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F.A.Z.-Leser helfen : Mehr Farbe für den grauen Alltag

Digitale Präsentation: Autorin Antje Damm las nicht nur vor, sondern zeigte auch einen ihrer aufwendig gestalteten Schaukästen. Bild: Finn Winkler

Die Autorin Antje Damm liest bei den Sonntagsgeschichten aus ihrem preisgekrönten Kinderbuch „Der Besuch“, verrät, wie ihre Illustrationen entstehen, und zeigt, wie man einen besonderen Papierflieger faltet.

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          Elise ist ein einsamer Mensch. In etwa so einsam, wie es manch einer in der Corona-Pandemie ist. Vor allem aber hat Elise, die Protagonistin aus dem Kinderbuch „Der Besuch“ von Antje Damm, große Angst vor dem, was draußen vor ihrem Fenster passiert - sogar vor Bäumen fürchtet sie sich. Als eines Tages ein Papierflieger durch ihr Zimmerfenster segelt, kann die menschenscheue Frau vor lauter Aufregung kein Auge mehr zutun. Noch ist sie ahnungslos, dass das gefaltete Stück Papier und sein Schöpfer, ein kleiner Junge mit Baseballkappe namens Emil, ihr Leben verändern werden.

          Am Sonntag las Antje Damm für das Spendenprojekt „F.A.Z.-Leser helfen“ aus dieser Geschichte vor. In der virtuellen Ausgabe der Sonntagsgeschichten erfuhren Zuhörer von Kinderbuchmacherin Damm, wie der kleine Emil Stück für Stück Farbe in das graue Leben von Elise bringt. Wie alle Autoren dieser Reihe las Antje Damm für den guten Zweck ohne Honorar, die Erlöse der Lesung kommen dem Spendenprojekt zugute.

          Nicht nur Autorin, sondern auch Gestalterin

          Während der vergangenen Ausgaben der Sonntagsgeschichten ließ das gute Wetter auf sich warten, was der Veranstaltung zu zahlreichen Zuhörern verhalf. Am Sonntag hingegen schien draußen die Sonne, doch, wie Moderatorin und F.A.Z.-Redakteurin Marie Lisa Kehler nach ihrer Begrüßung anmerkte, könnte die Lesung vor dem ersten Sonnenbrand im Februar bewahrt haben. Der interaktive Teil der Lesung musste trotz des Umzugs ins Digitale nicht fehlen: Mit einem DIN-A4-Blatt ausgestattet, wurde nach dem Vorlesen nämlich ein besonders gut segelnder Papierflieger gebastelt. Kinderbuchautorin Antje Damm schaltete sich aus Gießen hinzu und stellte zunächst ihren Arbeitsraum mit Fotos vor - den Ort, wo ihre Bücher entstehen. Doch wie entsteht eigentlich so ein Kinderbuch? Antje Damm teilte mit den Kindern ihren Bildschirm und erklärte, von den Skizzen über ihre Arbeitsmaterialien bis hin zur fertigen Illustration jedes Detail. Besonders spannend wurde das, als Antje Damm ihre gebastelten Schaukästen vorführte.

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          Als „Macherin“ des Buches lässt sich Antje Damm nämlich getrost bezeichnen: Für „Der Besuch“ war sie wie so oft nicht nur als Autorin, sondern auch als Gestalterin am Werk. Die frühere Architektin baut darin Räume aus Kartonelementen nach, setzt ausgeschnittene Figuren und Elemente in ihre puppenhausähnlichen Schaukästen, malt, spielt mit Licht und fotografiert abschließend.

          Ein farbiger Fremdkörper

          Das erste Bild, das Damm aus dem Kinderbuch „Der Besuch“ mit ihren Zuhörern teilte, war das triste Wohnzimmer der einsamen Elise in Schwarz, Weiß und verwaschenen Sepiatönen. Der himmelblaue Papierflieger, der durch ihr Fenster fliegt, wird zu einem farbigen Fremdkörper, den sie vor lauter Panik kurzerhand in ihrem Ofen verbrennt. Der ebenso farbig wie der Papierflieger gekleidete Emil, der bald darauf vor ihrer Haustür erscheint, bleibt länger als gedacht: Er muss plötzlich ganz dringend bei ihr auf Toilette, stellt Fragen zu den Fotos in Elises Wohnung - und will von Elise vorgelesen bekommen. Und zwar gleich aus einem dicken Märchenbuch.

          Um die 30 Kinder- und Bilderbücher entstanden schon aus Damms Feder, Schere und Händen. Für „Der Besuch“ wurde sie mit dem Leipziger Lesekompass und dem Troisdorfer Bilderbuchpreis ausgezeichnet. Charakteristisch für ihre Bücher ist neben der aufwendigen Gestaltung, dass sie ernste Themen wie Einsamkeit, das Sterben oder Erfahrungen in der Fremde aufgreift. 2018 wurde Damm für ihr Werk auch international gewürdigt: Die „New York Times“ zählte ihr Buch zu den zehn am besten illustrierten Kinderbüchern der Welt und lobte die „Explosion von Farbe, Licht und Leben“. Gemeint sind damit die Farben, die in Elises graue Wohnung zurückkehren, nachdem sie nach langem Hadern den kleinen Emil bei sich einlässt: Denn sie öffnet ihm damit nicht nur die Tür, sondern auch ihr einsames Herz.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“

          Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und die Frankfurter Allgemeine/Rhein-Main-Zeitung bitten um Spenden für die Stiftung „Starke Bande“, die Familien in schwierigen Lebenssituationen durch aufsuchende, individuelle Psychotherapie unterstützt, sowie für das Projekt „Lokale niederschwellige Krisenintervention in Frankfurt“ der Uniklinik, das Menschen mit Suizidabsichten hilft.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.- Leser helfen“ bitte auf die Konten:

          Bei der Frankfurter Volksbank
          IBAN: DE94 5019 0000 0000 1157 11

          Bei der Frankfurter Sparkasse
          IBAN: DE43 5005 0201 0000 9780 00

          Spenden können steuerlich abgesetzt werden. Weitere Informationen zur Spendenaktion im Internet unter der Adresse www.faz-leser-helfen.de.

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