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Frankfurt bei Facebook : Wo sich Szene, Geld und Petra Roth treffen

  • -Aktualisiert am

Schon drin? Facebook ist auch für Städte interessant. Bild: DPA

Im sozialen Netzwerk Facebook buhlen ganz unterschiedliche Frankfurter um Aufmerksamkeit. Manche mit mehr, manche mit weniger Erfolg.

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          Die Stadt Frankfurt gefällt 3570 Personen. Nicht gerade vielen, wenn man bedenkt, dass „680.000 Frankfurterinnen und Frankfurter zwischen Nieder-Erlenbach und Schwanheim“ leben, wie die Stadt am 23. Juli verkündete und dazu bemerkte: „Die allermeisten davon sind wirklich nette Leute!!!“ So steht es auf der offiziellen Seite der Mainmetropole im sozialen Netzwerk Facebook zu lesen. Als „Stadt Frankfurt am Main“ schreiben dort Mitarbeiter des Presse- und Informationsamtes Nachrichten für die Bürger; die werden hier geduzt, man ist schließlich bei Facebook, da gehört sich das so. 3570 Menschen haben bisher den „Gefällt mir“-Button auf der Seite angeklickt – bei Berlins Facebook-Auftritt steht der Zähler derzeit bei mehr als 256.000 Fans.

          Dass die Stadt Frankfurt in dem Netzwerk aktiv ist, verwundert nicht; weltweit sind dort fast 500 Millionen Menschen registriert. Viele von ihnen decken ihren Informationsbedarf ausschließlich über Links und Artikel, die sie dort finden. Das machen sich all jene zunutze, die auch jenseits des Internets viel Aufmerksamkeit wollen: private Selbstdarsteller, Bürgerinitiativen, Unternehmen und andere. Von einem „zweiten Frankfurt im Netz“, das vor Jahren schon bei der 3D-Animation „Second Life“ beschworen wurde, kann zwar nicht die Rede sein; doch durchaus von einem breiten Kommunikationskanal, der die traditionellen ergänzt und teilweise verdrängt.

          Aufmerksamkeit und Geld

          Veronika Katic vom Presse- und Informationsamt der Stadt weiß um die Wichtigkeit der Präsenz bei Facebook für das Image von Frankfurt; sie pflegt gemeinsam mit ihren Kollegen die Seite, gibt Veranstaltungstipps oder gratuliert der Oberbürgermeisterin virtuell zum Amtsjubiläum. Zu der niedrigen Zahl der Frankfurt-Fans auf der Seite der Stadt möchte sie nichts sagen. Tatsächlich hat beispielsweise die Facebookseite „Mainfrankfurt“ mehr als 43.000 Anhänger, die sich dort die Mitteilungen der Administratoren durchlesen.

          Jeder, der bei Facebook angemeldet ist, kann unentgeltlich die Seiten anderer lesen und kommentieren oder selbst welche anlegen – viele tun das und hoffen auf Leser, denn die bedeuten oft nicht nur Aufmerksamkeit, sondern bares Geld. Die Seite „Mainfrankfurt“ jedoch wird von zwei Freunden betrieben – „wir haben definitiv kein kommerzielles Interesse“, sagt Aroon Nagershet, der hauptberuflich bei einem großen amerikanischen Unternehmen tätig ist. Er lebt von klein auf in Sachsenhausen, während Alimu Rahman, der die Seite vor einem Jahr gründete, nur einige Jahre hier verbrachte und nun wieder in Bangladesh lebt. Der Wunsch, mit Frankfurtern in Kontakt zu bleiben, bewog den Schüler dazu, bei Facebook aktiv zu werden.

          Facebook kann teure Werbung ersetzen

          Jeder Beitrag der beiden erreicht innerhalb von 24 Stunden zwischen 100.000 und 150.000 Klicks – Zahlen, von denen die Betreiber kommerzieller Websites oft nur träumen können. Viele Beiträge ernteten 40 bis 50 Kommentare, berichtet Nagershet stolz. Er und Rahman „posten“ sowohl private Frankfurt-Fotos und „sentimentale Eindrücke“, wie Nagershet sagt, als auch Tipps, Termine und Links zu Zeitungsartikeln, die sie interessant finden. Ein Beitrag zum Frankfurter Badeschiff habe dessen Internetseite innerhalb eines Tages „das Vierfache an Besuchern im Vergleich zu den letzten zwei Jahren beschert“, erzählt Nagershet stolz. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Unternehmen den Autoren beliebter Facebook-Seiten Geld für Verweise auf ihre Produkte zahlen. Doch davon wollen die Freunde nichts wissen: „Facebook und ,Meinfrankfurt‘ sind für uns nur ein Hobby.“

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