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Modellbau : Skyline aus Papier

Liebling, ich habe Frankfurt geschrumpft: Frank Reuter in seiner Werkstatt. Bild: dpa

Frank Reuter baut mit Kleber und Papier Häuser und ganze Stadtteile nach. Jetzt hat er sich Frankfurts Skyline vorgenommen.

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          Seine Faszination für Hochhäuser begann mit einem Kinderbuch. Als er zehn Jahre alt war, lag Frank Reuter krank im Bett und langweilte sich. Da fiel ihm ein Kinderlexikon mit einem Bild des Empire State Building in New York in die Hände. „So fing das an“, erzählt Reuter am Telefon. Er klingt ganz aufgeregt, denn gestern hat die Deutsche Presse-Agentur seine Geschichte veröffentlicht. Viele Stunden, Tage, Jahre hat der Zweiundfünfzigjährige aus Northeim in Niedersachsen schon im Hobbykeller und am Küchentisch vor seinen Hochhaus-Modellen gesessen. Er zeichnet, faltet und klebt sie aus Papier. „Ohne Bausatz und Computer“, sagt er stolz. Die Südspitze von Manhattan hat er schon nachgebaut, auch das höchste Hochhaus der Welt, den Burj; Khalifa in Dubai, habe er sich „gegönnt“, wie er sagt.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seine neueste Errungenschaft aber ist Frankfurt. Ein Jahr lang hat Reuter an seinem Modell des Bankenviertels gearbeitet. Im Dezember ist es endlich fertig geworden. Das erste Mal war er 1983 in der Stadt, als gerade die Deutsche-Bank-Türme gebaut wurden. Seither kam er immer wieder, um die Skyline zu studieren und zu fotografieren. Zu Hause überträgt er die Gebäude im Maßstab 1:1000 mit Bleistift und Lineal auf dickes Papier, schneidet sie aus, faltet und klebt sie zusammen und malt sie schließlich mit Buntstiften an. Dann setzt er die Hochhäuser auf eine etwa ein Meter mal ein Meter große Platte – ein Bankenviertel im Miniaturformat. Silberturm, Commerzbank-Tower, Opernturm, Taunusturm, Maintower, die Zwillingstürme der Deutschen Bank. Selbst noch nicht fertiggestellte Gebäude wie der Omniturm und die Marieninsel gibt es bei Reuter schon. Die Entwürfe für die beiden Türme hat er im Internet studiert. Hochhäuser beginnen bei Reuter mit rund 80 Metern, niedrigere Gebäude hat er aus rosafarbenem Styropor nachgebaut. Die Taunusanlage hat er mit künstlichem Moos beklebt, wie es auch bei Modelleisenbahnen zum Einsatz kommt. Auf die Straßen setzt Reuter mit der Pinzette zwei Millimeter hohe Autos, die er aus Holz ausgesägt hat.

          „Ich will es in 3D sehen“

          Den Anstoß, Frankfurt nachzubauen, hat Reuter das große Stadtmodell im Planungsdezernat gegeben, das ihm mit seinen groben Formen nicht besonders gefallen hat. „Es ist ein bisschen farblos“, sagt der Bastler und lacht. Das kann er besser: Sein Bankenviertel ist viel filigraner und detailreicher. Als Uhrmacher hat er das nötige Fingerspitzengefühl. Beim Basteln trägt er eine starke Lesebrille, aber trotzdem tue ihm vor Anstrengung manchmal der Kopf weh, erzählt er. Warum er einen solchen Aufwand betreibt? „Es ist eine Leidenschaft. Und ich will es in 3D sehen.“ Zeit für sein aufwendiges Hobby hat der Frührentner genug. Seine Frau unterstützt ihn, wenn es im Urlaub einmal wieder nach Chicago, Hongkong oder Singapur geht, um Hochhäuser zu bestaunen. „Die Frau zieht immer mit“, sagt Reuter.

          In Northeim wird er immer wieder auf der Straße angesprochen, an welchem Hochhaus er gerade arbeite. In Frankfurt hat er keinen Lieblingsturm. Die Skyline zeichne sich durch eine einheitliche Traufhöhe aus, meint er, mit Türmen von 180bis 200 Metern. In anderen Städten gebe es mehr Höhensprünge. Der Bastler hat einen Verbesserungsvorschlag: „In Frankfurt fehlt ein Unikat. Ein 400-Meter-Turm mit Aussichtsterrasse, vielleicht im Messeviertel.“ Dann würde es vermutlich nicht lange dauern, bis Reuter sein Frankfurt-Modell um diesen Turm ergänzt. Er liebäugelt schon länger mit dem Nachbau des Messeviertels, zumal dort mit dem Grand Tower auch der höchste Wohnturm Deutschlands entsteht. Aber auch den Stadtteil Marina in Dubai will er noch aus Papier basteln. „Ich habe noch einige Projekte“, sagt er. Sein Meisterwerk jedoch ist das Singer-Building in New York, das leider längst abgerissen ist. Das prachtvolle Hochhaus war bei seinem Bau zu Beginn des 20.Jahrhunderts mit 187 Metern das höchste Gebäude der Welt. Ein Modell davon steht nun in Reuters Wohnzimmer. Er hat es im Maßstab 1:100 aus Holz nachgebaut – fast zwei Meter hoch, rot angestrichen und mit Beleuchtung. Sogar die Wohnzimmertapete mit ihren floralen Ornamenten passt dazu.

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