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Fan-Rückkehr bei der Eintracht : „Es war sicherer als in jeder Innenstadt“

  • -Aktualisiert am

Reichlich Abstand: Frankfurt Fans verteilen sich vor dem Spiel über die Tribüne. Bild: Reuters

Die ersten Fans durften an diesem Wochenende in die Stadien zurückkehren: In Frankfurt feuerten 6500 Eintracht-Anhänger ihr Team an – in einem Stadion das für über 50.000 gemacht ist. Hat es trotzdem Spaß gemacht?

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          Auf der Brücke vom Waldparkplatz Richtung Stadion liegen vereinzelt weggeworfene Bierdosen und zerdrückte Plastikbecher. Es schallen abwechselnd euphorische Jubelschreie und empörte Buhrufe durch die Bäume vom Stadion rüber. Im Deutsche-Bank-Park spielt gerade die Eintracht Frankfurt ihr erstes Fußball-Bundesligaspiel der Saison. Und zum ersten Mal seit des Corona-Lockdowns dürfen wieder Zuschauer dabei sein.

          Es herrscht ein strenges Hygienekonzept: Die 6500 Tickets wurden unter Dauerkarteninhabern verlost, rein kommen nur Fans mit ausgefülltem Gesundheitsfragebogen. Im Stadion herrscht Alkoholverbot und Mundschutz-Pflicht, abgenommen werden darf die Maske nur am Platz. Der wiederum wird zugewiesen, auf jeder Karte steht eine Sitzplatznummer und jeder muss mit Abstand zu anderen sitzen. Die Fans sind trotzdem gekommen, um ihre Eintracht gegen Arminia Bielefeld anzufeuern. Noch läuft das Spiel, es steht 1:1.

          Viele sind alleine da

          Ein Mann im schwarzen Eintracht-Trikot steht auf der Brücke vor dem Stadium, ein schwarz-weiß gestreifter Schal hängt aus seiner Hosentasche. „Ich warte auf meinen Sohn, der ist drin“, sagt er. Er habe nur eine Karte für das Spiel zugelost bekommen, deshalb müsse er hier draußen warten. „Ein bisschen was hört man hier auch schon“, sagt er. „Mit Fans ist es schon deutlich besser.“ Angst vor einer Corona-Ansteckung haben er und sein 15 Jahre alter Sohn nicht. „Die Sonne scheint, es ist warm und wir sind draußen.“

          Bundesliga

          Das Coronavirus hinterlässt schon vor dem Stadion seine Spuren. Aufgesprühte Markierungen leiten den Weg zum Stadion: „Mind. 1,5m“ ist überall auf dem Boden zu lesen. Die Ordner tragen Mundschutz und halten Abstand.

          Kurz vor Abpfiff kommen vereinzelt die ersten Fans aus dem Stadion. „Es war besser als gedacht“, sagt ein Mann mittleren Alters zur Stimmung. „Und viel zu viel Platz. Wenn doppelt so viele da sind, ist es glaube ich richtig gut.“ Am Samstag waren in Frankfurt 6500 Fans zugelassen. Die Entscheidung der Innenministerkonferenz, nach der 20 Prozent des Stadions belegt werden dürften, kam für die Frankfurter zu kurzfristig. Demnach wären sogar rund 11.000 Besucher denkbar. Mit der Organisation sind viele Fans zufrieden. „Es ist ziemlich gut geregelt“, sagt ein junger Student aus Frankfurt beim Verlassen des Stadions. „Besser als in der Innenstadt.“ Auch ein Ehepaar, das ein paar Meter hinter ihnen läuft bestätigt: „Es war sicherer als in jeder Innenstadt.“

          Aus dem Stadion ertönt ein lauter Pfiff, dann die Stimme des Stadionsprechers, der an die Abstandsregeln erinnert. Das Spiel ist vorbei, die Eintracht hat gegen Aufsteiger Arminia nur ein Unentschieden zum Saisonauftakt geschafft. Im Pulk strömen die Fans nun aus dem Stadion, viele über die Brücke Richtung Waldstadion. Eine Anreise mit dem Auto oder dem Fahrrad war im Vorhinein empfohlen worden. Auch die S-Bahnen sind mit mehr Waggons gefahren, um den Andrang zu entzerren.

