollendeten Projekten. Bild: Lucas Bäuml

Wegen steigender Baukosten werden viele Wohnungsbauprojekte zurückgestellt. Der Bauüberhang ist in Frankfurt größer als in anderen Städten. Eine Stadt rangiert aber noch vor Frankfurt.

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          Für rund 5000 bis 6000 Wohnungen pro Jahr hat die Frankfurter Bauaufsicht in den vergangenen Jahren Baugenehmigungen er­teilt. Fertiggestellt wurden aber deutlich weniger. Durch Neu- und Umbau wurden in jüngster Zeit nicht mehr als 4000 bis 5000 Wohnungen pro Jahr gewonnen. Das heißt: Es kommt zu einem Bau­überhang, eine Art Stau am Bau. Ende 2021 gab es in Frankfurt 15.800 Wohnungen, die zwar genehmigt, aber noch nicht realisiert sind. In dieser Größenordnung be­wegt sich der Wert schon seit 2018, in den Jahren davor war er deutlich nied­riger.

          Günter Murr
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Umgerechnet auf die Größe der Stadt gibt es einen Bauüberhang von 207 Wohnungen pro 10.000 Einwohner gibt. Nach Angaben des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) liegt Frankfurt damit hinter München (246) auf dem zweiten Platz der deutschen Städte mit mehr als 500.000 Einwohnern. Berlin weist zwar mit 65.800 Wohnungen in absoluten Zahlen einen deutlich größeren Überhang auf, liegt aber mit 180 nicht fertiggestellten Wohnungen pro 10-000 Einwohner hinter Frankfurt.

          Offenbach noch vor Frankfurt

          Städtische Räume seien stärker betroffen als ländliche, so das BBSR. Während in den Ballungszentren Berlin und München auch das Umland einen hohen Bauüberhang aufweist, ist das in der Rhein-Main-Region anders – mit einer Ausnahme. Main-Taunus-Kreis (69 nicht fertiggestellte Wohnungen pro 10.000 Einwohner), Hochtaunuskreis (98) und Wetteraukreis (88) weisen einen unterdurchschnittlichen Bauüberhang aus. Auch die Städte Wiesbaden (133), Mainz (135) und Darmstadt (186) liegen unter den Frankfurter Werten. Nur in Offenbach ist der Stau am Bau mit 229 nicht fertiggestellten Wohnungen pro 10.000 Einwohner größer als in Frankfurt.

          Die Gründe für den Bauüberhang sind vielfältig. Alexander Schürt, Wohnungsmarktexperte beim BBSR, nennt un­ter anderem längere Bauzeiten, den Mangel an Arbeitskräften und höhere Preise für Bauleistungen. Der Frankfurter Magistrat sieht die Ursachen für die Verzögerungen in bautechnischen, un­ternehmerischen oder finanziellen Grün­den. Auch spielten Kapazitätsengpässe bei Baufirmen und Dienstleistern eine Rolle.

          Zum Teil wird auch Grundstücksspekulation als Grund angeführt. Michael Voigtländer vom Institut der Deutschen Wirtschaft hat dafür zumindest in Nordrhein-Westfalen keinen Beleg gefunden. Ein Bauüberhang sei typisch für baukonjunkturelle Boomphasen. Auch Simone Zapke, die Leiterin der Frankfurter Bauaufsicht, sieht keine Anzeichen für Grundstücksspekulationen. Drei Viertel der genehmigten Wohnungen seien in Bau, sagte sie im Juni. Wie hoch dieser Anteil in anderen Städten ist, geht aus dem überregionalen Vergleich des BBSR nicht hervor. Auf ganz Deutschland bezogen stellt das Institut jedoch fest, dass 40 Prozent der genehmigten Bauvorhaben noch nicht begonnen wurden. Bauherrn können sich Zeit lassen: Baugenehmigungen sind zwar auf drei Jahre befristet, die Geltungsdauer kann aber verlängert werden.

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