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Film : Ein Fall für drei

Tritt auf Recherchetour in die Pedalen: Hans Joachim Mendig, Produzent von „Ein Fall für zwei” Bild: Wonge Bergmann

Wenn samstags die Sonne scheint, setzt sich Joachim Mendig auf sein Fahrrad und sucht sich einen Ort zum Morden. Der Zweiundfünfzigjährige ist Produzent von „Ein Fall für zwei“. Viele Drehorte findet er während einer Tour durch Frankfurt.

          Wenn samstags die Sonne scheint, setzt sich Joachim Mendig auf sein Fahrrad und sucht sich einen Ort zum Morden. Vor ein paar Monaten fuhr er am südlichen Mainufer entlang, vorbei an den Spaziergängern und den Inlineskatern, bis er fast am Eisernen Steg war. Dort stoppte er und drehte sich um, den Blick nach Nordwesten gerichtet, auf die Frankfurter Skyline. „Warum sollte hier nicht ein Jogger aus dem Gebüsch heraus erschossen werden?“ dachte Mendig. Einige Zeit später war sein Gedanke im Fernsehen zu sehen: Der Zweiundfünfzigjährige ist Produzent der ZDF-Serie „Ein Fall für zwei“. Viele Drehorte findet er während einer Fahrradtour.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Geheime Informanten trifft Josef Matula am liebsten auf dem „Bootshaus Eiserner Steg“ am Mainufer. Matula heißt eigentlich Claus Theo Gärtner und ist einer der „zwei“ aus dem Titel der Serie. Gärtner spielt einen Privatdetektiv, der sich seit der ersten Folge im Jahr 1981 durch die Frankfurter Unterwelt wühlt, um Informanten und Indizien zu sammeln. Die liefert er dann bei einem Rechtsanwalt ab, damit der seine zu Unrecht im Gefängnis darbenden Mandaten herauspauken kann. Seit sechs Jahren stöbert Matula, der Mann mit der Lederjacke und den Halbstiefeln, für Markus Lessing (Paul Frielinghaus) im Milieu. Lessing ist sein vierter Partner. Die Serie hat sich lange gehalten: Zum 25. Geburtstag zeigt das ZDF am Freitag um 20.15Uhr die 90-Minuten-Folge „Blutige Liebesgrüße“.

          Freundlicher Mann im Boss-Pullover

          Mendig stoppt sein Fahrrad am Nibelungenplatz in Bornheim. Hier, im obersten Stock des BCN-Hochhauses, hat Rechtsanwalt Lessing sein Büro. Ein separater Aufzug bringt den Geschäftsführer von „OdeonTV“ in die 27. Etage der Glasrotunde. Mendig, früher Serienchef des Hessischen Rundfunks, produziert den „Fall für zwei“ seit 15 Jahren. Jetzt lehnt er an einer Wand in jenem Raum, in dem Serien-Sekretärin Helga sonst die Mandanten begrüßt. Der Himmel ist klar, der Blick reicht bis nach Hanau. Mendig, ein freundlicher Mann im schwarzen Boss-Pullover, beugt sich vor und richtet die halblangen Haare in einem spiegelnden Fernsehschirm. Dann erzählt er, daß für jede der acht bis zehn Folgen im Jahr drei Wochen lang gedreht wird. Zwei bis drei Tage im Hochhausbüro, außerdem am Main, im Bahnhofsviertel, in Alt-Sachsenhausen, im Eintracht-Stadion, in Werbeagenturen, Bankentürmen und Bornheimer Hinterhöfen. Gerade entsteht eine Folge im Zoo.

          Im Wirtschaftshof des Zoos steht Claus Theo Gärtner und spielt Matula. Gerade hat er Bekanntschaft mit einer Schlange gemacht, die ihm ein Verdächtiger in den Weg gelegt hat. Die Schlange soll den Detektiv davon abhalten, wichtige Dokumente zu finden. Matula hat kurz Pause. Danach wird er seine Lederjacke auf die Schlange werfen und die Unterlagen selbstverständlich sicherstellen. Matula plumpst auf einen blauen Klapphocker, der „Claus Theo Gärtner“-Stuhl nebenan ist besetzt. Gärtner ist das Gesicht der Serie, der Star. Seit dem Morgen drehen er und das 40-Mann-Team im Zoo. Jetzt ist es Nachmittag, und der Schauspieler guckt müde unter der hellbraunen Schminke.

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