          Während des Spiels: Die Distanz zwischen den Fans musste gewahrt werden
          Während des Spiels: Die Distanz zwischen den Fans musste gewahrt werden : Bild: EPA

          Viele Fans kommen allein oder zu zweit aus dem Stadion, es sind nur wenige Gruppen unterwegs. Auch ein kleines Mädchen läuft mit seinem Papa in der Menge. „Das Beste heute war, dass Frankfurt noch 1:1 gespielt hat“, sagt die Siebenjährige. „Nach dem 0:1 habe ich Mama erst ein trauriges Bild geschickt, aber dann beim Ausgleich ein Glückliches.“ Und ihr Vater fügt hinzu: „Die Mama musste leider zuhause bleiben, wir haben nur zwei Tickets bekommen.“ Wiederkommen würden sie aber jederzeit, dann vielleicht mit Mama.

          Ein Anfang für Team und Fans

          Wenige Meter hinter ihnen im Pulk laufen zwei Studenten aus Frankfurt, die gerade die letzten Minuten des Spiels besprechen. Angst vor einer Corona-Ansteckung haben auch sie nicht. „Ich hatte echt viel Platz“, sagt der junge Mann. Wiederkommen würde auch er. „So konnte man wenigstens wieder ein bisschen seine Mannschaft unterstützen.“ Das letzte Mal sei er mit seiner Freundin beim 5:0 gegen Augsburg im Februar im Stadion gewesen. „Das war natürlich was ganz anderes. Heute hat man verzweifelt versucht, irgendwie Stimmung zu machen und die Mannschaft anzufeuern.“

          Die aktive Fanszene und Stimmungsmacher hätten einfach gefehlt. Das Paar ist wegen der Corona-Krise mit dem Auto angereist. „Sonst fahren wir Fahrrad und laufen dann mit dem Pulk ins Stadion, um in Stimmung zu kommen“, erklärt die Frau. An die Vorgaben und Hygienemaßnahmen hätten sich die allermeisten gehalten, resümieren die beiden. „Es ist ja im Interesse von jedem, sich an die Regeln zu halten“, sagt der Mann. „Wir wollen ja alle, dass es funktioniert und wir wiederkommen dürfen.“ Ein junger Vater hingegen ist nicht zufrieden mit der Organisation. „Wir sollten erst mehrere Plätze auseinander sitzen“, sagt er und zeigt auf seinen siebenjährigen Sohn. „Das ist doch totaler Käse. Zum Glück konnten wir dann zusammenbleiben.“

          Viele Fans tragen auch auf dem Weg zum Auto noch ihren Mundschutz, meist passend mit dem Eintracht-Adler geschmückt. Über das Spiel wollen die meisten nicht reden, das 1:1 trübt bei vielen die Freude über die Rückkehr ins Stadion. Das Ergebnis ist für die Eintracht wohl dasselbe, wie das erste Spiel mit Zuschauern für die Fans: Ein Anfang.

          Auch eine Gruppe junger Männer ist sich noch uneins, was sie von dem Spiel und der Stimmung halten soll. „Es war kein Vergleich, aber es war besser als nichts“, sagt einer von ihnen. Die Tickets haben sie teilweise im Internet von anderen Dauerkarten-Inhabern gekauft, so konnten sie als Gruppe das Spiel anschauen. „Die Regelungen waren wirklich streng, ich wurde sogar einmal ermahnt, weil ich aufgestanden bin.“ Die drei seien trotzdem froh, dabei gewesen zu sein, auch wenn die Stimmung nicht „typisch Frankfurt“ gewesen sei. „Sonst ist die Stimmung hier was Besonderes“, sagt einer der Männer. „Dieses Mal war es, wie wenn man einen Ferrari mit einem Opel-Corsa-Motor fährt.“

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