https://www.faz.net/-gzg-8obn9

Exorzismus-Prozess : Abenteuerliche Erklärungen für den Horror

  • -Aktualisiert am

Auf der Anklagebank: Den fünf Koreanern wird vorgeworfen, im Dezember 2015 eine Verwandte im Verlauf einer Teufelsaustreibung ermordet zu haben. Bild: Jan Huebner

Im Prozess um eine mutmaßliche Teufelsaustreibung in einem Frankfurter Hotel liegt der Tathergang noch weitgehend im Dunkeln. Nur einer der Angeklagten hat sich bisher geäußert.

          6 Min.

          Grausam sollen sie vorgegangen sein, sie geschlagen und ihr einen Kleiderbügel in den Mund gesteckt haben: Fünf Koreanern wird vorgeworfen, am 5. Dezember 2015 in Zimmer 433 des Hotels Intercontinental gemeinsam eine Verwandte umgebracht zu haben. Eine Antwort auf die zentrale Frage, ob die Frau wirklich sterben musste, weil ihre Angehörigen ihr den Teufel austreiben wollten, hat die Große Jugendstrafkammer des Frankfurter Landgericht nach mittlerweile acht Verhandlungstagen aber noch nicht gefunden. Die Schreckenstat bleibt vorerst ein Rätsel. Der erste Eindruck, den die Angeklagten in Deutschland hinterlassen hatten, war kein schlechter: Hans R., ein 77 Jahre alter Rentner, an den die Familie durch eine Maklerin herangetreten war, vermietete den Koreanern bereitwillig ein Haus in Sulzbach. Als er sie bei einem Besuch am Frühstückstisch antraf, so erinnerte sich der Vermieter im Zeugenstand, hätten ihm die Menschen, die ihm im Gerichtssaal als mutmaßliche Exorzisten wiederbegegneten, Kekse angeboten.

          Der Concierge des Hotels, in dem ihre Verwandte starb, gab gegenüber der Polizei sogar zu Protokoll, die Asiaten seien beim Einchecken „superlieb“ gewesen. Der Hotelmitarbeiter hatte an jenem Tag zusammen mit Kollegen die Leiche der getöteten Koreanerin entdeckt. Noch vor den Rettungskräften und der Polizei waren die Männer gegen den Willen der Koreaner in das Zimmer 433 eingedrungen. Das Erste, was der Concierge dort gesehen hatte, waren die blau angelaufenen Füße der getöteten Frau. Auf der Anklagebank, im holzvertäfelten Saal 165 des Frankfurter Landgerichts, sitzen seit Oktober die fünf Familienmitglieder zusammen, angeklagt des gemeinschaftlichen, grausamen Mordes. Die Koreaner wirken sehr zurückhaltend, zeigen kaum Emotionen. Nur Naree K., die 20 Jahre alte Tochter der 45 Jahre alten Hauptangeklagten Doeon K., lächelt freundlich, wenn die Justizbeamten ihr vor Verhandlungsbeginn die Handschellen abnehmen. Bisher hat sie geschwiegen, wie drei der anderen Angeklagten auch. Allein Taewan K., ihr 22 Jahre alter Bruder, ließ seine Anwälte eine Erklärung verlesen und äußerte sich auch selbst.

          Ein dunkler Schatten in der Garage

          Taewan K. berichtete, in dem Haus in Sulzbach hätten sich in den Wochen vor den dramatischen Geschehnissen in dem Frankfurter Hotel „merkwürdige Dinge“ zugetragen, „Übernatürliches“ habe sich dort abgespielt: „Alle hatten Angst, in dem Haus zu schlafen.“ Konkreter wurde er nicht. Das Einzige, was er preisgab war, dass man im ganzen Haus aus „Aberglauben“ Getreidesamen verstreut hatte. Weil Taewan K. keine andere, schlüssige Erklärung dafür lieferte, ist anzunehmen, dass auch die anderen Hinterlassenschaften der Koreaner von der Angst vor Geistern und Dämonen herrühren: Sie müssen versucht haben, Kleidungsstücke und Elektrogeräte zu verbrennen, und stellten Teelichter auf Treppen. Vermieter Hans R. verwahrte sich in der Verhandlung gegen den Vorwurf, in seinem Haus spuke es: Die Heizung - womöglich machte sie Geräusche - habe gewartet werden müssen, das habe er veranlasst, ansonsten sei alles in Ordnung gewesen. Die Koreaner aber waren wohl, folgt man Taewan K., durch den Besuch des Heizungstechnikers zusätzlich beunruhigt. Sie beschlossen schließlich, das Haus in Sulzbach zu verlassen, und zogen ins Frankfurter Hotel Intercontinental. Dort buchte die Familie zwei Deluxe-Zimmer.

          Weitere Themen

          Pionierleistungen Video-Seite öffnen

          Upländer Molkerei : Pionierleistungen

          Die Geschäftsführerin der Upländer Bauernmolkerei. Katrin Artzt-Steinbrink, spricht über die eigenen Pionierleistungen und den Weg in die Zukunft.

          Topmeldungen

          Nordrhein-Westfalen, Essen: Eine Mitarbeiterin der Pflege in Schutzausrüstung betreut einen Corona-Patienten.  (Archivbild)

          Corona in Deutschland : Sieben-Tage-Inzidenz sinkt weiter auf 10,3

          Das RKI hat seit dem Vortag 1076 Corona-Neuinfektionen registriert. Vor einer Woche war der Wert noch mehr als doppelt so hoch. Auch die Zahl der an Covid-19 Verstorbenen ist kleiner als in der Vorwoche. Weltweit allerdings steigen die Totenzahlen rasant an.
          Naomi Osaka in einem Archivbild von 2019. Die 23-Jährige wird nicht in Wimbledon spielen.

          Nach Rafael Nadal : Auch Naomi Osaka verzichtet auf Wimbledon

          Die 23-Jährige hatte jüngst enthüllt, dass sie unter Depressionen leidet. Zur Olympiade in ihrem Heimatland Japan wolle sie aber antreten. Nach der gesundheitlich bedingten Absage von Nadal fehlt Wimbledon damit ein zweiter Superstar.
          Annalena Baerbock signiert am Donnerstag nach der Vorstellung ihres Buches ein Exemplar

          F.A.Z. Exklusiv : Baerbocks Pakt mit der Wirtschaft

          Die grüne Kanzlerkandidatin konkretisiert ihr Wirtschaftsprogramm. Ein zentraler Punkt sind Klimaschutzverträge, über die sie Ökologie und Ökonomie in Einklang bringen will. Ganz neu ist die Idee allerdings nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.