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Fassenacht : Ein Plan, fünf Stunden, zehn Karnevalsvereine

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Ein „Helau” auf die „Wespen” in Oberrad Bild: F.A.Z. / Foto Christian Burkert

Prinz Stephan I. geht rastlos auf und ab. Er ist wütend. Ein „Idiot“, sagt er, habe ihn, Prinzessin Barbara II. und ihre Begleiter, zugeparkt. Dabei kann sich das Paar viel Leerlauf nicht leisten. - Ein ganz normaler Samstagabend des Frankfurter Prinzenpaars

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          Prinz Stephan I. geht rastlos auf und ab. Er ist wütend. Ein „Idiot“, sagt er, habe ihn, Prinzessin Barbara II. und ihre Begleiter, einfach zugeparkt. Er weist auf den Wagen, der hinter den zwei dunklen Limousinen steht und ihnen den Weg versperrt. „Zum Aus-der-Haut-fahren“ sei das, sagt der Prinz verärgert. Er schaut auf die Uhr, es ist 23.10 Uhr, und er hat noch zwei Termine. Schon wird sein nächster Auftritt aus Zeitgründen abgesagt. Dann endlich hat jemand ein anderes Tor vor dem Palais am Zoo, wo das Prinzenpaar gerade zu Besuch war, aufgeschlossen, so dass die Fahrt trotz des Parksünders weitergehen kann. Noch eine Station, dann ist ein langer Abend vorbei für Stephan I. und Barbara II., die nach Aschermittwoch wieder Stephan und Barbara Siegler heißen und Frankfurter Bürger, nicht Hoheiten, sein werden.

          Kurz nach 19 Uhr: Zehn Karnevalsvereine stehen auf dem Programm des Prinzenpaares, und die gilt es in rund fünf Stunden zu besuchen. Ein ganz normaler Samstag abend derzeit, der bei den „Schnaken“ im Saalbau Südbahnhof beginnt. Zur gleichen Zeit freut sich Herbert Ott von der Karnevalsgesellschaft „Wespen“ schon auf den hohen Besuch. Im Bürgertreff „Depot“ in Oberrad tanzen flott die Gardemädchen von den „Wilden Urmels“ zur Musik von „Anton aus Tirol“, die Gäste der Prunksitzung unterhalten sich. Beliebt sind hier sportliche Kostümierungen: Ein Mann trägt eine schwarz-rot-goldene Irokesenperücke, die von der Fußball-WM übrig geblieben sein mag, ein Handballfreund ist im Trikot mit der Aufschrift „Freunde zu Gast bei Weltmeistern“ erschienen. Mit vielfachem „Helau“ werden die „Urmels“ vom Elferrat verabschiedet, dreizehn sollten es sein, doch ein Urmel fehlt. Es ist die Tochter von Trainerin Christiane Blessing, „die Kleine liegt krank im Bett“, erklärt sie.

          Offenbach-Abschiebe-Test

          Darüber kann sich die Mutter mit dem Orden trösten, der ihr an diesem Abend für 15 Jahre aktive Mitgliedschaft verliehen wird. Vor 30 Jahre kam Blessing als Neunjährige zur Garde, leitet heute unter anderem das Männerballett der „Wespen“, wo auch ihr Mann mittanzt. Doch dann, um kurz nach 20 Uhr, wird Christiane Blessing unterbrochen: „Das Prinzenpaar kommt!“ Ein Marsch, Helau-Rufe, und die beiden stehen auf der Bühne. Stephan I. philosophiert zum Wappentier der Gastgeber: Klein, aber agil, seien die Wespen, und stechen zu, wenn's notwendig ist. Und während Ministerpräsident Peter Keller vom Elferrat hinter ihm der langen Feder am Prinzenhut auszuweichen versucht, stellt der hohe Besuch die Anwesenden auf die Probe. „Alle mitsprechen“, ruft er: „Es will mer net in de Kopp enei, wie kann en Mensch net von Frankfurt sei.“ Manche stimmen ein, der Prinz ist zufrieden. Es müsse keiner nach Offenbach abgeschoben werden, sagt er. Dann erhält er noch das traditionelle Oberrader Fastnachtshuhn samt Urkunde, und das Prinzenpaar verabschiedet sich. Zehn Minuten müssen reichen, sieben Vereine warten noch.

          Im Saalbau Bornheim, der siebten Station, ist vor dem Eintreffen des Prinzenpaares Umbaupause. Die Gäste der Karnevalsgesellschaft „Stutzer“ begutachten die Preise der Tombola, Schatzmeister Edmund Luft freut sich, dass mehr als 500 Fastnachtsfreunde gekommen sind. Und dann kommen noch zwei: Das Prinzenpaar hält Einzug, 22.25 Uhr ist es inzwischen. Den Offenbach-Abschiebe-Test besteht auch das Bornheimer Publikum, anschließend nimmt Barbara II. einen Blumenstrauß, ihr Mann einen Orden entgegen. „Eine ganz große Zukunft“ sagt die Prinzessin der „Frankfurter Fassenacht“ noch voraus, dann müssen sie und ihre Begleiter weiter zum Palais am Zoo.

          Sieben Blumensträuße lagern im Kofferraum

          Dort feiern die Karnevalsgesellschaften „Narrhalla“ und „1901“. Für große Begeisterung sorgen aber nicht nur Darbietungen aus den eigenen Reihen, sondern auch die Gäste „Zweieinhalb Tenöre“ aus dem Gallusviertel und Frank Böhme aus Wiesbaden als „Muttersöhnchen Heinz“. Höhepunkt des Abends aber auch hier: der Auftritt des Prinzenpaares. Dem merkt man den rastlosen Abend nicht an, fröhlich lässt es sich bejubeln, auch das „Helau“ kommt noch leicht über die Lippen. Barbara II. wird der achte Blumenstrauß an diesem Abend überreicht, die anderen sieben lagern schon im Kofferraum. Hätte der Falschparker mitgefeiert, statt die hoheitlichen Wagen zu blockieren, das Prinzenglück wäre vollkommen gewesen.

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