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F.A.Z.-Leser helfen : Mit der „Starken Bande“ raus aus der Opferfalle

Blick nach vorn: Claire geht es inzwischen öfter „okay“ – und sie kann schon auf einige Erfolge stolz sein. Bild: Hannah Aders

Als Claire nach Deutschland kam, lief es nicht gut: kein Job mehr, die fremde Sprache, ein Mann, der sie betrügt. Mit Hilfe der „Starken Bande“ hat sie es geschafft, sich freizukämpfen.

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          Ihr Leben teilt Claire in drei Teile. Teil eins: Kindheit. Die war glücklich, sagt die 43 Jahre alte Frau, die in Kongo geboren wurde. Doch sie endete abrupt und schmerzhaft mit 13 Jahren. Claire, die eigentlich anders heißt, wurde nach einer Vergewaltigung schwanger.

          Theresa Weiß
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Teil zwei: Leiden. „In Afrika ist dein Leben damit kaputt“, sagt Claire. Sie bekam das Kind, musste von der Schule abgehen und sich um den Säugling kümmern. Es waren schwere Jahre, sie will nicht jedes Detail ausbreiten, sagt mehrfach: „Ich habe so gelitten.“ Doch eine Tante bestand darauf, dass Claire wieder zur Schule gehen sollte. Das Baby kam zu ihrer Schwester, Claire machte Abitur und studierte. So langsam ging es aufwärts. Die junge Frau fand eine gute Stelle als IT-Ingenieurin, für die sie in eine andere Stadt ziehen musste. „Das war Freiheit“, sagt sie.

          Wer nun denkt, dass Teil drei mit so etwas wie „Das gute Leben“ überschrieben ist, irrt aber leider.

          Claire verließ ihre Heimat für einen Mann, der ihr große Versprechungen machte. Er lebte in Deutschland, in Frankfurt, und sagte ihr, dort würde sie einen noch besseren Job finden und ihn an ihrer Seite haben. Er habe ein gutgehendes Geschäft. Sie hat es geglaubt. Zwar ließ sie ihn erst mal zu Besuch nach Kongo kommen. Doch als er wirklich auftauchte, war sie sicher: Er müsse sie lieben. Als Claire 29 Jahre alt war, reiste sie nach Frankfurt und heiratete den Mann. Und damit begann Teil drei: das Loch.

          Claires Mann hatte kein Geschäft, er arbeitete bei einer anderen Frau aus Kongo. Mit dieser Frau hatte er ein sechs Monate altes Kind. Und drei weitere Kinder aus einer anderen Beziehung. Claire war ihrerseits schon schwanger. Der Mann, der sie nach Deutschland gelockt hatte, erwies sich als keine große Hilfe: Er verlor seine Stelle, als die andere Frau erfuhr, dass er sie betrogen und Claire geheiratet hatte. Er kümmerte sich zu Hause um nichts. Er half Claire auch nicht, einen Job zu finden. Sie sprach kein Deutsch, ihre Abschlüsse wurden nicht anerkannt, sie fand selbst keine Arbeit. Ihr Selbstbewusstsein litt. „Ich war wirklich unten“, sagt sie.

          Sie schaffte es nicht, in dem für sie fremden Land Fuß zu fassen

          Mit der Geburt ihres Sohnes wurde es nicht besser, sondern schlimmer. Claire, die heute in ihrer Wohnung in Preungesheim Simone de Beauvoir zitiert, wenn sie erklärt, warum sie ihren Mann geheiratet hat, obwohl sie nicht verliebt war, Claire, die sich hervorragend mit Informationstechnik auskennt, Claire, die in ihrer Heimat gut verdient hatte, steckte fest. Obwohl sie hochgebildet ist, klug und findig, schaffte sie es nicht, in dem für sie fremden Land Fuß zu fassen.

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          Die junge Mutter war sehr allein mit dem Säugling, ihr Mann unterstützte sie kaum. Trotzdem verließ sie ihn nicht. Vielleicht, weil sie dann gar niemanden mehr gehabt hätte, vielleicht auch, weil er ihr regelmäßig gedroht habe: Er würde ihr das Kind wegnehmen, wenn sie sich trennen würde.

          Claire war, Tausende Kilometer weg von ihrer Heimat, in eine Situation geraten, die sie schon kannte. Sie lebte mit einem Mann zusammen, der mehrere Beziehungen hatte, von dem sie sich abhängig fühlte, der kaum eine Bindung zu seinem Kind hatte und es nicht als seine Verantwortung sah, sich um seinen kleinen Sohn zu sorgen. „Es war wie bei meiner Mutter“, sagt Claire. Auch deren Mann, Claires Vater, lebte polygam. Das sei in Kongo häufig so, erzählt sie, und die Frauen und Kinder litten darunter. Ihr Vater sei zum Beispiel einen Tag in der Woche mal da gewesen. Sonst war er bei seinen anderen Familien. Claire hat 25 Geschwister. „Von denen ich weiß“, fügt sie hinzu.

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