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F.A.Z.-Leser helfen : „Mama geht es nicht gut, weil ich böse war“

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Alleingelassen: Viele Kinder, deren Eltern psychisch krank sind, leiden darunter und wissen nicht, wohin sie sich wenden können. Ihr Risiko, selbst zu erkranken, steigt damit immens. Bild: Julia Zimmermann

Kinder leiden oft unter den psychischen Erkrankungen der Eltern. Das kann gefährlich werden. Um Suizide zu verhindern, erforscht ein Team am Universitätsklinikum Frankfurt, wie man helfen kann.

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          Wenn die Seele eines Elternteils krank ist, leiden die Kinder immer mit. Da ist der Junge, nennen wir ihn Max, der mit seinen fünf Jahren längst trocken war, aber plötzlich immer wieder ins Bett macht. Oder Lena, die mit ihren zehn Jahren immer häufiger ganz heftige und ungezügelte Wutausbrüche hat. Manche Kinder werden ganz still, unzugänglich und in sich gekehrt, andere zum Zappelphilipp. Manchmal erhalten sie dann auch eine Diagnose, haben eine Depression oder ADHS.

          „Drei Millionen Kinder in Deutschland sind nach aktuellen Schätzungen von der psychischen Erkrankung eines Elternteils betroffen“, erläutern Nathalie Brunkhorst- Kanaan und Larissa Urban. Im Auftrag der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Frankfurt führen sie gerade die sogenannte „Chimps“-Studie durch. Die Abkürzung steht für „Children of mentally ill parents“. An 21 Kliniken in Deutschland erforschen Psychologen und Psychiater, wie sich die psychische Gesundheit und Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen verbessern lässt, deren Eltern psychisch krank sind.

          Die Krankheit der Eltern soll mit Hilfe eines standardisierten, wissenschaftlich begleiteten Programms bewältigt und die Beziehungen der Familienmitglieder untereinander gestärkt werden. Die Studie erprobt, welche Methoden dafür am besten geeignet sind: Nach einer ausführlichen Diagnose werden die Familien entweder zu Gesprächen eingeladen, in denen die Therapeutin oder der Therapeut den Kindern ihrem Alter entsprechend erklärt, was eine psychische Erkrankung bedeutet; oder zu Therapiesitzungen, an denen abwechselnd nur die Eltern, nur die Kinder oder alle Familienmitglieder teilnehmen. Es gibt auch Gesprächsrunden für mehrere Familien, die sich untereinander austauschen können. Ermittelt werden soll so nach Auskunft der Studienleiterinnen, welche Beratungskonzepte den betroffenen Familien am besten helfen. Noch suchen Brunkhorst-Kanaan und Urban auch Teilnehmer für das Programm, bei dem 60 betroffene Familien in Frankfurt mitmachen können.

          Höheres Risiko für Kinder erkrankter Eltern

          Kinder, die ein psychisch krankes Elternteil haben, tragen auch selbst ein höheres Risiko, psychisch zu erkranken. Das sagt Christine Freitag, Professorin und Leiterin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters. Das Risiko liege bei ihnen zwischen 30 und 80 Prozent höher als bei Kindern gesunder Eltern, je nach Erkrankung der Eltern schwanke der Wert. Wenn ein Elternteil unter Depressionen leidet, sei es geringer, am höchsten bei Autismus, ADHS, Schizophrenie und Anorexie, besser bekannt als Magersucht. Dabei spielen, so die Fachfrau, sowohl genetische als auch psychosoziale Faktoren eine Rolle. „Eltern mit Angststörungen etwa trauen auch ihren Kindern nur wenig zu und können sie nur wenig unterstützen, wenn dann etwa in der Schule noch Mobbing dazukommt.“

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