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Unterkunft für Flüchtlinge : Hinterhof-Politik

Lesezimmer: Von hier aus kann Wolfgang Stillger die Flüchtlingsunterkunft sehen. Bild: Frank Röth

Eine Notunterkunft für Flüchtlinge grenzt an das Grundstück von Wolfgang Stillger. Unfreiwillig ist er zum Beobachter städtischer Migrationspolitik geworden.

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          Die „Pinkel–Ecke“ hat ihn seine Privatsphäre gekostet. Ungehindert können Zaungäste an dieser Stelle in seinen Garten blicken. Als „Pinkel-Ecke“ bezeichnet Wolfgang Stillger das etwa ein Meter breite Loch in seiner Hecke, dort, wo seit Jahren kein Strauch mehr wächst. Die Gartenhecke grenzt direkt an das Grundstück der Sport- und Kulturhalle von Frankfurt-Unterliederbach. Vor etwa zehn Jahren, so erinnert sich Stillger, sei das Vereinsleben dort noch aktiv, die dort angeschlossene Kneipe gut besucht gewesen. Nachts habe sich der ein oder andere Gast im Schutze der Dunkelheit an seiner Hecke erleichtert. „Da ist seitdem nichts mehr gewachsen.“ Heute kann Stillger durch das Loch alles sehen, was sich im Hinterhof der Halle abspielt. Er ist unfreiwillig zu einem Beobachter der Frankfurter Flüchtlingspolitik geworden.

          Marie Lisa Kehler

          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Denn seit 2015, nachdem die Halle lange Zeit wegen anstehender Sanierungsarbeiten geschlossen bleiben musste, wird diese immer wieder als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzt. Derzeit leben 53 Menschen in der Halle – darunter 30 Kinder. Stillgers Blick wandert zu einem der Hintereingänge. Ein kleines Mädchen streckt den Kopf heraus. Das Wetter gefällt ihr nicht. Sie schlägt die Tür wieder zu. An diesem Vormittag bleibt es ruhig im Hinterhof. Das sei in der Vergangenheit nicht immer so gewesen, sagt Stillger. Nachdem im Sommer 2017 ein Großteil des Soziallebens der Bewohner in den Hof verlagert worden sei, sei sein Untermieter ausgezogen.

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