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Jahrhundert-Vorhaben : Fernbahntunnel macht andere Projekte nicht überflüssig

Zukunftsmusik: Noch fahren ICE-Züge oberirdisch in Frankfurt - dereinst könnten sie einen Tunnel nutzen Bild: dpa

Die Deutsche Bahn sieht Pläne für einen Tunnel unter Frankfurt mit Wohlwollen, hält sich aber zurück. Die Verwirklichung würde Jahrzehnte dauern.

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          So weitreichend die unlängst bekanntgewordenen Pläne des Bundesverkehrsministeriums für den Eisenbahnknoten Frankfurt sind, so dürftig sind die Angaben aus Berlin, was Details für einen Fernbahntunnel unter der Frankfurter Innenstadt angeht. Das Ministerium beantwortet Fragen dazu nicht, die Deutsche Bahn wiederum fühlt sich vorerst nicht zuständig, weil der Vorschlag ja eben vom Ministerium kommt.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Gutachter, die vom Bundesverkehrsministerium mit der Weiterentwicklung des Bundesverkehrswegeplans beauftragt worden waren, hatten zur Beseitigung der Kapazitätsengpässe des Frankfurter Hauptbahnhofs die alte Idee eines solchen Tunnels wiederbelebt. Dem Vernehmen nach wurden die Planer des Staatskonzerns erst im Sommer von dieser Idee in Kenntnis gesetzt, die im Bundesverkehrswegeplan immerhin in die höchste Kategorie des vordringlichen Bedarfs eingestuft worden ist.

          Durch Sachsenhausen zuckeln

          Allerdings hören auch die Planer der Deutschen Bahn davon gern. Denn die Vorteile liegen auf der Hand: Vier Gleise zusätzlich unter dem Hauptbahnhof erlauben die Abfertigung weiterer Züge, und ein wie auch immer unter der Innenstadt geführter, zweigleisiger Tunnel würde die Fahrzeit Richtung Osten verkürzen – also für alle ICE, die nach Hamburg, Hannover, Berlin, Leipzig, München, Nürnberg und Würzburg fahren. Das sind nicht wenige. Sie alle müssen derzeit den Hauptbahnhof zuerst Richtung Westen verlassen und dann durch Sachsenhausen zuckeln, bis sie Richtung Hanau Fahrt aufnehmen können.

          In der vorvergangenen Woche war noch von einem Fahrzeitgewinn von zehn Minuten durch den Tunnel die Rede, in Bahnkreisen heißt es aber jetzt, das sei wohl zu optimistisch geschätzt. Auch einige Minuten weniger wären jedoch im Eisenbahnverkehr sehr viel, weil jede Ersparnis dazu beitragen kann, dass die Pünktlichkeit steigt und Anschlusszüge besser erreicht werden.

          Als wichtig gilt im Konzern, dass das Projekt „Frankfurt / Rhein-Main plus“ trotzdem vollendet wird. Nach dem Scheitern früherer Pläne für einen Fernbahntunnel zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts waren mehrere andere Bauvorhaben geplant worden, um den Verkehr in und um Frankfurt besser abwickeln zu können. Sie gelten als weiterhin nötig, weil das Verkehrsaufkommen schon jetzt steigt, während es den Tunnel erst in Jahren oder Jahrzehnten geben wird, wenn überhaupt.

          Zu den dringlichen Projekten zählt die Verbesserung der Einfahrt von Sachsenhausen zum Hauptbahnhof, eines der kleineren Projekte von „Frankfurt / Rhein-Main plus“, auf dessen rasche Verwirklichung man bei der Bahn hofft, auch wenn zusätzliche Verbindungen dort nach Inbetriebnahme eines Tunnels vielleicht nicht mehr notwendig wären. Andere Projekte wie eine weitere Brücke bei Niederrad über den Main für zwei Gleise sind sowieso nicht überflüssig. Denn das westliche Ende des Tunnels wird auf dem Gleisvorfeld des Hauptbahnhofs liegen, er wird nicht unter dem Main nach Niederrad hindurch führen.

          Sinnhaftigkeit und Machbarkeit

          Jede Planung für einen Tunnel würde mit einer Machbarkeitsstudie beginnen, die das Bundesverkehrsministerium in Auftrag geben würde. Wie schnell das geht, wird auch davon abhängen, wie groß der Druck aus der Region ist. Wären Sinnhaftigkeit und Machbarkeit im Grundsatz bestätigt, müsste das Ministerium die Deutsche Bahn beauftragen, mit der Planung zu beginnen. An deren Anfang stünde wiederum die Suche nach einer Trasse.

          Schließlich wird auszurechnen sein, wie groß der volkswirtschaftliche Nutzen des Vorhabens ist – Geld gibt es nur, wenn der Nutzen die Kosten übersteigt. Dabei sollte auch berücksichtigt werden, dass nicht nur der Fern-, sondern auch der Nahverkehr davon profitieren würde, was im standardisierten Verfahren nicht so ist. Denn wenn die ICE im Tunnel verschwinden, werden die Regionalverbindungen weniger beeinträchtigt als jetzt.

          So oder so ist dies aber ein Generationenprojekt. Selbst wenn alles gut läuft mit dem Vorhaben, wird keinesfalls in zehn Jahren, auch wohl kaum schon in 20 Jahren ein ICE unter Frankfurt hindurch brausen.

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