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F.A.Z.-Spendenaktion : Die „German Doctors“, eine Frankfurter Idee

Ein Arzt für die Dritte Welt: Tobias Vogt von einer der einfachen Ambulanzen in Kalkutta im Gespräch mit Patienten Bild: Wolfgang Eilmes

Frankfurt ist so weit weg wie der Mond in den Armenvierteln von Nairobi oder Kalkutta, in denen die „Ärzte für die Dritte Welt“ helfen. Doch hier am Main kam Jesuitenpater Ehlen 1983 die Idee für die ungewöhnliche Organisation, hier sitzt sie noch heute.

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          An prominenter Unterstützung fehlt es nicht. Im Juli sendete die ARD eine halbstündige Reportage über eine Reise von Maria Furtwängler zu den Ambulanzen des Vereins „Ärzte für die Dritte Welt“ in Kalkutta. Es war nicht ihr erster Aufenthalt in diesem Moloch. Und die Schauspielerin schaut in den einfachen Krankenstationen, vor denen morgens schon mal 160 Patienten warten, auch nicht nur zu, wie andere arbeiten, sondern legt selbst Hand an. Denn Furtwängler, sonst als „Tatort“-Kommissarin in anderer Mission unterwegs, ist auch Ärztin. Seit Jahren fördert sie den Frankfurter Verein „Ärzte für die Dritte Welt“ als Präsidentin seines Kuratoriums. Auch der frühere Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer gehört dem Kuratorium an.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Auf solche Hilfe ist die Organisation, die sich weitgehend mit Spenden finanziert, dringend angewiesen. Denn während jede Zuwendung einzeln eingeworben werden muss und mithin auch ausbleiben kann, verlassen sich die Patienten auf den Philippinen, in Kenia oder eben Indien darauf, dass die „German Doctors“ ihre Ambulanzen regelmäßig morgens öffnen. Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung bittet in der diesjährigen Aktion „.F.A.Z.-Leser helfen“ um Spenden für den Verein, für die Erweiterung und Verlegung einer Kinderstation in Kalkutta.

          Jeden Tag helfen die Ärzte etwa 3000 Menschen

          Drei Dutzend Ärzte aus Deutschland sind ständig als „Ärzte für die Dritte Welt“ ehrenamtlich an verschiedenen Orten der Erde im Einsatz, die Hälfte davon allein auf den Philippinen. In Kalkutta arbeiten sechs. Es sind junge Ärzte darunter, die dafür ihren Jahresurlaub nehmen, aber auch Ruheständler. Sechs Wochen dauert der arbeitsreiche Aufenthalt in der Regel, die Unterbringung ist schlicht, nicht selten in den Armenvierteln oder in deren Nähe. Auf den Philippinen reisen Ärzteteams sogar in Zehn-Tages-Touren durchs Landesinnere, in abgelegene Dörfer. Unterstützt werden die „German Doctors“ durch örtliches Personal.

          Die kleine Vereinszentrale ist in der katholischen Hochschule St. Georgen an der Offenbacher Landstraße in Frankfurt untergebracht. Jesuitenpater Bernhard Ehlen hatte „Ärzte für die Dritte Welt“ 1983 gegründet, bis 2006 leitete er die Organisation, dann gab er den Stab an den Arzt Harald Kischlat weiter. Die ungewöhnliche Idee, Ärzte zu ehrenamtlichen Einsätzen während ihres Urlaubs zu überreden, setzte sich nach der Vereinsgründung rasch durch. 2400 Mediziner haben sich bisher in dieser Weise engagiert, und weil viele mehrfach mitmachten, kamen nahezu 5000 Einsätze zusammen. Eine der Ärztinnen ist schon zwei Dutzend Male unterwegs gewesen. Tag für Tag wird etwa 3000 Menschen geholfen. Die Verwaltungskosten werden von einem eigenständigen Förderkreis getragen, so dass die Spenden zu 100 Prozent in die einzelnen Projekte fließen; dies gilt damit auch für die mit „F.A.Z.-Leser helfen“ gesammelten Beträge.

          „Besser ein Licht anzünden, als über Dunkelheit klagen“

          Doch nicht alle Projekte bestehen auf Dauer. Die Arbeit in Ruanda etwa musste 1997, die in Kolumbien im Jahr 2000 eingestellt werden, weil die Gefahren zu groß geworden waren. Andere Standorte kamen hinzu oder wurden ausgebaut; in Nairobi zum Beispiel sind seit 2005 regelmäßig sechs deutsche Ärzte im Einsatz statt vier. In Kalkutta entstand nach und nach um die Ambulanzen eine weitergehende Infrastruktur mit Kliniken und der erwähnten Kinderstation, auch einem Angebot für junge Frauen, die nach der Heilung von Tuberkulose Nähen oder Stricken erlernen, um damit Geld verdienen zu können.

          Zu den neuesten Plänen des Vereins zählt der Aufbau eines Ärzteteams, das gemeinsam mit Fachleuten von befreundeten Hilfsorganisationen bei Katastrophen hilft, etwa in Bangladesch. „Es ist besser, ein Licht anzuzünden, als über die Dunkelheit zu klagen“, schreibt der Verein auf seiner Internetseite. Damit sind die „Ärzte für die Dritte Welt“ nun seit 26 Jahren befasst – von Frankfurt aus.

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