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F.A.Z.-Spendenaktion : Hilfe für Aidspatienten und Kinder in Kalkutta

Mütter mit ihren unterernährten Kindern in der Kinderstation der „Ärzte für die Dritte Welt” in einem von Moslems bewohnten Slum in Kalkutta Howrah Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Mit der Neuauflage der Aktion „F.A.Z.-Leser helfen“ soll das Geld je zur Hälfte Aidspatienten in der Frankfurter Universitätsklinik und einem Projekt des Frankfurter Vereins „Ärzte für die Dritte Welt“ in Kalkutta zugutekommen.

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          Auch in diesem Jahr bittet die „Frankfurter Allgemeine / Rhein-Main-Zeitung“ in der Vorweihnachtszeit um Spenden für dringend notwendige Investitionen in soziale Einrichtungen. Mit der Neuauflage der Aktion „F.A.Z.-Leser helfen“ soll das Geld je zur Hälfte Aidspatienten in der Frankfurter Universitätsklinik und einem Projekt des Frankfurter Vereins „Ärzte für die Dritte Welt“ in Kalkutta zugutekommen. Im vergangenen Jahr hatten unsere Leser für zwei andere Projekte zusammen 520.000 Euro gegeben. Wie stets fließen die auf den Sonderkonten eingegangenen Geldbeträge ohne jeden Abzug für Verwaltungskosten an die Einrichtungen, denen geholfen werden soll.

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Mit der einen Hälfte des Geldes aus diesem Jahr sollen im ersten Stock des Hauses 68, des HIV-Centers der Frankfurter Universitätsklinik, Aufenthalts- und Schulungsräume für Aidskranke und deren Angehörige geschaffen werden. Bisher müssen Patienten, die ambulant behandelt werden, auf den Fluren vor dem Empfang oder den Arztzimmern warten. Dort herrscht keine Atmosphäre, die die Privatsphäre der Patienten ausreichend schützt. Für die Erkrankten, die im Erdgeschoss des Hauses stationär behandelt werden, gibt es keinen Aufenthaltsraum außerhalb der Krankenzimmer.

          Außerdem gibt es derzeit nicht genug Platz für wichtige Schulungen, die Patienten, ihren Angehörigen und Freunden regelmäßig angeboten werden. Sie finden in den Arztzimmern statt, die dafür zu klein sind. Die Aids-Station hat 18 Betten, die in der Regel belegt sind; die HIV-Ambulanz wird von etwa 1200 Patienten genutzt. Um ihnen und ihren Angehörigen einen geschützten Aufenthaltsraum bieten zu können, werden fünf Räume des Hauses, die derzeit als Büro- und Lagerräume dienen, miteinander verbunden. Dieser etwa 150 Quadratmeter große Raum soll in drei Abschnitte gegliedert werden: in einen Begegnungsraum mit mehreren Tischen, eine Lounge und eine kleine Küche. Es soll dort auch eine Spielecke für Kinder geben, damit diese beschäftigt sind, während ihre Mütter behandelt werden.

          Umbaukosten auf 240.000 Euro veranschlagt

          In der Nähe des Aufenthalts- und Schulungsraums soll auch der neue Empfang der Ambulanz eingerichtet werden. Dafür werden zwei Lagerräume umgestaltet, die zusammen 30 Quadratmeter groß sind. Auch ein Teil des Flures, der zu den neuen Räumen führt, soll umgestaltet und so aufgewertet werden. Für all diese Arbeiten ist das Haus 68 auf Spenden angewiesen. Die Kosten für den gesamten Umbau, einschließlich der technischen Ausstattung, zu der beispielsweise die Küche und Sanitäranlagen gehören, werden auf etwa 240.000 Euro geschätzt.

          Das HIV-Center, in dem auch Forschungsarbeit geleistet wird, wurde 1985 gegründet. Drei Jahre zuvor war an der Frankfurter Universitätsklinik die erste Aids-Erkrankung in Deutschland diagnostiziert worden. Waren anfangs hauptsächlich junge homosexuelle Männer und Drogenkonsumenten von Aids betroffen, kommen seit 1998 zunehmend heterosexuelle Männer und Frauen sowie Zuwanderer aus unterentwickelten Ländern in die Einrichtung. „Die Erkrankung hat inzwischen auch in Europa alle gesellschaftlichen Gruppen erreicht“, sagt der Infektiologe Hans-Reinhard Brodt, der Leiter des HIV-Centers.

          Die andere Hälfte der Spenden soll an den von dem Jesuitenpater Bernhard Ehlen gegründeten Verein „Ärzte für die Dritte Welt“ fließen; er hat seinen Sitz in Frankfurt, in der katholischen Hochschule Sankt Georgen. Der Verein betreibt in verschiedenen Armenvierteln der Welt Krankenstationen, in denen deutsche Ärzte ehrenamtlich tätig sind. Ein solcher Einsatz dauert sechs Wochen; die engagierten Ärzte nehmen dafür ihren Jahresurlaub oder arbeiten trotz Ruhestands.

          Regelmäßig sechs Ärzte aus Deutschland im Einsatz

          In Kalkutta sind um diese einfachen Ambulanzen herum weitere Einrichtungen entstanden, in denen Erkrankten zusätzlich geholfen werden kann. Dazu zählt eine Kinderstation, in die Mädchen und Jungen aufgenommen werden, die unterernährt sind oder für die eine umfassende Diagnose notwendig ist. Die mitten in einem Slum beheimatete Kinderstation soll mit dem Geld der Leser an den Ortsrand verlegt und erweitert werden. Zudem sollen für die Anlaufzeit die laufenden Kosten übernommen werden.

          In Kalkutta sind regelmäßig sechs Ärzte aus Deutschland im Einsatz, die von heimischem Personal bei ihrer Arbeit in den Slums unterstützt werden. Viele der Patienten leiden an Tuberkulose, eine aus Deutschland fast verbannte Krankheit, die sich in den überbevölkerten Wohnvierteln der Armen unter den mangelhaft ernährten Bewohnern leicht ausbreitet.

          Für den Verein „Ärzte für die Dritte Welt“ hatte diese Zeitung schon einmal Ende der neunziger Jahre mit der Aktion „F.A.Z.-Leser helfen“ um Unterstützung gebeten. Damals ging es um die Arbeit in Nairobi und Manila.

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