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Felipe und Letizia in Frankfurt : Sachliche Feier im lichten Ambiente

Eröffnung des neuen Cervantes-Instituts in Frankfurt mit dem spanischen Kronprinzenpaar Felipe und Letizia Bild: ddp

Das spanische Kronprinzenpaar hat am Montagabend das Cervantes-Institut in Frankfurt eröffnet. Vor dem Amerika-Haus hatten sich wackere Spanier versammelt, die das Fähnchen ihres Landes hochhielten sowie Leser der Adelspresse, die einen Blick auf Felipe und Letizia erhaschen wollten.

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          Die königlichen Hoheiten lassen nicht lange auf sich warten. Pünktlich um fünf Uhr nachmittags steigen sie vor dem frisch sanierten Fünfziger-Jahre-Bau aus, der mehr als 40 Jahre lang als Amerika-Haus Freund und zwischenzeitlich auch Feind der Vereinigten Staaten angezogen hat. Ein paar Dutzend Schaulustige haben sich versammelt, wackere Spanier, die das Fähnchen ihres Landes hochhalten, Leser der Adelspresse auch, die einen Blick auf das Kronprinzenpaar Felipe und Letizia erhaschen wollen. Die Thronfolger lächeln freundlich und winken. Mancher Zaungast schaut ganz genau hin: Vor kurzem sah sich der spanische Hof genötigt, eine Erklärung wegen Letizias Schönheitsoperation abzugeben, nachdem die Spekulationen darüber ins Kraut geschossen waren. Auf die Distanz ist von einem chirurgischen Eingriff nichts zu erkennen. „Aber ein bisschen blass ist sie“, murmelt es aus dem Volk, das sich nimmermehr an die Republik gewöhnen will. Dabei wird der Akt als solcher recht sachlich, geradezu spröde ablaufen. Um 17.45 Uhr wird der Prinz von Asturien das Gebäude für eröffnet erklären. Keine Musik, kein Gedicht, nur lauter Politikerreden. Erst am Abend strahlt die Kultur mit Großschriftstellern, tiefen Gedanken und Flamenco.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Räume, wo künftig Spanisch gebüffelt wird, erstrahlen in Weiß

          Alles glänzt. Trotz trüber Witterung. Die Knöpfe an den Paradeuniformen der Polizei. Das gesamte Gebäude, das innen wie außen makellos aufpoliert wirkt, ohne seine architektonische Anmutung aufgegeben zu haben. Selbst die Fenster sehen aus, als seien sie in den Wirtschaftswunderjahren hergestellt worden und kein bisschen gealtert. Man hat penibel darauf geachtet, den ursprünglichen Charakter auch in den Details zu wahren. Hell und licht wirkt das Foyer. Die Räume, wo künftig Spanisch gebüffelt wird, erstrahlen ganz in Weiß, im „Sálon de actos“, dem 300 Plätze fassenden Veranstaltungssaal, dominiert ein Zartgelb. Der Blick geht unweigerlich nach draußen in den Garten und den angrenzenden Rothschildpark. „Bonita“ entfährt es einer lateinamerikanischen Dame. Unmittelbar hinter dem Institutszaun tummeln sich Kinder auf einem Spielplatz. „Das sind lauter künftige Spanischschüler“, freut sich Carmen Cafferel, Präsidentin des Cervantes-Instituts.

          Eröffnung des neuen Cervantes-Instituts in Frankfurt mit dem spanischen Kronprinzenpaar Felipe und Letizia Bilderstrecke

          Hilmar Hoffmann, Frankfurts früherer Kulturdezernent und einstiger Präsident des Goethe-Instituts, ist unter den Gästen, ebenso der derzeit amtierende Goethe-Chef Klaus-Dieter Lehmann. Chus Martínez, die scheidende Leiterin des Frankfurter Kunstvereins, gibt sich die Ehre, die Kulturausschussvorsitzende Alexandra Prinzessin von Hannover kann im Prinzenpaar gar nicht so weitläufige Verwandte begrüßen. Die beiden haben Platz genommen. Hinter ihnen der Kammerdiener in beigefarbener Livree. Ignacio Olmos, Leiter des Frankfurter Ablegers des Instituto Cervantes, ist der Mann der Stunde: Er hat schon drei andere Cervantes-Institute in Deutschland aufgebaut. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sagt: „Wir würden Sie gerne behalten. Frankfurt ist ein guter Ort, die anderen Institute im Auge zu behalten.“ Berlin hat eines, Bremen, Hamburg und München ebenfalls. Carmen Caffarel lobt Frankfurt als „Stadt mit reicher kultureller Tradition“ und freut sich über die Kooperationsverträge, die das Institut am Morgen mit der Universität und der Buchmesse abgeschlossen hat. Bei dieser Gelegenheit outete sich Buchmessen-Chef Juergen Boos als einer der ersten Sprachschüler des neuen Instituts. Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU), der schon als Büroleiter des Stadtoberhaupts den Einzug des spanischen Kulturinstituts ins Amerika-Haus forciert hatte, kündigte an, auch er werde dort bald Spanischunterricht nehmen.

          „Freiheit, Mut Schönheit, Liebe“

          Oberbürgermeisterin Petra Roth zeigt sich in ihrer Rede enthusiasmiert und zitierte Julián Marías: „Freiheit, Mut Schönheit, Liebe“ seien die Triebfedern von Cervantes gewesen. „Mögen Sie auch jene des Cervantes-Instituts sein.“ Schade nur, dass sie zuvor gesagt hat, es gebe leider kein Goethe-Institut in Frankfurt. Das Gegenteil ist der Fall. Kronprinz Felipe legt zunächst eine Schweigeminute für den gestern Morgen von der ETA ermordeten Feldwebel ein. In seiner Rede führt er aus, Frankfurt eigne sich wie kein anderer Ort, um die spanische Sprache und Kultur zu vermitteln. Das Publikum hört es gern. Applaus. Es folgt die Enthüllung einer Gedenkplakette.

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