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Festakt : Reich-Ranicki Ehrendoktor der Universität Tel Aviv

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Ehrendoktor der Universität Tel Aviv: Marcel Reich-Ranicki Bild: dpa/dpaweb

Trotz schwerer Krankheit hat Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki im Frankfurter Römer die Ehrendoktorwürde der Universität Tel Aviv angenommen. Laudator Joschka Fischer würdigte Reich-Ranickis Wirken als wichtigen Beitrag zur Überwindung der Nazi-Zeit.

          Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat am Donnerstag abend in Frankfurt die Ehrendoktorwürde der Universität Tel Aviv erhalten. Die Urkunde wurde dem gesundheitlich sichtlich angegriffenen 85jährigen im Kaisersaal des Frankfurter Rathauses, dem Römer, vom Präsidenten der israelischen Universität Itamar Rabinovich, überreicht.

          Gewürdigt wurde das Lebenswerk Reich-Ranickis und dessen Einsatz für die Universität in Tel Aviv, der Partnerstadt Frankfurts. Die Laudatio hielt der frühere Bundesaußenminister Joschka Fischer, der wie Reich-Ranicki in Frankfurt einen Wohnsitz hat. Mit der Ehrung ist die Einrichtung eines nach Reich-Ranicki benannten Lehrstuhls für deutsche Literatur in Tel Aviv verbunden.

          Neuer Lehrstuhl als große Chance

          „Ich bin beglückt“, sagte Reich-Ranicki, der an beiden Seiten gestützt die Auszeichnung entgegennahm. Der Lehrstuhl sei für beide Länder eine große Chance. Reich-Ranicki schlug vor, die Rolle der Juden in der deutschen Literatur zu untersuchen. Der Literaturkritiker war am vergangenen Samstag nach der Aufzeichnung einer Literatursendung für das Fernsehen in Hamburg mit Herzbeschwerden auf die Intensivstation einer Klinik gebracht worden. Am Montag wurde er wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Reich-Ranicki soll Berichten zufolge ein Herzschrittmacher eingesetzt werden.

          Die Ernennungsurkunde erhielt Reich-Ranicki vom Präsidenten der Universität Tel Aviv, Itamar Rabinovich (re.)

          Joschka Fischer sagte in seiner Laudatio, Reich-Ranicki habe dazu beigetragen, daß Deutschland nach „der finstersten Nacht“ wieder eine Zukunft erhalten habe. Reich-Ranickis Lebenswerk sei untrennbar mit den „tiefsten Abgründen“ der deutschen Geschichte verbunden. Fischer warb für Solidarität mit Israel, dessen Staatsgründung auch eine Antwort auf die Vernichtung der europäischen Juden durch den Nationalsozialismus sei.

          Der aus einer polnisch-jüdischen Familie stammende Reich-Ranicki wuchs in Berlin auf. 1938 wurde er nach dem Abitur von den Nazis nach Polen ausgewiesen. Zusammen mit seiner Frau konnte er 1943 aus dem Warschauer Getto fliehen. Seit 1958 lebt er in der Bundesrepublik und arbeitete als Literaturkritiker für „Die Zeit“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Einer großen Öffentlichkeit wurde er vor allem durch die ZDF-Sendung „Das literarische Quartett“ bekannt, die er von 1988 bis 2001 moderierte.

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