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F.A.Z.-Leser helfen : Der Mann von der Pipeline wird schon ungeduldig

  • -Aktualisiert am

Der Funke springt über: Die Projektteilnehmer Mahmood Golestani, Ahmed Ahmedov, Rahman Area und Egsan Sediqi (von links) schauen Schweißereimeister Manfred Macheit über die Schulter. Bild: Frank Röth

Die Handwerkskammer vermittelt Flüchtlingen einen ersten Eindruck von möglichen Ausbildungsberufen. Manche können es kaum abwarten, mit der Arbeit zu beginnen.

          Wenn Manfred Macheit ans Werk geht, dann sprühen die Funken. Mit Masken aus Metall müssen Ahmed Ahmedov, Rahman Area, Mahmood Golestani und Egsan Sediqi ihre Gesichter schützen, auch wenn Schweißereimeister Macheit in der Ausbildungswerkstatt des Berufs- und Technologiezentrums der Handwerkskammer nur kurz demonstriert, worum es beim Schweißen geht. Während einige in der kleinen Gruppe respektvoll Abstand halten, fühlt sich Rahman Area hier ganz in seinem Element.

          Er blüht regelrecht auf, freut sich, als die Gruppe an einer Bandsäge vorbeikommt, zeigt, wie er selbst schon Rohre in ein ähnliches Werkzeug eingespannt hat, erläutert den anderen, dass das Gerät an der Wand ein Druckminderer für Gasflaschen und Schneidbrenner sei und er mit einem ähnlichen Brenner viele Jahre lang an einer Öl-Pipeline in Iran gearbeitet habe. Eine Wette mit Arbeitskollegen hat er damals gewonnen, weil er es geschafft hat, einen Metallkubus mit 20 Zentimetern Seitenlänge damit zu durchtrennen.

          Deutsch lernen ist schwer, ohne Frage

          Rahman Area, 36 Jahre alt, hat schon 18 Jahre Berufserfahrung hinter sich, lacht viel und mag starke Worte. Am liebsten würde er sofort anfangen zu arbeiten. Dermaßen motivierte Mitarbeiter wünschen sich deutsche Handwerksbetriebe, sie klagen über einen Mangel an Fachkräften und Nachwuchs. Doch in der Realität muss Area noch einige Hindernisse überwinden, bevor er so richtig loslegen kann. Die Sprachhürde beispielsweise. Ohne einen Dolmetscher geht es an diesem Vormittag noch nicht ganz, obwohl er schon sehr viel versteht, denn er besucht eifrig und regelmäßig einen Deutschkurs.

          Andererseits merkt man hier schnell, dass es nicht unbedingt einer ausgefeilten Beherrschung von Grammatik bedarf, wenn man zeigen und deuten kann und sich mit Werkzeugen auskennt. Die metallene Abdeckung an den Lichtschächten nennt er „Grill“, man weiß sofort, was er meint, denn genau so sieht das aus. Und genauso schnell verzweifelt man an den eigenen Worterklärungen, denn „Rost“ versteht er auch, aber nur in der Bedeutung von korrodiertem Metall. Deutsch lernen ist schwer, ohne Frage.

          Area ist der Älteste der Gruppe, der Jüngste ist erst 19 und unterscheidet sich im Alter kaum von den anderen Lehrlingen, die hier während ihrer überbetrieblichen Ausbildung an den Maschinen stehen. Drei der Männer stammen aus Afghanistan, einer kommt aus Russland. Sie sind an diesem Vormittag aus der Flüchtlingsunterkunft am Alten Flugplatz Bonames ins Frankfurter Gutleutviertel gekommen, weil sie von den Mitarbeitern der Handwerkskammer ausgewählt worden sind, um gemeinsam mit elf weiteren Männern und Frauen am Projekt Ina teilzunehmen. Integration durch duale Ausbildung ist die Idee, die dahintersteht. Keine „Ausbildung light“ will man den Flüchtlingen anbieten, sondern eine Perspektive, sich in Deutschland dauerhaft integrieren zu können. Mit einer soliden Ausbildung im Handwerk samt Berufsschule, Zwischenprüfung und Abschluss.

          Schwerpunkt des Projekts: die berufsspezifische Sprachvermittlung

          Dafür brauchen die Neuankömmlinge einen langen Atem. Zunächst sollen sie hier in einer Art Training fit gemacht werden: 440 Schulstunden Deutschunterricht für das tägliche Arbeitsleben stehen auf dem Programm, vier Wochen Praxis in den Werkstätten, dann ein Praktikum in einem Betrieb. Wer sich bewährt, kann dann vielleicht mit einer normalen Ausbildung beginnen. In den nächsten Wochen werden die weiteren Teilnehmer aus anderen Flüchtlingseinrichtungen Frankfurts dazukommen, ausgewählt durch Gespräche und eine individuelle Analyse der beruflichen Vorkenntnisse. Finanziert wird das Projekt durch die Spenden von Lesern dieser Zeitung.

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