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Frankfurt : Ältere fahren mit Bus und Bahn billiger

Die Frankfurter Koalition fordert eine „echte“ Seniorenkarte. Bild: picture-alliance / dpa

Der Koalition in Frankfurt genügt der jetzige Rabatt nicht, den Senioren bei den öffentlichen Verkehsmitteln genießen. Sie will eine „echte“ Seniorenkarte.

          Fahrpreise senken für Senioren. Diese Forderung ist seit Jahr und Tag im Rhein-Main-Gebiet zu hören. Die Frankfurter Regierungskoalition von CDU, SPD und Grünen hat sie sogar in ihren Koalitionsvertrag aufgenommen. Zahlreiche Verkehrsverbünde, so heißt es dort, hätten spezielle Seniorenkarten eingeführt, die für Ältere den Nahverkehr stark verbilligt hätten. Das entsprechende Angebot in Frankfurt erfülle diese Anforderung nur zum Teil, glauben die Frankfurter Koalitionäre zu wissen. Eine Seniorenkarte sei hier um 50 Prozent teurer als in Stuttgart.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Wir wollen eine echte Seniorenkarte“, schreiben CDU, SPD und Grüne in ihrem Bündnisvertrag. Der Magistrat solle in Zusammenarbeit mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) ein entsprechendes Konzept darlegen. Was die Regierungskoalition in Frankfurt nicht erwähnt: Der RMV hat mit der 65-plus-Karte vor fünf Jahren ein Jahres-Seniorenticket eingeführt. Weil dieses Angebot schon im ersten Jahr hervorragend angenommen worden sei, habe der Verbund bald auch eine 65-plus-Monatskarte eingeführt, berichtet ein Sprecher des Verbunds.

          65-plus-Angebot wird rege nachgefragt

          Diese Seniorentickets verbilligen das Fahren mit Bussen und Bahnen nicht unwesentlich. In Frankfurt zahlen Personen, die das 65. Lebensjahr erreicht haben, für eine Jahreskarte 685 Euro, wenn sie den Betrag auf einmal zahlen. Eine reguläre Monatskarte kostet 856,50 Euro, die Senioren sparen also 171,50 Euro. Für eine 65-plus-Monatskarte müssen Senioren in Frankfurt 69,90 Euro entrichten, normale Fahrgäste zahlen 87,40 Euro. Die Ersparnis für Senioren liegt also bei 20 Prozent.

          Mit einer 65-plus-Karte können RMV-Kunden im Gegensatz zur verbilligten 9-Uhr-Karte auch an den Werktagen zu jeder Tageszeit beliebig oft fahren - sogar in der ersten Klasse, sofern vorhanden. An Werktagen können Inhaber von 19 Uhr an und an Wochenenden und Feiertagen rund um die Uhr einen Erwachsenen und beliebig viele Kinder mitnehmen. Ein Großvater kann also zum Beispiel seine Frau und die ganze Kindergartengruppe seines Enkels auf seinem Ticket zum Frankfurter Zoo mitnehmen. Darüber hinaus dürfen 65-plus-Kunden an Wochenenden und Feiertagen mit dem Seniorenticket in ganz Hessen herumfahren.

          Das 65-plus-Angebot wird laut RMV rege nachgefragt. Im vergangenen Jahr habe der Verbund 12 000 Jahreskarten und 34 000 Monatskarten an Senioren verkauft. Das 65-plus-Angebot habe aber andere Tarifangebote nicht verdrängt, heißt es weiter. Das ist nicht unwichtig für die Finanzierung des Verkehrsangebots. Wäre der Zuwachs an 65-plus-Kunden zu Lasten der Normalzahler gegangen, hätte der Verbund vor einem Einnahmerückgang gestanden.

          Einen solchen kann er sich aber nicht leisten. Denn dann müsste er sein Angebot kürzen, oder die Kommunen und das Land müssten mehr Geld zuschießen. Zurzeit liegt die Kostendeckung über die Fahrgeldeinnahmen bei 56 Prozent. Das bedeutet in anderen Worten, dass knapp die Hälfte eines Fahrscheins die öffentliche Hand aus Steuereinnahmen zahlt.

          Ermäßigte Tages- und Wochenkarten für Senioren gefordert

          In Frankfurt ist die Regierungskoalition dennoch nicht zufrieden mit der Ermäßigung, die das 65-plus-Ticket bietet, wie man dem Koalitionsvertrag entnehmen kann. Was das Regierungsbündnis aber genau anstrebt, hat es noch nicht verlauten lassen. Zurzeit finden Verhandlungen zwischen CDU, SPD und Grünen statt. Zur Diskussion steht unter anderem ein Vorschlag der CDU-Stadtverordneten Erika Pfreundschuh, die auch Vorsitzende der Senioren Union in Frankfurt ist.

          „Senioren mit niedrigen Renten brauchen weitere billigere Angebote im RMV“, fordert Pfreundschuh. Nach ihrem Plan soll es künftig in Frankfurt für Senioren auch ermäßigte Tages- und Wochenkarten geben sowie verbilligte Einzelfahrten.

          Allerdings stellt sich die Frage, ob es eine solche Verbilligung für alle oder nur für bedürftige Senioren geben soll. Ein Kriterium für Bedürftigkeit könnte der Besitz eines Frankfurt-Passes sein, lautet eine der Ideen in der Diskussion um das Frankfurter Seniorenticket. Die Einkommensgrenzen für einen solchen Pass, deren Inhaber schon jetzt eine Ermäßigung für Monats- und Jahrestickets sowie verbilligten Eintritt in viele städtische Institutionen bekommen, liegt bei einem Ein-Personen-Haushalt bei 912 Euro, bei einem Haushalt mit zwei Personen bei 1181 Euro und bei einem Drei-Personen-Haushalt bei 1449 Euro.

          Das technische Problem einer Senioren-Einzelkarte oder einer -Tages- und -Wochenkarte liegt darin, dass die Seniorenpreise auf den Fahrkartenautomaten markiert werden müssten. Dies würde eine Umrüstung der Geräte verlangen, was aufwendig wäre. Deshalb gibt es zum Beispiel die Idee, den Preis der Seniorentickets so festzulegen, dass er dem für Kinderkarten oder für Kurzstrecken entspräche. Dann müssten die älteren Kunden nur die Tasten für Kindertickets drücken.

          Klar ist, dass auch eine auf Inhaber des Frankfurt-Passes beschränkte Seniorenkarte zu Einnahmeausfällen führen würde. Diese müsste die Stadt Frankfurt aus eigenen Mitteln dem RMV erstatten.

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