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Fahrverbote in Hessen : Dicke Luft allerorten

Die außergewöhnlich hohen Werte erklären sich damit, dass Limburg in einem Talkessel liegt und frische Luft nur langsam in die Stadt strömt. Zudem treffen hier vier Bundesstraßen auf die Autobahn 3, die gleich zwei Anschlussstellen im Stadtgebiet hat. Anfang dieses Jahres wurde in Limburg eine Umweltzone eingerichtet, in die nur noch Autos mit einer grünen Feinstaub-Plakette einfahren dürfen. Im Diesel-Konzept der Bundesregierung sind für die Stadt, anders als für das von Fahrverboten bedrohte Frankfurt, Maßnahmen wie Umtauschprämien und Hardware-Nachrüstungen vorgesehen. Die Deutsche Umwelthilfe hat indes bereits Klage eingereicht. Sie will auf diesem Weg ein Diesel-Fahrverbot in Limburg durchsetzen.

Kassel: Belastung knapp unter Grenzwert

Vor 2017 war der zulässige Stickoxid-Höchstwert von 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft in Kassel stets überschritten worden. 2017 lag er im Jahresmittel erstmals knapp darunter: 38,9 Mikrogramm wurden an der entscheidenden Messstelle in der Innenstadt gemessen, in den beiden Jahren zuvor hatte der Wert noch bei 42,1 (2015) und 43 Mikrogramm (2016) gelegen. Grund zur Entwarnung sei das knappe Unterschreiten des zulässigen Höchstwertes aber noch nicht, heißt es in der Stadtverwaltung. Zumal nach Berechnungen des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie an anderen Stellen im Stadtgebiet Ergebnisse über dem Grenzwert festgestellt worden seien.

Fahrverbote wird es nach Aussage von Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) in Kassel aber nicht geben. Nach seiner Einschätzung wäre ein Fahrverbot für Dieselautos schon deshalb kaum durchsetzbar, weil man es derzeit nur mit höchstem Personalaufwand kontrollieren könnte. Kassel fordert deshalb in Anlehnung an den Deutschen Städtetag die Einführung einer neuen blauen Plakette. Die würde dann den Dieselfahrzeugen, die die Euro-6-Norm einhalten, das Einfahren in die Umweltzone der Stadt Kassel erlauben. Die Bundesregierung lehnt die Einführung einer solchen Plakette bisher jedoch strikt ab.

Offenbach: Lkw sollen draußenbleiben

Auch in Offenbach drohen Fahrverbote, weil der Grenzwert für Stickoxid von 40 Mikrogramm übers Jahr gesehen überschritten wird. 2019 müssen also Fortschritte erzielt werden, wenn man Verbote abwenden will. Deswegen hat die Stadt eine Strategie zur Luftreinhaltung entwickelt. Die sieht unter anderem vor, den Durchgangsverkehr von Lastwagen aus der Stadt zu verbannen. Nach Untersuchungen entfallen rund 40 Prozent des Lkw-Aufkommens in der Stadt auf den Durchgangsverkehr, was rund 1200 Fahrzeuge am Tag bedeutet. Dieses Aufkommen könnte einer Simulation zufolge vor allem auf überregionale Verbindungen wie Autobahnen verdrängt werden, ohne Nachbarkommunen zu belasten.

Offenbach will außerdem mit Hilfe eines digitalen Leitsystems den Verkehrsfluss verbessern – etwa durch grüne Wellen. Bei Bedarf sollen Pförtnerampeln verhindern, dass zu viele Autos in die Stadt gelangen. Offenbach will zudem Elektrobusse anschaffen, den Radverkehr fördern und den öffentlichen Personennahverkehr durch mehr Verbindungen und ein zeitgemäßes Informations- und Preissystem stärken. Allein die schon im Masterplan Stickoxid-Minderung gemeinsam mit der Stadt Frankfurt beschlossenen Maßnahmen werden in Offenbach Kosten in Höhe von rund 14 Millionen Euro verursachen.

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