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Flüchtlingsunterkunft Bonames : Elf Familien in Flüchtlingsheim von Krätze betroffen

Ziemlich beengt: In diesen Wohncontainern leben etwa 330 Flüchtlinge am Alten Flugplatz in Bonames. Bild: dpa

In einer Frankfurter Unterkunft für Geflüchtete sind viele Familien an Krätze erkrankt. Das Sozialdezernat ist entsetzt: Wie konnte sich die Krankheit so lange ungehindert ausbreiten?

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          In der Flüchtlingsunterkunft am Alten Flugplatz im Frankfurter Stadtteil Bonames sind nachweislich elf Familien mit jeweils mehreren Mitgliedern mit Krätze (Skabies) infiziert. Das teilte das Sozialdezernat der Stadt am Donnerstag mit. Man sei entsetzt, dass die Situation in dem Heim so schlecht sei. Stadträtin und Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) hat das Diakonische Werk für Frankfurt und Offenbach nachdrücklich aufgefordert, personelle Veränderungen in der Flüchtlingsunterkunft Bonames vorzunehmen. ​

          Theresa Weiß

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Krätze ist eine ansteckende Hauterkrankung, die durch Parasiten verursacht wird. Die winzigen Krätzmilben graben sich in die obere Hornschicht der Haut ein und bilden dort kleine Gänge. Die Krankheit ist vor allem dort verbreitet, wo viele Menschen auf kleinem Raum unter schlechten hygienischen Bedingungen leben. 

          Wohnungen eng und feucht

          In der Unterkunft in Bonames, deren Träger die Diakonie ist, leben 333 Bewohner, viele schon seit mehreren Jahren. Die Geflüchteten machten in der vergangenen Woche auf ihre schlechten Wohnbedingungen aufmerksam. Sie beschwerten sich über die Enge und den schlechten baulichen Zustand ihrer Wohneinheiten; in manche regne es herein. Außerdem hätten sie kein durchgehend warmes Wasser und zu wenige Kochmöglichkeiten.

          Die Stadt kennt die Kritik und das Sozialdezernat teilt mit, dass sie neue Warmwasserboiler eingebaut habe. Sie prüfe, ob weitere Stromanschlüsse für zusätzliche Kochplatten verlegt werden können. Da die Unterkunft jedoch im geschützten Grüngürtel stehe, sei es nicht ohne weiteres möglich, Trassen zu verlegen. 

          Zu dieser Kritik an den Wohnbedingungen kommt nun die Ausbreitung der Erkrankung hinzu. Die Krätze verbreitet sich mindestens seit Oktober 2019 in der Flüchtlingsunterkunft. Der Diakonie war das bekannt, die Bewohner wurden ärztlich betreut, heißt es aus dem Sozialdezernat. Dass der Träger die Situation dermaßen aus dem Blick verloren habe, sei schockierend. 

          Schritte zur Besserung eingeleitet

          Dass es Krätzefälle in der Unterkunft gebe, bestätigte der Leiter der Einrichtung auf Nachfrage des Sozialdezernats und sprach zunächst von bis zu drei betroffenen Familien. Die Bewohnerinnen und Bewohner berichteten aber über deutlich mehr Fälle von Skabies. Birkenfeld ließ das Gesundheitsamt informieren. Nach einem Besuch des Gesundheitsamtes in der Unterkunft am Mittwochabend geht das Dezernat von mindestens elf Familien mit mehreren Dutzend Betroffenen aus, die an Skabies erkrankt sind.

          Michael Frase, der Leiter des Diakonischen Werks Frankfurt und Offenbach, bestätigte auf Nachfrage der F.A.Z. eine Ausbreitung der Krankheit. Die Diakonie habe Schritte zur Besserung eingeleitet. Derzeit stimme er sich mit dem Gesundheitsamt ab und warte auf die Bestätigung, dass das Vorgehen in der Einrichtung mit den Vorgaben des Amts übereinstimme. 

          „Es ist eine berechtigte Kritik, dass die Krankheiten nicht sofort beim Gesundheitsamt gemeldet wurden“, sagt Frase. Behandelt wurde zwar, doch „man kann nicht wissen, wie konsequent die Behandlung umgesetzt wurde“. Krätze muss mit Salben behandelt werden, die auf den ganzen Körper aufgetragen werden.

          Dass die Erkrankungen nicht gemeldet wurden, liege daran, dass es für Skabies an sich keine Meldepflicht gebe, sagt Frase. Nur in Sammelunterkünften gilt eine Meldepflicht. Da in der Unterkunft in Bonames die Familien in einzelnen Einheiten untergebracht sind, habe es keine Meldung gegeben. „Bei einer so starken Betroffenheit sollte man es aber melden“, sagt Frase.

          Ob die Leitung der Unterkunft ausgetauscht wird, so wie Birkenfeld fordert, ist noch unklar. Vom 1. Juli an würde die Einrichtung jedoch ohnehin von einem neuen Leiter geführt werden. 

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