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Fliegerbombe am Holbeinsteg : „Ein gewisses Risiko gibt es immer“

Sperrzone: Auf dem Holbeinsteg darf niemand mehr hinauf, der Fundort der Bombe wird streng bewacht. Bild: Wonge Bergmann

Am Sonntag wird die Fliegerbombe am Frankfurter Holbeinsteg entschärft. Rund 900 Anwohner müssen ihre Häuser und Wohnungen verlassen.

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          Die Stelle hätte günstiger sein können. Nicht ausgerechnet auf dem Grund des trüben Mains, unter einer Brücke, nur einen Steinwurf vom Städel entfernt, in dem sich neben dem eigenen kostbaren Bestand zurzeit Leihgaben aus bedeutenden öffentlichen und privaten Sammlungen wie dem Munch Museum Oslo, der Stuttgarter Staatsgalerie und der Royal Academy of Arts befinden. „Die Bomben liegen eben, wo sie liegen“, pflegen Sprengmeister in solchen Situationen zu sagen. Ein gewisser Pragmatismus gehört zu ihrem Beruf. Auch René Bennert ist offenbar von diesem Schlag. Der Sprengmeister, der am Sonntag die Fliegerbombe aus dem Main entschärfen soll, hat sich gestern schon einmal am Fundort umgeschaut - und wirkte dabei durch und durch gefasst.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Was am Dienstag noch wie eine Kleinigkeit erschien, als Taucher der Feuerwehr bei einer Übung zufällig auf die Bombe stießen, gerät nun zu einer der aufwendigsten Evakuierungen der vergangenen Jahre in der Frankfurter Innenstadt.

          Sprengung erfolgt aus sicherer Distanz

          Rund 900 Anwohner müssen bis 9.30 Uhr ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Die Sperrzone zieht sich durch das gesamte Malerviertel auf der Sachsenhäuser Seite und reicht in Richtung Norden bis zur Wilhelm-Leuschner-Straße. Das bedeutet, nicht nur das Städel und das Liebieghaus bleiben an diesem Tag geschlossen, sondern auch das Intercontinental Hotel wird für mehrere Stunden geräumt.

          Dass die Sperrzone tatsächlich so weit reicht, hat die Polizei gestern gemeinsam mit Sprengmeister Bennert vom Regierungspräsidium Darmstadt entschieden. Obwohl es nach Aussage der Fachleute eher unwahrscheinlich ist, dass die Bombe detonieren wird, da sie „nur“ mit einem einfachen mechanischen Zünder versehen ist, bleibt ein Restrisiko, wie Christoph Süß, Sprecher des Regierungspräsidiums, sagt. Dementsprechend großzügig sei auch die Sperrzone ausgelegt.

          Schon gestern wurden erste Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Der Holbeinsteg sowie der Rad- und Fußweg zwischen Friedens- und Untermainbrücke wurden auf der Südseite gesperrt. Zudem wurden gestern zahlreiche Sandsäcke bereitgestellt, die zu einem Schutzwall aufgetürmt werden.

          Auch die Sprengung selbst verläuft aus sicherer Distanz: ein ferngesteuerter Roboter übernimmt die Aufgabe. Kritisch sei aber vor allem die Bergung, sagt Süß. Der Moment, in dem die Bombe mit einer Seilwinde aus dem Main gehoben wird. Dafür wurde eine Spezialfirma beauftragt, die sich mit Kampfmitteln auskennt. Süß sagt: „Ein gewisses Risiko gibt es immer.“

          Straßen in der Sperrzone nicht mehr befahrbar

          Mit Wurfzetteln, Lautsprecherdurchsagen und Rundfunkwarnmeldungen werden in den nächsten Tagen die Anwohner informiert. Unter der Rufnummer 21 24 40 44 können sie sich zudem über Details der Evakuierung informieren. Die Polizei wird den Einsatz zusätzlich über Twitter (@Polizei_Ffm) begleiten und stellt Informationen auch auf ihrer Internetseite unter www.polizei.hessen.de/ppffm bereit.

          Für Frankfurter, die in der Evakuierungszone wohnen, aber nur eingeschränkt gehfähig sind, bietet die Feuerwehr einen Fahrdienst an. Er kann von heute, 8 Uhr, bis morgen, 18 Uhr, unter der Telefonnummer 21 27 00 01 angefordert werden.

          Sobald die Anwohner ihre Häuser verlassen haben, wird die Polizei jedes Haus überprüfen. Von 9.30 Uhr an werden auch die Straßen in der Sperrzone nicht mehr befahrbar sein. In beiden Zonen wird jeweils eine Betreuungsstelle für die Anwohner eingerichtet: auf der Nordseite im Gewerkschaftshaus, Wilhelm-Leuschner-Straße 69, und auf der Südseite in der Turnhalle der Schillerschule, Morgensternstraße 3.

          Während der Bergung und der anschließenden Sprengung, die bis 15 Uhr abgeschlossen sein soll, wird auch der öffentliche Nahverkehr nur noch eingeschränkt fahren; das betrifft sowohl die Buslinie 46 als auch die Straßenbahnlinien 15 und 16. Genauere Informationen gibt es auf der Internetseite der Frankfurter Verkehrsgesellschaft unter www.vgf-ffm.de.

          Aus dem Städel hieß es gestern, man habe alle Vorkehrungen getroffen, die man für nötig halte, „so dass die Kunst ausreichend geschützt ist“. Das hauseigene Sicherheitspersonal behalte „die Lage im Blick“. Abgehängt werden müssten die Kunstwerke jedoch nicht.

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