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Fassadendämmung : Gegen die Brandgefahr

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In Verruf gekommen: Das Dämmen mit Polystyrol- und Styroporplatten. Bild: Imago

Das Dämmen von Hausfassaden wird nach dem verheerenden Hochhausbrand in London auch in Frankfurt kritisch hinterfragt. Ulrike Nissen (SPD) plädiert dafür, vorerst nicht mehr mit Styropor oder Polystyrol zu dämmen.

          Der Brand eines Londoner Hochhauses mit mehr als 80 Todesopfern im Juni führt auch in Frankfurt zu Diskussionen über die Vor- und Nachteile von Fassadendämmung. Argumente der Energieeffizienz und Klimafreundlichkeit stehen denen der Kosten und Sicherheit entgegen. Ulrike Nissen (SPD), die in ihrer Bundestagsfraktion unter anderem für Wohnungsbau zuständig ist und gestern Vertreter des Eigentümerverbandes Haus&Grund traf, hält ein Moratorium für sinnvoll. Angesichts der Sicherheitsrisiken bei Polystyrol- und Styropordämmungen solle ausgelotet werden, welche anderen Materialien in Frage kämen, um Häuserfassaden sicher zu dämmen. Kai Warnecke, Vorsitzender von Haus & Grund, stimmt der SPD-Politikerin zu: Billigmaterial wie Styropor sei nicht nur leicht entflammbar, sondern setze auch schnell Schimmel an und zwinge Vermieter zu teuren Renovierungen. Außerdem blieben die Vermieter auf Sondermüllbergen sitzen und müssten für deren Beseitigung aufkommen.

          Eine Alternative zu Styropor und Polystyrol zeigt Wolfgang Stegemann auf. Der Frankfurter Vermieter setzt auf eine Innendämmung aus Perlitgranulat, das nach seinen Worten zu 80 Prozent schadstofffrei ist. Das mineralische Material habe außerdem den Vorteil, dass es schimmelfrei bleibe und für eine angenehme Raumtemperatur sorge. Die Firma, die ihn mit dem Material beliefere, habe aber keine Lobby, sagt der Vermieter. Deshalb sei das von ihm angewandte Verfahren noch weitgehend unbekannt.

          Kai Warnecke sieht auch Mineralstoffe nicht gänzlich unkritisch. „Es gibt solche Materialien, die zerbröseln und dann ähnlich schädlich sein können wie Asbest“, sagt er. Auch deshalb plädiere er für Nissens Vorschlag einer generellen Debatte über anderes Material. Geht es nach dem Vorsitzenden von Haus & Grund, sollen zukünftig aber auch Maßnahmen berücksichtigt werden, bei denen Gebäude auch ohne Dämmung energetisch sinnvoll saniert werden können, etwa durch Blockheizkraftwerke.

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