https://www.faz.net/-gzg-u9hf

Fechenheim : „Geschmuggelte Hunde im Frankfurter Tierheim“

Im Frankfurter Tierheim Bild: picture-alliance / dpa

Schweren Vorwürfen sieht sich der Vorstand des Frankfurter Tierschutzvereins gegenüber. Einzelne Vorstandsmitglieder seien in die illegale Einfuhr von Haustieren aus Osteuropa verwickelt. Dabei sei eine Seuche eingeschleppt worden.

          Mit schweren Vorwürfen gegen den Vorstand des Frankfurter Tierschutzvereins ist gestern die frühere Leiterin des Frankfurter Tierheims an die Öffentlichkeit getreten. In einem Schreiben an den Dachverband Deutscher Tierschutzbund führt sie aus, es lägen Beweise vor, dass einzelne Vorstandsmitglieder des Frankfurter Tierschutzvereins in die illegale Einfuhr von Haustieren aus Osteuropa verwickelt seien. Dabei sei eine Seuche eingeschleppt worden, an der mittlerweile offenbar zwei erwachsene Hunde und ein Welpe gestorben seien. Zwei weitere Mitarbeiter führte sie als Zeugen an.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie das Tierheim auf Anfrage bestätigte, ist zur Zeit die gesamte Hundeabteilung, zu der knapp 100 Tiere gehört haben sollen, wegen des Auftretens der Seuche Parvovirose geschlossen. Die frühere Leiterin behauptet, die Krankheit sei von Tieren eingeschleppt worden, die illegalerweise ohne Impfpapiere aus Ungarn und Rumänien nach Deutschland gebracht worden seien. Möglicherweise hätten Vorstandsmitglieder mit den vergleichsweise leicht zu vermittelnden Hunden die Vermittlungsquote steigern wollen.

          „Erhebliche Spannungen im Tierschutzverein“

          Der Vorsitzende des Vorstands, der Rechtsanwalt Hans-Jürgen Kost-Stenger, bestätigte zwar auf Anfrage das Auftreten der Seuche, sagte aber, von einem Zusammenhang mit Hunden aus Osteuropa wisse er nichts. Allerdings verwies er auf erhebliche Spannungen im Tierschutzverein. Nach einer rechtlichen Anfechtung der letzten Vorstandswahlen - angeblich sollen Mitglieder mehrfach abgestimmt haben - sowie unterschiedlichen grundsätzlichen Auffassungen über die Leitung des Tierheims stehe er künftig für das Amt nicht mehr zur Verfügung. Am Sonntag solle ein neuer Vorstand gewählt werden.

          Außer der Leiterin war weiteren Mitarbeitern gekündigt worden. Offenbar gibt es im Vorstand starke Konflikte zwischen einer Mehrheits- und einer Minderheitsfraktion, zu welcher der amtierende Vorsitzende gehören soll. Die Mehrheit des Vorstands widersprach gestern der Darstellung der früheren Leiterin in nahezu allen Punkten. Vorstandsmitglied Mark Nelz, der zur Mehrheitsfraktion gehört, sagte, die Seuche sei von einem Hund eingeschleppt worden, der im Heim abgegeben worden sei. Er nehme nicht an, dass das Tier aus Osteuropa stamme. Weitere Hunde mit Symptomen gebe es seines Wissens nicht, auch keine Todesfälle. Eine Tierklinik in Obertshausen bestätigte allerdings auf Anfrage, zwei Hunde mit der Krankheit aus dem Heim aufgenommen zu haben.

          „Hinter dem Rücken des Personals“

          Die frühere Tierheimleiterin stellte den Vorgang wie folgt dar: Am 17. Dezember 2006, einem Sonntag, seien hinter dem Rücken des verantwortlichen Personals fünf Hunde aus Osteuropa, darunter zwei Welpen, ins Tierheim gelangt. Vorstandsmitglieder hätten darüber Bescheid gewusst. Eines von ihnen habe ihr einen Tag später mitgeteilt, drei der Tiere seien aus Ungarn, die beiden Welpen aus Rumänien.

          Bei der Begutachtung der Hunde habe sie feststellen müssen, dass nur einer einen gültigen Impfpass gehabt habe und keiner vor dem Grenzübergang amtstierärztlich untersucht und ausreichend oder überhaupt geimpft worden sei. Das sei illegal. Die Kriminalpolizei in Frankfurt habe eine eigene Sonderkommission für solche Fälle gegründet.

          Weitere Themen

          Gegen Interpretationen

          Kunst und Poesie : Gegen Interpretationen

          In den Rüsselsheimer Opelvillen wird vom 25. September an eine Doppelausstellung mit Konkreter Poesie und Konkreter Kunst gezeigt. Hier finden sich keine Schnörkel, dafür aber Abstraktion.

          In den Höfen der Winzer

          Weinwirtschaft im Rheingau : In den Höfen der Winzer

          Der Weinjahrgang 2018 ist da. Der zarte Riesling kommt mit der Dürre und Hitze des letzten Jahres nicht gut zurecht. Am besten probiert man ihn dort, wo er entstanden ist: bei den Weinmachern im Rheingau.

          Topmeldungen

          Boris Johnsons Wahlkreis : „Der beste Premierminister seit Churchill“

          Boris Johnson gerät wegen der Suspendierung des Parlaments immer stärker unter Druck. Seine Anhänger wollen davon jedoch nichts wissen und stehen weiter hinter ihm. Doch wie lange noch? Beobachtungen aus dem Wahlkreis des Premierministers.

          Kretschmann zu Klimapaket : „Das ist doch ein Treppenwitz“

          Die Grünen in Baden-Württemberg lassen kein gutes Haar am Klimapaket der Bundesregierung, auf das die Koalition so stolz ist. So könne man nicht Politik machen, findet Ministerpräsident Winfried Kretschmann.
          In Tipp-Kick-Manier: Robert Lewandowski trifft gegen Kölns Timo Horn.

          4:0 gegen Köln : Lewandowski trifft und trifft

          Spaziergang zum Oktoberfest-Beginn: Bayern München startet gegen Köln leicht und locker in die Münchner Festwochen. Der Torjäger vom Dienst ist gewohnt erfolgreich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.