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F.A.Z.-Spendenaktion : Für Neha und Apsana

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Die Kinderstation der „Ärzte für die Dritte Welt” in Kalkutta soll erweitert werden Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Wie stets im Herbst bitten F.A.Z. und FAZ.NET ihre Leser um Spenden - diesmal für Umbauarbeiten in der Aids-Ambulanz der Frankfurter Uniklinik und für die Arbeit des Vereins „Ärzte für die Dritte Welt“ in Indien. Doch was machen die ehrenamtlichen Mediziner aus Deutschland in Kalkutta? Ein Reisebericht.

          Wir hatten das Bild nie vergessen. September 1999 in Mathare Valley, Nairobi, Kenia - vor der langgestreckten Hütte mit den einfachen Behandlungsräumen der Ärzte warteten 103 Frauen und Männer, seit dem frühen Morgen allemal, vielleicht schon die Nacht durch. Inzwischen stand die Sonne im Zenit, die Menschen warfen nahezu keine Schatten mehr, aber sie harrten aus. Kritische Literatur über Entwicklungshilfe gab es auch damals schon, aber angesichts der geduldigen Patienten war es nicht schwer, den Einsatz der „Ärzte für die Dritte Welt“ in diesem Slum, einem der größten Nairobis, richtig zu finden. Die „German Doctors“, wie sie hier genannt wurden, waren die einzigen Mediziner für die nach Zehntausenden zählenden Bewohner. Diese Zeitung hatte damals ihre Leser um Spenden für diese Arbeit gebeten. An die 800.000 Mark flossen in die Krankenstationen des Vereins in Nairobi und Manila.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Nach einem Jahrzehnt nun wieder die „Ärzte für die Dritte Welt“. Der 1983 vom Jesuitenpater Bernhard Ehlen gegründete Verein ist gewachsen, aus dem Ein-Mann-Büro an der Elsheimer Straße hinter der Alten Oper ist eine kleine Büroflucht in der katholischen Hochschule St. Georgen an der Offenbacher Landstraße geworden. Diesmal hat die Organisation um Unterstützung ihrer Arbeit in Kalkutta gebeten. Wieder eine Reise in ein Armenviertel, um zu berichten, wofür das Geld der Leser ausgegeben werden soll, wieder aufwühlende Tage wie einst in Nairobi.

          Die Hütte steht halb in einem Teich

          Wir wollen nicht behaupten, dass wir alles verstanden haben. Wir haben fünf Tage lang Slums gesehen, aus Holz, aus Blech, aus Plastik und aus Stein, eng, verwinkelt und dicht bevölkert. Eine Hütte, durch die der Wind pfiff, stand halb in einem Teich, eine Erinnerung an den Monsun. Andere, sonst genauso ärmlich, hatten Strom für eine Glühbirne oder einen Ventilator. Gekocht wird mit Kerosin. Voller Schlamm und Schmutz war es überall, keine Kanalisation. Wenn es regnet, steht alles unter Wasser, knietief, auch die ärmlichen Hütten. Die Kinder haben sich gefreut, wenn sie uns gesehen haben. Ein Mädchen lächelte durch die Tür einer düsteren Hütte, in der es hockte und Reißverschlüsse zusammenknipste, einen Berg davon neben sich. Für 4500 Stück bekommt sie einen Euro, wie es hieß. Von den Erwachsenen haben manche freundlich, andere finster dreingeschaut. Wir haben in diesen Tagen viele junge Menschen gesehen, kaum alte und in all den Tagen nur einen dicken. Wir haben aber allenfalls eine Ahnung davon bekommen, wie es sich unter solchen Umständen lebt. Was ist im Slum wichtig, was ist Glück, was erwarten die Bewohner vom Leben? Es blieb eine ferne Welt, auch wenn man mittendrin steht.

          Grenzenlose Armut: Slum in Howrah gegenüber von Kalkutta

          Die „Ärzte für die Dritte Welt“ können dieses harte Leben ebenso wenig ändern wie andere Hilfsorganisationen in diesen Vierteln. Sie können aber Schmerzen nehmen, heilen, womöglich das Leben retten, das in den Armenvierteln voller Hunger, Krankheiten und Kerosin schnell in Gefahr ist. Sechs deutsche Ärzte sind regelmäßig dort tätig. Sie leben unter den Armen in einer kleinen Wohnung in einem der verwinkelten Häuser. Draußen ist es laut, auch nachts, und dreckig, und die Mehrzahl der Nachbarn blickt streng drein. Keine Gegend für einen Abendspaziergang. Die Ärzte bleiben sechs Wochen, sie verbringen dort ihren Jahresurlaub oder eine Zeit ihres Ruhestands. Nahezu 4000 Einsätze dieser Art hat der Verein seit 1983 an verschiedenen Orten organisiert, 2100 deutsche Ärzte haben mitgemacht. Es ist für sie auch ein wenig Abenteuer. Aber ein Vergnügen ist es nicht, sondern harte Arbeit.

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