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Fahrradunfälle in Frankfurt : „Radfahren ist nicht gefährlicher geworden“

Radfahren ist laut Allgemeinem Deutschen Fahrrad-Club nicht gefährlicher geworden - und das trotz aktueller Häufung von Fahrradunfällen. Bild: dpa

Binnen kürzester Zeit sind in Frankfurt drei Radfahrer tödlich verunglückt. Das sind so viele wie sonst in einem Jahr. Was läuft schief in Frankfurt?

          Den jüngsten Unfall hat die Polizei am Wochenende vermeldet. Ein 27 Jahre alter Radfahrer war am Samstag in den frühen Morgenstunden auf dem Gelände des Universitätscampus Westend auf einem Fußweg unterwegs gewesen und nach bisherigen Erkenntnissen an einem Treppenabsatz so gestürzt, dass er wenig später im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag. Vor einer Woche war an der Straßenbahnhaltestelle Louisa in Sachsenhausen eine 28 Jahre alte Frau beim Überqueren der Gleise mit einer Bahn zusammengeprallt und tödlich verunglückt. Und Anfang August war ein 60 Jahre alter Mann auf der Kurt-Schumacher-Straße in der Innenstadt von einem Lastwagen überrollt und getötet worden.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Es ist nicht so, dass Radfahren in Frankfurt gefährlicher geworden ist“, sagt Bertram Giebeler vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Frankfurt. Die Tatsache, dass seit dem 3. August insgesamt drei Radler in Frankfurt tödlich verunglückt sind, sei eine unglückliche Verkettung von Ereignissen, „eine zufällige Häufung“. Zumal jeder der drei Unfälle ganz unterschiedliche Ursachen habe. Eines könne allerdings möglich sein, so der Radexperte, dass angesichts des anhaltenden sommerlichen Wetters mehr Radler auf den Straßen unterwegs seien als sonst. Obwohl eigentlich die Zahl der Unfälle nicht proportional zur gestiegenen Zahl der Radfahrer zunimmt.

          Unachtsamkeit darf nicht mit Tod bestraft werden

          „Die Situation für Radfahrer hat sich nicht verschlechtert“, sagt Giebeler. Tendenziell habe sie sich sogar verbessert, meint Norbert Sanden, Geschäftsführer des ADFC Hessen, denn grundsätzlich gelte die Regel: „Je mehr Radfahrer es in einer Stadt gibt, desto sicherer wird es für den einzelnen.“ Das Verständnis anderer Verkehrsteilnehmer nehme zu. Zudem ist in Frankfurt in den vergangenen Jahren einiges für die Verkehrsinfrastruktur der Radler getan worden. Allerdings müsse jedem Radfahrer klar sein, so Sanden, dass man als Verkehrsteilnehmer auch mit einer gewissen „Ernsthaftigkeit und nicht nur spielerisch“ unterwegs sein könne. Es dürfe allerdings auch nicht sein, dass man für „eine Unachtsamkeit gleich mit dem Tod bestraft wird.“

          Im Verkehrsdezernat der Stadt ist man bestürzt über die Unfallhäufung. Sobald die Polizei die Ermittlungen abgeschlossen habe, werde sich die städtische Unfallkommission mit den Vorgängen beschäftigen und mögliche Schlussfolgerungen ziehen. Im Fall des Unfalls an der Kurt-Schumacher-Straße weiß man im Dezernat, dass die Situation dort verbesserungswürdig ist. Das Thema Sicherheit im Straßenverkehr ist auch eines der zentralen Anliegen des Radentscheids, den mittlerweile 40.000 Frankfurter unterschrieben haben. Die erste Hürde zum angestrebten Bürgerbegehren ist zwar bereits genommen, da genug Bürger das Anliegen unterstützt haben, doch nun prüft das Rechtsamt die rechtliche Zulässigkeit der Forderung nach einem grundsätzlichen Ausbau des Radwegenetzes. Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, wollen die Initiatoren ihren Forderungskatalog vor Beginn der Stadtverordnetenversammlung persönlich vor dem Römer an Oberbürgermeister Peter Feldmann und Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (beide SPD) übergeben.

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