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Bauantrag wird gestellt : „Höchst, das ist unser Krankenhaus“

Nicht von Pappe: Der Neubau des Klinikums Höchst, hier ein Modell, soll 237 Millionen Euro kosten. Bild: Waldner, Amadeus

Erst stoppte die CDU den Neubau des Höchster Klinikums als zu teuer, jetzt präsentiert sie gemeinsam mit den Grünen die unveränderten Pläne. Die Dezernentin will an diesem Freitag den Bauantrag einreichen.

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          Umrahmt von den beiden Fraktionschefs der schwarz-grünen Koalition, hat Gesundheitsdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) am Donnerstag angekündigt, an diesem Freitag den Bauantrag für den 237 Millionen Euro teuren Neubau des Klinikums Höchst bei der Frankfurter Bauaufsicht abgeben zu wollen. Das sei ein „entscheidender Schritt“, um das Klinikum Höchst als medizinisch hochwertiges Krankenhaus weiterzuentwickeln und ein „wichtiges Zeichen in die Klinik hinein“.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Parallel will Heilig auch den Förderantrag beim Sozialministerium einreichen. Das Land bezuschusst das Vorhaben voraussichtlich mit rund 55 Millionen Euro. Die verbleibenden 182 Millionen Euro investiert die Stadt Frankfurt in das einzige städtische Krankenhaus, dessen derzeitiges zentrales, 14 Stockwerke hohes Bettenhaus aus den sechziger Jahren stammt und marode ist.

          Drei Wochen prüfte CDU die Kosten

          Dass Heilig den Bauantrag nun doch wie vor Wochen angekündigt vor Weihnachten einreichen wird, hat die CDU-Fraktion in ihrer jüngsten Sitzung nun doch noch möglich gemacht. Die CDU hatte in den vergangenen Wochen für koalitionsinternen Streit gesorgt, da sie den Neubau nicht in der von Heilig geplanten Größenordnung akzeptieren wollte.

          CDU-Fraktionschef Michael zu Löwenstein sagte, es sei Aufgabe der Stadtverordneten, über den sorgsamen Umgang mit Steuergeldern zu wachen. In diesem Fall sei ein „genaues Hinsehen“ nicht innerhalb einer Sitzung möglich gewesen. Der Vorgang der Prüfung, ob der Neubau mit allen Geräten tatsächlich 237 Millionen Euro kosten müsse, habe drei Wochen gedauert. Die Prüfung habe „kein Misstrauen gegenüber dem Magistrat“ und keinen Konflikt für die Koalition bedeutet.

          CDU stehe hinter Klinikum

          Zu guter Letzt habe die Prüfung ja auch ergeben, dass es keine Alternative zu den Pläne der Zentralen Errichtungsgesellschaft für das Klinikum Höchst gegeben habe. Die Option, im Leistungsbereich des Krankenhauses zu sparen, indem man etwa auf eine Abteilung verzichtet, hätte langfristig nicht zu Einsparungen geführt, da auf diese Weise Einnahmen aus Behandlungen gefehlt hätten. „Das wäre wirtschaftlich unvernünftig gewesen.“ Die CDU warte nun auf die Finanzierungsvorlage. Genau diese Vorlage war den Koalitionsfraktionen vor vier Wochen zugegangen, dann aber von Teilen der CDU-Fraktion gestoppt worden.

          Einig: Stadträtin Heilig mit den Fraktionschefs Stock (links) und zu Löwenstein.

          Löwenstein will das jetzt erklärte Festhalten an den Heilig-Plänen als Zeichen gewertet wissen, dass die CDU deutlich hinter der Klinik als kommunale Einrichtung stehe. „Das ist unser Krankenhaus.“ Heilig wie auch Grünen-Fraktionschef Manuel Stock zeigten sich erleichtert, dass die CDU nun den Plänen des Dezernats zugestimmt hat. „Heiligs Projekt wird grünes Licht gegeben“, sagte Stock. Heilige betonte, es sei gut, dass nichts mehr verändert werden müsse. Es hätte „keinen Sinn gemacht, einzelne medizinische Abteilungen herauszunehmen“. Höchst sei ein Haus der Maximalversorgung, dort könne auch weiterhin alles behandelt werden „bis auf Hautkrankheiten und Herztransplantationen“. Das neue Krankenhaus soll allerdings nur noch 664 Betten haben, nach Angaben Heiligs rund 300 Betten weniger, als bisher in Höchst zur Verfügung stehen.

          Heilig kündigte an, im nächsten Jahr einen Generalunternehmer für das Neubauvorhaben zu suchen, damit 2018 das Krankenhaus umziehen könne. Es handele sich um ein „sehr, sehr kompaktes neues Haus mit kurzen Wegen“. Rund eineinhalb Jahre habe die Erarbeitung des Raum- und Funktionsprogramms gedauert. Es soll vorrangig medizinische Zentren geben. Heilig machte das Konzept am Beispiel der Kinderklinik deutlich. Dort sollen Notaufnahme, Ambulanz und Diagnostik, Kinderchirurgie und -orthopädie sowie die Kindertagesklinik in unmittelbarer Nachbarschaft angeordnet werden und gemeinsam einen Großteil der Räume nutzen. Heilig sagte weiter, auch die Operationssäle seien etwa über Aufzüge direkt vom Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach aus erreichbar. Höchst sei ein Zentrum für Schwerstverunfallte und wolle diese Kompetenz weiter ausbauen.

          Drei Abteilungen, Augenklinik, Psychiatrie und die geriatrisches Tagesklinik, sowie alle nichtmedizinischen Bereiche werden nicht im Neubau untergebracht. Heilig zufolge sollen die medizinischen Abteilungen in weiteren Bauabschnitten in Höchst untergebracht werden. Angedacht sei etwa, die Augenklinik im Gebäude der derzeitigen zentralen Notaufnahme unterzubringen, dem einzigen Gebäude, das in den nächsten Jahren nicht abgerissen werde. Für Bettenaufbereitung, Apotheke oder Pathologie werde dagegen nach Partnern für eine wirtschaftlich sinnvolle Zusammenarbeit gesucht. „Heute wird in Höchst fast alles noch selbst gemacht“, sagte Heilig. Künftig werde es Kooperationen und Servicegesellschaften geben.

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