https://www.faz.net/-gzg-t1kf

Flughafen Frankfurt : Alligatoren im Reisekoffer

Beschlagnahmtes Wolfsfell: 19.148 lebende oder tote Tiere hat der Zoll 2005 sichergestellt Bild: AP

Ob exotische Tiere oder gefälschte Markenmode: In den Koffern von Urlaubsheimkehrern finden Zollbeamte auf dem Flughafen etliches, was da nicht hineingehört.

          2 Min.

          Marcus Redanz erkennt sie alle. Er sieht, ob die Raubkatze auf den „Puma“-Schuhen im richtigen Bogen springt. Oder ob das „Lacoste“-Krokodil das Maul im richtigen Winkel öffnet. Redanz, der im Hauptzollamt am Flughafen für Produktpiraterie zuständig ist, erkennt Fälschungen, sobald er sie in Händen hält. „Das macht die jahrelange Erfahrung“, wie er sagt. In der Hauptreisezeit haben Zollbeamte wie Redanz täglich mit Plagiaten zu tun, finden sie in Form von Handtaschen oder Uhren, die im Original mehrere tausend Euro gekostet hätten. In den Touristenorten in der Türkei, China oder Thailand werden sie millionenfach verkauft.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Mitgebracht wird das, was gerade ,in' ist“, sagt Redanz. Außer Luxus-Accessoires wie Uhren, Gürtel oder Handtaschen sind das vor allem Sportartikel. Das Unternehmen Adidas hat nach eigenen Angaben allein im vergangenen Jahr mehr als sechs Millionen gefälschte Artikel verzeichnet. „Wir beklagen dadurch nicht nur einen Imageschaden“, sagt Unternehmenssprecherin Anne Putz. Seit Jahren warne das Unternehmen mit Sitz in Herzogenaurach auch davor, daß die Fälschungen, die auf Basaren verkauft würden, meist mit billigen Chemikalien eingefärbt seien und Hautreizungen hervorrufen könnten.

          Plagiate im Wert von 5 Millionen Euro sichergestellt

          Die Vielfalt der Plagiate, die jedes Jahr in den Koffern der Reisenden gefunden werden, ist groß: Im vergangenen Jahr hat das Zollamt unter anderem 52.370 CDs und DVDs beschlagnahmt sowie 26.000 gefälschte „Viagra“-Pillen, 90 Öldeckel der Automarke BMW, 1000 Unterhosen eines bekannten Designers und 16.000 Rasierklingen, die nach Angaben des Zolls „den möglichen Käufer qualitativ enttäuscht, wen nicht sogar verletzt hätten“.

          Schlangen im Gepäck sind am Frankfurter Flughafen keine Seltenheit
          Schlangen im Gepäck sind am Frankfurter Flughafen keine Seltenheit : Bild: ddp

          Der Wert der beschlagnahmten Produkte belief sich auf gut fünf Millionen Euro. Vieles davon sei für den gewerblichen Handel vorgesehen gewesen, damit habe sich der Käufer strafbar gemacht, sagt Zollamtssprecherin Yvonne Schamber. In 1267 Fällen seien Verfahren eingeleitet worden. Urlauber, die Plagiate ausschließlich für den privaten Gebrauch mitbringen, hätten hingegen nichts zu befürchten - jedenfalls dann nicht, wenn das Produkt weniger als 175 Euro gekostet habe. Das sei der Freibetrag, der vom Zoll toleriert werde.

          375 Sternschildkröten im Gepäck

          Schamber vermutet, daß die Produkte, die im Reisegepäck gefunden werden, nur ein Bruchteil von dem sind, was tatsächlich aus den Urlaubsregionen mitgebracht wird. Noch begehrter als DVDs, T-Shirts oder Handtaschen sind mittlerweile exotische Tiere - tot oder lebendig. Im vergangenen Jahr hat der Zoll 19.148 Exemplare sichergestellt, darunter auch geschützte Fechterschnecken oder winzige Kobras, die, in Schnaps eingelegt, ein beliebtes Souvenier sind. Viele Urlauber, meint Schamber, wüßten nicht, daß das Einführen von Schlangen, Schildkröten oder Korallen gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen verstoße.

          Erst vor rund einem Jahr hat ein Spürhund, der eigentlich nach Drogen suchen sollte, 375 Sternschildkröten in einem Gepäckstück gefunden - bäuchlings zusammengeklebt. Auch Affen, Papageieneier oder kleine Alligatoren seien schon im Reisegepäck aufgetaucht - halb benommen nach mehreren Stunden Flug. „Lebende Tiere sind eher die Ausnahme“, berichtet Schamber. Tote Lebewesen, ausgestopft oder in Form von Fellen oder Häuten, seien dagegen an der Tagesordnung. „Diese Produkte werden prinzipiell beschlagnahmt.“ Da helfe es auch nicht, wenn man behaupte, man habe von Artenschutz nichts gewußt.

          Weitere Themen

          Wie man um die Ecke schießt Video-Seite öffnen

          Geht doch! : Wie man um die Ecke schießt

          Ecken direkt verwandeln – auf dem Fußballplatz geht das noch vergleichbar einfach. Beim Tipp-Kick braucht es viel Feingefühl. Wir verraten, wie der perfekte Schuss um die Ecke gelingt.

          Topmeldungen

          Zieht sich vorzeitig von der Bundesbank-Spitze zurück: Jens Weidmann

          Europas Geldpolitik : Das Ende einer Ära

          Mit dem Abschied Jens Weidmanns findet die Tradition der Bundesbank in der europäischen Geldpolitik sichtbar einen Abschluss. Künftig dürfte sich die EZB noch mehr der amerikanische Vorstellung auf diesem Feld annähern.
          Hat vor dem Flug nach Amerika noch etwas zu sagen: Mathias Döpfner

          Döpfner zum Fall Reichelt : Vor dem Abflug

          Kurz vor seinem Abflug nach Washington, den Mathias Döpfner antrat, um den Kauf der Mediengruppe Politico zu besiegeln, wandte sich der Springer-Chef mit einer Videobotschaft an seine Mitarbeiter. In ihr geht es um den gekündigten Bild-Chef Julian Reichelt – und um ihn selbst.
          Nikolas Löbel 2019 im Bundestag

          Maskenaffäre der CDU : Aufarbeitung mit Lücken

          Die Mannheimer CDU hat versprochen, die Affären ihres früheren Vorsitzenden Nikolas Löbel aufzuarbeiten. Doch der Bericht weist Leerstellen auf – wer ihn lesen will, muss eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.