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Tische behindern Feuerwehr : Wirte müssen Frankfurter Altstadt räumen

Hinderungsgrund: Tische und Stühle stehen in der Altstadt im Zweifel der Feuerwehr im Weg Bild: Helmut Fricke

Unter Gastronomen in der Frankfurter Altstadt regt sich Unmut. Tische und Stühle müssen entfernt werden, denn die Außengastronomie behindert die Feuerwehr.

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          Was wünscht sich ein hungriger und durstiger Besucher der Altstadt? Vermutlich traditionelle Küche in lokalem Ambiente. Ein Teller „Eier mit Grüner Soße“ auf dem Hühnermarkt, ein Glas Rheingauer Riesling auf dem Krönungsweg oder ein Stück Frankfurter Kranz vor der Goldenen Waage: Damit könnte bald Schluss sein. Denn die Feuerwehr muss darauf achten, dass die Flucht- und Rettungswege in der engen Altstadt frei bleiben. Vier bis fünf Wirte haben deswegen vor zwei Wochen Post von der Branddirektion bekommen. Sie müssen ihre Außengastronomie abräumen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Ärger unter den betroffenen Gastronomen ist groß. Denn sie hatten ihre Flächen im Vertrauen darauf gepachtet, dass sie vor ihren Lokalen auch Tische und Stühle aufstellen können. Mehrere von ihnen sind am Montag in den Sonderausschuss „Dom-Römer“ der Stadtverordnetenversammlung gekommen, um sich zu beschweren. Die Dom-Römer-GmbH habe ihr einst zugesichert, dass sie den beschaulichen Platz vor der Goldenen Waage auch nutzen kann, sagt die Betreiberin des dortigen Kaffeehauses, Birgit Zarges. Ähnlich sieht das ihr Bruder Hans Peter, der das Wirtshaus am Hühnermarkt führt.

          „Das ist ein Riesenschlag für uns“

          Und auch die Vinothek Balthasar Reß und das kleine Café „Anno 1881“ am Krönungsweg sind von der Direktive der Feuerwehr betroffen. „Das ist ein Riesenschlag für uns“, sagt dessen Betreiber Hendrik Korkuter. Er hat der Feuerwehr vorgeschlagen, nur noch leichte und klappbare Möbel rauszustellen, die in Sekundenschnelle im Lokal verschwinden könnten. Ohne Leben auf der Straße sei die Altstadt nur ein Museum. „Sie lebt doch von dieser Kulisse.“

          In der Tat ist schwer vorstellbar, dass die durch den Bau der Altstadt neu entstandenen Plätze am Dom und am Hühnermarkt nicht großflächig gastronomisch genutzt werden können. Aus einem Plan geht hervor, dass weite Teile der Altstadt von der Feuerwehr als „Fahrkurve“ und Aufstellfläche beansprucht werden. Nur an der Westseite des Hühnermarkts gibt es noch etwas mehr Platz für Sommergärten der Gastronomie. Matthias Hoppenworth hat dort sein Café. Er ist nicht von den Plänen der Feuerwehr betroffen und hofft inständig, dass dies auch so bleibt. Aber er sorgt sich um die anderen Gastronomen. „Für die Attraktivität der Flächen ist es wichtig, dass man sie auch bespielen kann.“

          Altstadt-Flair kontra Brandschutz?

          Die Feuerwehr hat Verständnis für die Situation der Wirte. „Die Gastwirte tun mir leid“, sagt Michael Brückmann, der stellvertretende Leiter der Abteilung Vorbeugung und Planung. Doch sie hätten leider schlechte Aussichten, denn die Feuerwehr müsse nun einmal gewährleisten können, dass sie im Brandfall schnell am Einsatzort ist. In der Altstadt haben viele Häuser nur einen baulichen Fluchtweg, also ein Treppenhaus. Der zweite Rettungsweg wird über die Drehleiter der Feuerwehr hergestellt. Doch der Leiterwagen mit den ausfahrbaren Stützen braucht viel Platz. „Wir haben immer prophezeit, dass es zwischen Altstadt-Flair und Brandschutz einen Konflikt gibt“, sagt Brückmann. Das sei schon bei der Planung der Altstadt klar gewesen. Nun sollten sich alle Beteiligten noch einmal an einen Tisch setzen, um das Problem zu lösen, fordert der Feuerwehrmann.

          Die Situation ist vermutlich auch deshalb so verfahren, weil die Gestaltung der Gassen und Plätze lange Zeit ungeregelt war. Bislang war das Gelände in der Verantwortung der Dom-Römer-GmbH, die den Außenraum aber nicht vermietet hat, wie die neue Geschäftsführerin Regina Fehler hervorhebt. Ihr Vorgänger Michael Guntersdorf habe bei der Nutzung jedoch „viel versprochen“, kritisiert der Gastronom Korkuter. Die Wirte stellten im Vertrauen auf diese Zusagen ihre Möbel eher ungeordnet auf die Straße – zum Leidwesen einiger Anwohner, die sich darüber nun bei der Feuerwehr beschwert haben und den Stein damit wohl erst ins Rollen brachten.

          In einigen Wochen sollen die Straßen und Plätze als „öffentlicher Raum“ gewidmet werden. Dann gehen sie in die Verantwortung des Amtes für Straßenbau und Erschließung über. Wer künftig Tische vor die Tür stellen will, muss dort eine Sondernutzung beantragen. Das Amt will bei der Genehmigung nicht nur die neuen Gestaltungsregeln zugrunde legen, die eine übermäßige Kommerzialisierung des öffentlichen Raums verhindern, den Gastronomen bei der Wahl der Möbel aber Spielraum lassen sollen. Auch der Plan der Feuerwehr muss berücksichtigt werden. Der Sprecher des Planungsdezernats meint allerdings, dass davon abgewichen werden kann, sofern sich die Nutzung eines Gebäudes ändert. Weil die Freunde Frankfurts das Obergeschoss der „Goldenen Waage“ nicht mehr als Versammlungsraum nutzen, erübrige sich der zweite Fluchtweg. Für das Kaffeehaus wäre das eine gute Nachricht.

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