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F.A.Z.-Spendenaktion : Schlange stehen bei den deutschen Doktoren

Behandelt wird unter einfachsten Umständen - und gewartet auch Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Der Frankfurter Verein „Ärzte für die Dritte Welt“ stellt in manchen Armenvierteln Kalkuttas die einzigen Mediziner. Bisweilen müssen auch hartgesottene Mediziner schlucken. Denn nicht selten geht es um Leben und Tod.

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          Bisweilen müssen auch hartgesottene Mediziner schlucken. „Da haben Sie das Elend der Welt“, erklärt einer der „German Doctors“ in Kalkutta und deutet auf ein Mädchen in einem Krankenzimmer: „Tuberkulose, HIV und keine Eltern. Da mach' ich das so viele Jahre, aber das geht mir immer wieder unter die Haut.“ Diesem Kind, immerhin, wird geholfen, so gut es geht. Es liegt in einem der Krankenhäuser, mit denen der Verein „Ärzte für die Dritte Welt“ zusammenarbeitet. Doch alles in allem steht es schlecht um die Gesundheitsversorgung in den Armenvierteln von Kalkutta und Howrah, den beiden Städten links und rechts eines Nebenarms des Ganges, der Lebensader der Region. Die deutschen Ärzte sind oftmals die einzigen ausgebildeten Mediziner, rein rechnerisch kommen auf zwei „German Doctors“ 100.000, vielleicht 200.000 Bewohner. So stehen schon vor Beginn der Sprechstunde in den schlichten Ambulanzen mehr als 100 Menschen Schlange, vielfach Mütter mit ihren Kindern.

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Nicht immer sind die Erkrankungen schwer. Nicht alle Kinder sind unterernährt, aber viele. Nicht alle haben Tuberkulose, manche nur eine Erkältung. Wurmkrankheiten sind verbreitet, auch Krätze sehen die Ärzte oft. Sie sind ehrenamtlich hier, haben irgendwann von dem Frankfurter Verein gehört, der 1983 von dem Jesuitenpater Bernhard Ehlen gegründet wurde. Tausende Ärzte haben seitdem ihren Jahresurlaub oder eine Zeit ihres Ruhestands in einem Elendsviertel verbracht; neun Stützpunkte unterhält der Verein derzeit, in Kenia und in Bangladesch beispielsweise und eben in Kalkutta.

          Jeder Aufenthalt dort kostet Geld

          Die Ärzte wohnen bescheiden und arbeiten hart, unter einfachen Umständen. Die Fotos auf dieser Seite zeigen eine der Ambulanzen, das Gedränge der Wartenden, die Behandlung mit einer Dolmetscherin an der Seite. Es geht zügig zu und konzentriert; Medikamente und Spritzen werden durch heimisches Personal einen Raum weiter in der Hütte verabreicht, die am Rande einer langen Straße neben einer Eisenbahnlinie steht. Die Nähe zu Gleisen und Bahnhöfen ist kein Zufall; so soll Menschen vom Land der Besuch erleichtert werden. Manche waren die halbe Nacht oder länger unterwegs, um einen „German Doctor“ aufzusuchen.

          Die deutsche Ärztin Elke Eidelloth behandelt ein krankes Kind in Kalkutta
          Die deutsche Ärztin Elke Eidelloth behandelt ein krankes Kind in Kalkutta : Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

          Es kann sein, dass ein Patient nach dem anderen mit routiniert zu behandelnden Krankheiten kommt und es dann auf einmal wieder um Leben und Tod geht - zum Beispiel, wenn ein Kind sichtlich geschwächt nach Luft schnappt und schnellstens in ein Krankenhaus muss. Jeder Aufenthalt dort kostet Geld; der Verein „Ärzte für die Dritte Welt“ übernimmt die Kosten, wenn es die Menschen selbst nicht zahlen können - und soweit es das Spendenaufkommen zulässt. Wer zum ersten Mal die Armenviertel sieht, ist fassungslos angesichts des Elends und des Drecks und mag sich nicht ausmalen, wie es dort in der Monsunzeit aussieht, wenn alles knietief unter Wasser steht.

          Das Geld ist gut angelegt

          Von den „German Doctors“ aber sind viele nicht zum ersten Mal hier. Sie kennen die Umstände und machen ihre Arbeit gelassen, bis der letzte Patient nach Hause geschickt werden kann. Manchmal aber reicht das nicht; unterernährte Kinder und solche, bei denen eine aufwendige Diagnose notwendig ist, werden mit ihren Müttern für einige Tage in eine Kinderstation aufgenommen, um aufgepäppelt und behandelt zu werden. Für die Erweiterung dieser Kinderstation und ihre Verlegung an den Ortsrand von Howrah bittet diese Zeitung um Spenden; die Verwirklichung des Bauvorhabens würde den Patienten helfen und den Medizinern die Arbeit etwas leichter machen. Das Geld ist gut angelegt.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“

          Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ und die „Frankfurter Allgemeine / Rhein-Main-Zeitung“ bitten um Spenden, die der Hilfe für Aidspatienten in der Frankfurter Uniklinik und der Erweiterung einer Kinderstation des Vereins „Ärzte für die Dritte Welt“ in Kalkutta zugutekommen.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“ bitte auf die Konten:

          Nummer 11 57 11 bei der Frankfurter Volksbank (BLZ 501 900 00)

          Nummer 97 80 00 bei der Frankfurter Sparkasse (BLZ 500 502 01)

          Die Namen der Spender werden in der Zeitung veröffentlicht. Selbstverständlich wird auch der Wunsch respektiert, auf eine Namensnennung zu verzichten. Spenden können steuerlich abgesetzt werden. Allen Spendern wird, sofern die vollständige Adresse angegeben ist, eine Spendenquittung zugeschickt.

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