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„F.A.Z.-Leser helfen“ : Ohne Operation wird Peter nie richtig kicken

Eine Kiste mit Habseligkeiten: Aidswaise Peter mit Freund im „Mothers Mercy Home” Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Peter schießt nur mit rechts. Sein linkes Bein taugt fürs Fußballspiel nicht. Ein Tumor am Bein macht dem Waisenjungen Peter aus Kenia zu schaffen. Bisher hat sich kein Chirurg gefunden, der ihn davon befreit. Cargo Human Care will helfen.

          Peter schießt nur mit rechts. Sein linkes Bein taugt fürs Fußballspiel nicht. Ein Tumor, so groß wie zwei Handteller eines erwachsenen Mannes, hat den Unterschenkel des Neunjährigen überwuchert. Die Geschwulst ist nicht bösartig, aber so fest, dass sich unterhalb Lymphe staut. Der linke Fuß des Jungen ist deshalb stark geschwollen, er kann nur noch Sandalen tragen. Das alles hält Peter, der zu den 1,7 Millionen Kindern in Kenia zählt, deren Eltern an Aids gestorben sind, nicht davon ab, mit anderen Jungs auf der tonroten Erde des Bolzplatzes nach Kräften zu kicken. Peter und die anderen sind Waisenkinder, sie leben im „Mothers Mercy Home“ in Kiambu, einem jener Orte am Rand der kenianischen Hauptstadt Nairobi, wo die Armut groß und der Alltag immer hart und oft brutal ist.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Sven Sievers, ärztlicher Leiter der von Lufthansa-Cargo-Piloten ins Leben gerufenen Hilfsinitiative Cargo Human Care, macht sich Sorgen um Peter. Er sollte schon längst von dem Tumor befreit sein. Die Hilfsinitiative, für die diese Zeitung ihre Leser um Spenden bittet, würde die Operations- und Krankenhauskosten in Kenia übernehmen. Doch die örtlichen Mediziner schrecken vor dem Eingriff zurück, wie Paula Karanja berichtet. Sie ist eine der drei Frauen, die das Heim mit großer Fürsorge und minimalem Etat im Auftrag der anglikanischen Kirche Kenias leiten. Ein Dutzend Mediziner hätten sie schon angesprochen, ohne Erfolg, sagt Karanja.

          Behandlung im Ausland möglichst vermeiden

          Dass die kenianischen Ärzte Peter nicht operieren wollen, hat nach Sievers' Überzeugung nichts damit zu tun, dass der Junge - wie viele Kinder in Kenia - bei der Geburt von der Mutter mit dem HI-Virus infiziert wurde. Die Mediziner wüssten offenbar nicht recht, wie sie die beim Herausschneiden des Tumors entstehende Höhlung im Bein des Jungen verschließen sollten, vermutet der Gynäkologe und ehemalige Chefarzt aus Neustadt.

          Mehr als ein Gast: Lufthansa Cargo-Flottenchef Fokko Doyen im Waisenhaus

          Sievers und Fokko Doyen, Flottenchef der Lufthansa Cargo und Initiator der Hilfsinitiative, haben schon erwogen, Peter mit nach Deutschland zu nehmen, um sein Bein operieren zu lassen. Das ist aber nur der allerletzte Ausweg, wie Doyen sagt. Im Fall eines anderen Jungen, für den in Kenia keine Behandlung zu organisieren gewesen sei, habe sich der Besuch in Deutschland als sehr große Belastung erwiesen. Das Kind habe sich nach der Rückkehr nur schwer wieder eingewöhnen können, erinnert sich Doyen. Deshalb wollen die Leute von Cargo Human Care eine solche Behandlung im Ausland möglichst vermeiden. Zumal es auch in Kenia kompetente Operateure gibt, wie Sievers sagt. Doch in dem afrikanischen Land ist es immer eine Frage von Beziehungen und Geld, ob ein Patient eine gute Behandlung bekommt oder nicht. Der Gummistrumpf, den ein örtlicher Mediziner Peter einfach über den Tumor gezogen hat, verschafft dem Jungen nach Sievers' Ansicht keinerlei Linderung.

          Medizinische Eingriffe werden eingekauft

          Operationen, wie sie Peter braucht, werden das „Mothers Mercy Home“ und seine Unterstützer aus Deutschland auch künftig in einer kenianischen Klinik sozusagen einkaufen müssen. Die Nachsorge oder fachärztliche Untersuchungen sollen aber demnächst direkt auf dem Gelände des Waisenhauses möglich sein. Denn Doyen, Sievers und die anderen Helfer von Cargo Human Care haben sich vorgenommen, zusammen mit Paula Karanja und der anglikanischen Kirche den Waisen dort ein neues Zuhause zu bauen, wo zurzeit noch 84 Kinder in Wellblechhütten leben. Außer den Räumen für rund 150 Mädchen und Jungen ist dort eine Medizinstation vorgesehen, in der Fachärzte aus Deutschland ehrenamtlich die Kinder und die Menschen aus den Siedlungen der Umgegend behandeln sollen. So, wie sie es - organisiert von Cargo Human Care - zurzeit schon in einem medizinischen Zentrum am anderen Ende von Nairobi tun. Möglich wird das Engagement der Ärzte und der Airliner, weil die Deutsche Lufthansa die Mediziner samt Gerät unentgeltlich mitnimmt auf ihren Frachtflügen von Frankfurt nach Nairobi und Johannesburg, die täglich gegen ein Uhr nachts am Frankfurter Flughafen starten.

          Die ersten Entwürfe eines neuen Zuhauses für Peter und seine Freunde sind schon gezeichnet, doch es wird noch eine Weile dauern, bis in Kiambu ein neues „Mothers Mercy Home“ gebaut ist. Für Sievers und Doyen geht es jetzt erst einmal darum, für Peter doch noch eine Operation zu organisieren - damit er vielleicht irgendwann auch einmal mit links ein Tor schießen kann.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“:

          Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ und die „Frankfurter Allgemeine / Rhein-Main-Zeitung“ bitten um Spenden, die dem Projekt „Leben mit Krebs“ und einem Waisenhaus in Nairobi/Kenia zugute kommen.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“ bitte auf die Konten:

          Nummer 11 57 11 bei der Frankfurter Volksbank (BLZ 501 900 00).


          Nummer 97 80 00 bei der Frankfurter Sparkasse (BLZ 500 502 01).

          Die Namen der Spender werden in der Zeitung veröffentlicht. Selbstverständlich wird auch der Wunsch respektiert, auf eine Namensnennung zu verzichten. Spenden können steuerlich abgesetzt werden. Allen Spendern wird, sofern die vollständige Adresse angegeben ist, eine Spendenquittung zugeschickt.

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