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F.A.Z.-Leser helfen : „Haus Frankfurt“ in Bukarest

Der wahre Held war freilich Pelikan. Dies hat ihm bei der Eröffnung der Held Nummer zwei, der Fernsehjournalist Mihai Tatulici, ausdrücklich bescheinigt. Diesen Mihai Tatulici, derzeit Chefredakteur von „Realitatea TV“, des wichtigsten rumänischen Nachrichtenkanals, und seit dem Ende der Diktatur einer der einflussreichsten Journalisten Rumäniens, hatte Pelikan in jenen kalten Januartagen des Jahres 1990 kennengelernt, als er mit einem der ersten Hilfstransporte in Bukarest eingetroffen war. Weil er nicht wusste, wem er die Hilfsgüter anvertrauen sollte, hatte er sich an das staatliche Fernsehen gewandt und Tatulici getroffen, der als erster Journalist über Todesheime berichtet hatte. Aus der zufälligen Begegnung wurde eine Freundschaft – und ein Erfolgsduo bei der Reform der Kinderheime.

Die Formel lautete: Pelikan besorgt Spenden und Knowhow aus Deutschland, Tatulic sorgt für politische Unterstützung in Rumänien und achtet darauf, dass die Gelder nicht in falsche Kanäle fließen. Der „Verein für Kinderhilfe“, den die beiden schon 1990 gegründet hatten, verwirklichte nach diesem Konzept in 17 Jahren zahlreiche Projekte. Als Erstes sanierte er 1990 das berüchtigte Heim Cighid und machte daraus das erste moderne Therapiezentrum Rumäniens für Behinderte.

Die härteste Nuss war jedoch das neue Krankenhaus in Bukarest. Es sollte ein Zentrum geschaffen werden, in dem behinderte Kinder ambulant behandelt werden können, um so zu verhindern, dass sie von ihren Eltern in Heimen abgeschoben wurden. Daraus ist jetzt das größte Diagnose- und Therapiezentrum Osteuropas geworden, ein hochmodernes Krankenhaus für Behindert jeden Alters mit einem Angebot, wie es im ganzen Land seinesgleichen sucht. Mehr als 80 Ärzte werden dort arbeiten, in den drei Klinikflügeln können 210 Kranke untergebracht werden.

Lebenschance für vergessene Menschen

Doch vor der Vollendung des Riesenbaus waren enorme Hürden zu überwinden: Nachdem der erste Elan verflogen und das Startkapital aufgebraucht waren, stagnierte Mitte der neunziger Jahre das Projekt. Einmal wollte der damalige Bürgermeister von Bukarest das von der Bukarester Transportbehörde zur Verfügung gestellte, 20.000 Quadratmeter große Grundstück einem amerikanischen Hotel-Konzern überlassen.

Erst als das Stadtoberhaupt merkte, dass es sich mit diesem Willkürakt Ärger einhandeln würde, ließ es das Vorhaben fallen. Immer, wenn nichts mehr zu helfen schien, mobilisierte Pelikan seine rumänischen und deutschen Verbündeten. Aus Deutschland gingen dann immer besorgte Anfragen im Präsidentenpalast ein, ob man in Rumänien die Verpflichtungen aus dem Vertrag von 1991 vergessen habe. Und in den rumänischen Medien erschienen Artikel, die nach der Verwendung der Spendengelder fragten.

„Viel Kampf, ein paar Erfolge, viel zu wenig für die vielen Jahre“, sagte Tatulici am Tag der Eröffnung des Krankenhauses. Doch dann ließ er noch einmal in Gedanken all die Projekte Revue passieren, die Pelikan und er mit ihrem Hilfsverein während der vergangenen 17 Jahre gemeistert haben – und schon klang sein Fazit viel positiver. Man habe erreicht, dass unschuldige Menschen, die vom Schicksal geschlagen und vom Regime vergessen worden seien, eine Lebenschance erhalten hätten. Das Hauptverdienst, dies hat Tatulici bei der Eröffnungsfeier dem Staatspräsidenten und den anderen hohen Gästen unmissverständlich erklärt, kommt Pelikan zu. „Ohne ihn wäre nichts zustande gekommen.“

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