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Fluglärmgegner in Frankfurt : 300 Mal und kein bisschen müde

  • -Aktualisiert am

Teddy inklusive: Auch Narren mischten sich aus Anlass zur Eröffnung der Kampagne unter die Demonstranten bei der 300. Montagsdemonstration im Flughafen Bild: Helmut Fricke

Die Fluglärmgegner fordern bei ihren Montagsdemonstrationen in Frankfurt regelmäßig die Stilllegung der Landebahn Nordwest und ein absolutes Nachtflugverbot. Ihre Erfolgsaussichten sind gering. Doch haben sie einiges erreicht.

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          Das muss ihnen erst einmal jemand nachmachen. Vermutlich einen Landesrekord, wenn nicht sogar eine Bestmarke darüber hinaus haben am Montag Abend die Gegner des Ausbaus des Frankfurter Flughafens aufgestellt. Zum 300. Mal protestierten sie gegen, wie sie meinen, zu viel Lärm und Dreck und die Sinnlosigkeit einer Kapazitätserweiterung des Luftdrehkreuzes.

          Ihre zentralen Forderungen sind über acht Jahre weitgehend unverändert geblieben: Stilllegung der Landebahn Nordwest, ein absolutes Nachtflugverbot zwischen 22 und 6 Uhr (und damit zwei Stunden länger als das bestehende), die Deckelung der Starts und Landungen im Jahr auf 380.000.

          Seit November 2011 fast jeden Montagabend

          Die Erfolgsaussichten waren und sind gering. Das ist selbst dem harten Kern der Demonstranten bewusst, die seit November 2011 fast jeden Montagabend im Terminal 1 antraten. Denn der Ausbau des Flughafens ist rechtskräftig, seine immense ökonomische Bedeutung für die Region anerkannt. Am letzten Element des Ausbaus, dem Terminal drei, wird seit Monaten kräftig gebaut.

          Dennoch tut keiner die Demonstrationen als Spiegelfechtereien, als witzlose Folklore mit Gesang und Tanz oder Kabarett ab. Auf den Versammlungen war, wenn die Trillerpfeifen verstummten, meist kompetent und ernsthaft von den Belastungen die Rede gewesen, welche der eng getaktete Luftverkehr für die Menschen in der dichtbesiedelten Region bedeutet.

          Erfolge durch Engagement

          Weil der Protest stets friedlich blieb, hat sich der Flughafen längst mit ihm arrangiert. Fast wirkt es so, als gehörten die Montagsdemos schon zum Unterhaltungsprogramm. Die Abgesandten der Bürgerinitiativen selbst sehen sich eher als ständigen Stachel im Fleisch derer, die wirtschaftliche Interessen über die Gesundheit der Anwohner stellten.

          Wahr ist: Ohne ihr Engagement wären vermutlich viele der in den vergangenen Jahren erzielten Verbesserung nicht oder erst später erreicht worden. Dazu zählen wechselnde „Lärmpausen“ in den Einflugschneise an der Landebahn, ein steilerer Anflugwinkel, eine intelligente Führung der Routen oder auch die noch eher theoretische Obergrenze für den Lärm. Nein, sagen die Demonstranten, müde seien sie nicht.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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