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Frankfurt : Auf dem Weg vom Entwurf zum Gebäude

Platz zum Wachsen: Blick über die Gärten hinter dem Goethehaus hinab in die Baugrube des Romantikmuseums am Großen Hirschgraben. Bild: Frank Röth

Wer ein Museum baut, braucht einen Plan: Im Frankfurter Goethehaus sind Skizzen und Modelle des Romantikmuseums zu sehen, das auf dem Nachbargrundstück entsteht.

          Beton haben die Arbeiter in der Baugrube zu Beginn dieser Woche der Kälte wegen nicht gießen können. Von solchen kleinen Verzögerungen abgesehen verläuft der Bau des Romantikmuseums, das in den nächsten Monaten neben dem Goethehaus in der Innenstadt emporwachsen wird, weitgehend nach Plan. Im Herbst soll das Richtfest gefeiert werden. Mit der Fertigstellung des vom Architekten Christoph Mäckler entworfenen Gebäudes rechnet Anne Bohnenkamp-Renken Ende des nächsten Jahres. Etwa ein Jahr später, Ende 2019 oder Anfang 2020, will die Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts das dann fertig eingerichtete Romantikmuseum eröffnen.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das ist nur wenig später, als die Literaturwissenschaftlerin ursprünglich gehofft hatte. Während des Abrisses der umgebenden Bebauung hat sie sich im vergangenen Jahr zusammen mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG, die das von der Bundesregierung, dem Land Hessen, der Stadt und vielen privaten Spendern finanzierte Museum errichtet, dafür entschieden, das an einer Seite plötzlich freistehende Geburtshaus Goethes mit einer Stahlkonstruktion abstützen zu lassen. Sicher ist sicher. Ihr Anbringen brauchte seine Zeit. Noch ist die Konstruktion von der Straße vor dem Bauplatz aus zu sehen. In den nächsten Monaten wird sich allmählich der aus der Baugrube emporwachsende Rohbau des Museums vor sie schieben.

          Die Feinarbeit hat gerade erst begonnen

          Wie das bisher bloß von einer Fassadenskizze aus Mäcklers Hand bekannte Museum aussehen wird, ist seit gestern in einer kleinen Ausstellung genauer zu betrachten, die im Arkadensaal des Goethehauses bis zum 19. Februar gezeigt wird. Zu besichtigen sind Skizzenbücher des Architekten aus den vergangenen Jahren, mehrere in seinem Büro angefertigte Arbeitsmodelle des Museums und zahlreiche Baupläne. Wer sich in die spärlich kommentierte Ausstellung vertieft und die Pläne an der Wand mit den auf einem langen Tisch aufgereihten Modellen in Beziehung setzt, kann die Baulücke links neben Goethes Elternhaus gedanklich etwas besser schließen als bisher. Und sich auch weiterhin fragen, wie die Romantik hinter der vollendeten Fassade des Museums schließlich präsentiert werden wird.

          Denn kaum etwas verraten die gezeigten Pläne über die Gestaltung der drei Ausstellungsetagen. Die Feinarbeit daran, wie Gemälde, Zeichnungen, Statuen, Handschriften und Alltagsgegenstände aus Goethes langer, die Romantik umgreifender Lebenszeit gezeigt werden, hat allerdings auch gerade erst begonnen. Gestaltet werden die Ausstellungssäle von der Arbeitsgemeinschaft Bach Dolder Katz Kaiser, einem Zusammenschluss des Frankfurter Büros Bach Dolder Architekten und des in Köln und Darmstadt ansässigen Büros Katz Kaiser. Michiko Bach und Daniel Dolder haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Ausstellungen im Städel-Museum, im Liebieghaus und in der Schirn-Kunsthalle ausgestattet, von Tobias Katz und Marcus Kaiser stammt der Entwurf für die Gedenkstätte an die deportierten jüdischen Frankfurter in der ehemaligen Großmarkthalle. Wie die Ausstellungsräume gegliedert und gestaltet werden, erarbeiten alle vier derzeit zusammen mit Mäcklers Büro und den Mitarbeitern des Goethehauses.

          Zu den Fassaden, der Eingangshalle und der Haupttreppe des Museums jedoch ist im Arkadensaal schon einiges zu sehen. Die Fassade zum Großen Hirschgraben hin soll nach Angaben aus Mäcklers Büro verputzt werden und in Erdfarben gehalten sein, abgestimmt auf die Farbigkeit des Goethehauses, mit Akzenten in rotem Mainsandstein und anderen Materialien. Am Haupteingang gleich links neben dem Goethehaus schwingt die Fassade in Halbkreisen nach innen. Der Raum verengt sich von rund sechs auf etwa zweieinhalb Meter, ehe die Eingangstür den Besucher in die zweigeschossige Halle entlässt. Vor sich sieht er durch ein großes Fenster die Gärten hinter dem Goethehaus und rechts die Steine der Brandmauer. Ihre Farbtöne greift der Bodenbelag der Halle auf, der aus beigen, rotbraunen und dunkelbraunen Ziegelsteinen sowie aus grauen Steinen mit bunten Einsprengseln bestehen soll. Sie wurden von der Trümmerverwertungsgesellschaft aus dem Schutt der kriegszerstörten Stadt gepresst und stammen aus dem nach Kriegsende errichteten Vorgängerbau des Museums. Neben der Geschichte der Romantik erzählt es auch die Geschichte seines Standorts. Ebenfalls zu sehen: blaues Glas für den von Mäckler geplanten Erker über dem Eingang. Er hat ein besonders gutes, aber kostspieliges im Auge. „Wenn wir uns dafür entscheiden, müssen wir noch mal sammeln gehen“, sagt Bohnenkamp.

          „Deutsches Romantikmuseum – Von der Skizze zum Bauwerk“

          Die Ausstellung „Deutsches Romantikmuseum – Von der Skizze zum Bauwerk“ ist im Frankfurter Goethehaus, Großer Hirschgraben 23-25, bis zum 19. Februar zu sehen. Sie ist montags bis samstags von 10 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 17.30 Uhr geöffnet.

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