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Folgen der Sommerhitze : „Die Situation ist unglaublich“

Wie in der Savanne: das Frankfurter Mainufer schmücken ausgedorrte Rasenflächen Bild: Aders, Hannah

Die anhaltende Trockenheit setzt den Bäumen in ganz Hessen massiv zu. Heike Appel, Leiterin des Grünflächenamts in Frankfurt, ist in großer Sorge um den Bestand in den Wäldern, Parks und an den Straßen.

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          Die sichtbarsten Spuren des dritten trockenen Sommers in Folge sind die steppenartig aussehenden Rasenflächen in den Parks, gleichgültig, ob in Frankfurt, Wiesbaden oder Darmstadt. „Das ist nicht schlimm“, sagt Heike Appel, Leiterin des Frankfurter Grünflächenamts: „Der kommt wieder.“ Sorgen bereiten der Landschaftsarchitektin die Bäume, und zwar gleichermaßen die im Wald, die in den Parks und die an den Straßen. Es seien vor allem die älteren, starken Bäume, die so wichtig für das Mikroklima in den Städten sind, deren Zukunft nach Einschätzung Appels aber ungewiss ist. „Wir stehen bei den Bäumen vor einer bisher nicht vorstellbaren Herausforderung, um ihren Erhalt zu sichern“, sagt sie: „Die aktuelle Situation ist unglaublich.“

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dabei hatte es Anfang dieses Jahres noch gut ausgesehen, im Februar etwa regnete es reichlich. Der zu warme und zu trockene April gab den Fachleuten dann einen ersten Vorgeschmack auf das, was kommen könnte. In den folgenden Monaten regnete es dann allerdings immer wieder. Im Vergleich zu den beiden Vorjahren, dem langanhaltend heißen, trockenen Sommer 2018 und dem zwar weniger trockenen, aber dafür an Hitzetagen reichen Sommer 2019, sei die Witterung doch gar nicht so schlecht, sagt Bianca Plückhahn vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Es habe seit Anfang Juni in Deutschland auch viel geregnet, zumindest im Norden und im Süden des Landes. Nur eben nicht im Rhein-Main-Gebiet. „Was da runtergekommen ist, das war nicht die Welt“, sagt die Agrarmeteorologin. Mit dem Ergebnis: „Die Böden sind sehr trocken.“ Für die durch die beiden vorherigen Sommer ohnehin stark geschädigten Bäume sei es sogar „zu trocken“, wie Heike Appel sagt.

          „Das ist ein großes Glück“

          Hatte es im Juni auch am Frankfurter Flughafen noch vergleichsweise viel geregnet – Plückhahn zufolge waren rund 44 Liter Niederschlag pro Quadratmeter niedergegangen –, waren es im Juli nur 15,5 Liter. Das langjährige Mittel liegt bei 62 Litern. Denn Juli und August gelten in Mitteleuropa eigentlich als regenreiche Monate. Sogar im Juli 2018 hatte die Messstelle am Flughafen 17,4 Liter Niederschlag pro Quadratmeter registriert, also mehr als bisher in diesem Jahr. 2019 waren es immerhin 43, 5 Liter gewesen.

          Nur in einem Punkt macht Plückhahn etwas Mut: „Es gibt aller Voraussicht nach in diesem Sommer nicht die längeren Hitzeperioden, wie es sie 2018 und 2019 gab“, meint sie. Heiße Tage definieren Meteorologen als solche, bei denen die Temperaturen über die 30-Grad-Celsius-Marke klettern. 2018 habe es 43 Tage in dieser Qualität gegeben, 2019 immer noch 30. Und in diesem Jahr? In Frankfurt seien bisher vier solcher heißen Tage registriert worden, sagt Plückhahn. „Damit ist dieses Jahr von den Temperaturen her kein Vergleich zu den Vorjahren“, sagt sie: „Das ist ein großes Glück.“ Kämen zur aktuellen Trockenheit noch viele weitere heiße Tage jenseits der 30-Grad-Marke hinzu, dann, so die Meteorologin, wäre die Lage für die Umwelt sicher dramatisch.

          Für die Bäume ist sie das schon, sagt Heike Appel. Die Trockenheit der beiden vergangenen Jahre habe dazu geführt, dass die Wurzeln der Bäume zunächst vertrocknet und dann abgestorben seien. Nur wenn der Boden jetzt in einer Tiefe von 30 Zentimetern bis zu einem Meter feucht wäre und so den Bäumen Wasser bieten könnte, würden sich wieder neue Wurzeln bilden. Doch das Gegenteil sei der Fall. „Die bereits geschädigten Bäume werden weiter geschädigt“, sagt Appel. Nur ein Dauerregen über einen längeren Zeitraum könne den Gehölzen noch helfen. Die oberen Bodenschichten müssen sich mit Wasser vollsaugen können, dann bildeten sich die Wurzeln neu, und „die Bäume hätten noch eine Chance“, sagt Appel. Doch die leichten Regen im Juli hätten nicht dafür gesorgt, dass Wasser bis zu den Feinwurzeln der Bäume gelangt sei.

          Die jungen Bäume an den Straßen, die mit ihren Wurzeln noch nicht weit reichten, könne man noch direkt am Stamm gießen. Die älteren Bäume mit ihren großen Wurzeltellern seien hingegen auf sich selbst gestellt, denen könne man „in unseren zubetonierten Innenstädten kaum helfen“, sagt Appel. In den städtischen Parks könnte das Grünflächenamt theoretisch die Bäume gießen lassen, über die Bewässerung des Rasens ihnen Feuchtigkeit zukommen lassen, sagt sie: „Aber im Wald ist nichts möglich.“ Ein Besuch im Fechenheimer Wald hat Appel völlig ernüchtert. Ganze Bestände, ja eigentlich der ganze Wald seien abgestorben. „Es sieht dort aus wie in einem apokalyptischen Film“, sagt die Landschaftsarchitektin.

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