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Fahrverbote in Hessen : Dicke Luft allerorten

In Hessen wird gependelt: Das wirkt sich auf die Luft im Bundesland aus. Nun drohen Diesel-Fahrverbote. Bild: Patrick Junker

Angesichts der anstehenden Fahrverbote für ältere Dieselautos in Frankfurt ist die Verunsicherung nicht nur in der Finanzmetropole groß. Wie steht es um Hessens Städte?

          Seitdem das Wiesbadener Verwaltungsgericht entschieden hat, dass Frankfurt von Februar an Fahrverbote für ältere Dieselautos einführen muss, schwankt in der Region die Stimmung zwischen Hoffen und Bangen. Was ist wo zu erwarten? Ein Überblick.

          Frankfurt: Trotz allem droht ein Fahrverbot

          Für Frankfurts SPD-Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling gibt es entgegen anderslautenden Vorwürfen von Seiten der schwarz-grünen Landesregierung keinen Zweifel, dass Frankfurt schon sehr viel, vielleicht sogar mehr als andere Städte getan hat, um die von der EU vorgeschriebenen Stickoxid-Grenzwerte einzuhalten. So werden mit dem Winterfahrplan auf der Ring-Buslinie 75 nur noch Elektrobusse fahren. Fünf an der Zahl sind dann täglich unterwegs, das gebe es in keiner anderen Stadt Hessens, sagt Oesterling. Ginge es nach ihm, würden weitere Busse bestellt, um sie vor allem auf den Strecken in der Innenstadt einzusetzen, wo die Stickoxidbelastung sehr hoch ist, wie am Börneplatz, wo 2017 mit 54 Mikrogramm je Kubikmeter Luft der höchste Jahreswert in der Stadt gemessen wurde. An der Friedberger Landstraße werden seit Jahren zu hohe Werte erfasst, 2017 waren es 47 Mikrogramm; die EU schreibt maximal 40 vor.

          Vor Gericht, Anfang September, hatte Frankfurt darauf hingewiesen, dass die Stadt auch mehr denn je für den Radverkehr tue, der Radverkehrsanteil rapide gewachsen sei und jetzt schon für drei Viertel der Kilometer, die Personen zurücklegen, U- und Straßenbahn genutzt würden. Ampelschaltungen und Verkehrsleitzentralen seien auf neuestem Stand. Dem Gericht war das alles nicht genug. So drohen der Pendlerhauptstadt, die täglich 300000 Arbeitskräfte aus dem Umland aufnimmt, schon von Februar 2019 an die ersten Fahrverbote – zunächst für Euro-4-Dieselautos.

          Wiesbaden: Elektrobusse und verteuertes Parken

          In der Landeshauptstadt wird der Grenzwert für Stickoxid nach Berechnungen des Umweltministeriums auf 39 Straßen überschritten. Konkret gemessen wird an der Ringkirche und an der Schiersteiner Straße, wo die Jahresmittelwerte jeweils rund 20 Prozent über dem Grenzwert liegen. Von einem Fahrverbot wären rund 31000 Fahrzeuge in Wiesbaden und 94000 Fahrzeuge im Umland betroffen. Umweltdezernent Andreas Kowol (Die Grünen) ist aber zuversichtlich, dass es bei der für 19. Dezember angesetzten Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Wiesbaden nicht dazu kommt. Seinen Optimismus begründet er damit, dass Wiesbaden deutlich mehr Initiative zur Luftreinhaltung gezeigt habe als etwa Frankfurt.

          Das von den Stadtverordneten grundsätzlich beschlossene Paket sieht 53 Maßnahmen vor, um den Grenzwert schon im Jahr 2020 zu unterschreiten. Die Steigerung des Radverkehrsanteils von 5,7 auf 10,4 Prozent gehört ebenso dazu wie die Elektrifizierung der gesamten Flotte aus 221 Bussen. Der Autoverkehr soll mehr auf den Zweiten Ring und damit an die Peripherie gelenkt, der Busverkehr durch zusätzliche Busspuren beschleunigt werden. Im Gegenzug wird das Parken in der Innenstadt für die Autofahrer um 25 Prozent teurer. Kowol plant zudem einen neuen Anlauf für ein Lastwagen-Durchfahrtsverbot und setzt große Hoffnungen in die digitale, intelligente Steuerung des Verkehrs. Dafür erhält die Stadt eine Förderung in Höhe von 15 Millionen Euro vom Bund.

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