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Evangelische Kirche : Neue Kirchen-Liste: 13 Gebäude vor dem Aus

  • -Aktualisiert am

Auf der Sparliste: Das Gemeindehaus der Dreikönigsgemeinde an der Tucholskystraße Bild: Helmut Fricke

In ihrem Sparprozess geht die evangelische Kirche einen Schritt weiter: Nun sind sechs Gotteshäuser und siebenGemeindezentren in Frankfurt benannt worden, für die es keine Kirchensteuermittel mehr geben soll. Drei Kirchen, die kurz vor der Aufgabe standen, sollen aber verschont werden.

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          Der Vorstand des Evangelischen Regionalverbands hat 13 Gebäude benannt, die künftig nicht mehr aus Kirchensteuermitteln unterhalten werden sollen. Es sind sechs Kirchen und sieben Gemeindehäuser mit Gottesdiensträumen. Sollen die Gebäude trotzdem erhalten bleiben, müssen die Gemeinden Finanzierungslösungen erarbeiten. Demgegenüber sollen drei Kirchen, deren Zukunft bisher ungewiss war, auch weiter aus der Kirchensteuer bezuschusst werden. Über diesen Beschlussvorschlag soll morgen Abend die Regionalversammlung, das Parlament der Frankfurter Protestanten, befinden. Anlass für die Aufgabe von Gebäuden sind zurückgehende Kirchensteuereinnahmen.

          Bei den sechs Gotteshäusern handelt es sich um die Osterkirche in Sachsenhausen, die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in der Nordweststadt, die Versöhnungskirche im Gallus und die Festeburg-Kirche in Preungesheim. Hinzu kommen die Matthäuskirche nahe der Messe und die Gutleutkirche, deren Aufgabe schon seit längerem beschlossen ist. Nicht mehr bezuschusst werden sollen außerdem die Gemeindehäuser „Friedenau-Taunusblick“ (Zeilsheim), Höchst, „Regenbogen“ (Sossenheim), Hausen, Fechenheim, Am Bügel sowie das Gemeindehaus der Dreikönigsgemeinde in Sachsenhausen.

          Mögliche Debatte über Festeburg-Kirche

          Anders als es ein erstes Ranking im Mai vorsah, werden nach dem aktuellen Beschlussvorschlag, der dieser Zeitung vorliegt, die Paul-Gerhardt-Kirche (Niederrad), die Erlöserkirche (Oberrad) und die Philippus-Kirche (Riederwald) auch weiter aus Kirchensteuermitteln unterhalten. Diese drei Gotteshäuser hatten bei einem differenzierten System, das eigens für die Bewertung aller Kirchen und Gemeindehäuser entwickelt worden war, nur sehr wenige Punkte bekommen. Gäbe man sie aber auf, müssten Gemeindemitglieder allzu weite Wege zur nächsten Kirche zurücklegen. Gar nicht erst bewertet wurden die sogenannten Dotationskirchen in der Innenstadt, etwa die Katharinenkirche, da die Stadt für deren Bauunterhalt aufkommen muss.

          Weder Verbandsvorstand noch der Gebäudeausschuss der Regionalversammlung wollen vor morgen Abend zu der neuen Liste Stellung nehmen, wie der Sprecher des Regionalverbands mitteilte. Eine Debatte könnte es über die Festeburg-Kirche geben, „weil die Gemeinde meint, mit dem Verkauf einer Immobilie an die Schwedische Gemeinde ihre Finanzierungs-Hausaufgaben gemacht zu haben“, wie ein Beobachter sagt. Die Festeburg-Kirche steht nach dem neuen Ranking weiter auf dem drittletzten Platz.

          Dreikönigsgemeinde

          Keinen Streit dürfte es über die Matthäus- und die Gutleutkirche geben. Am Standort der Matthäuskirche soll nach dem Verkauf des Areals ein Hochhaus errichtet werden, in das Teile des Gotteshauses integriert werden könnten. Die Gutleutkirche wird aufgegeben, um von dem Erlös ein neues Gemeindezentrum im Westhafen finanzieren zu können. Auch andere Vorschläge sind nicht überraschend: So ist die Aufgabe der Oster- und der Bonhoeffer-Kirche im Prinzip schon seit 1999 beschlossene Sache.

          Wie aus der Vorlage für die Regionalversammlung hervorgeht, hat die Dreikönigsgemeinde für ihr Gemeindehaus, das nach der neuen Liste ja nicht mehr bezuschusst werden soll, schon eine Umnutzung geplant: Sie will den dortigen Kirchsaal aufgeben und in dem Haus bisher auf mehrere Standorte verteilte Angebote konzentrieren. Somit verringere die Gemeinde ihre Fläche „signifikant“.

          Erreichbarkeit einer Kirche

          Die Gemeinden, deren Gebäude nicht mehr bezuschusst werden sollen, haben bis Ende 2010 Zeit, „Lösungen zu erarbeiten, die die weitere Bauunterhaltung aus Kirchensteuermitteln überflüssig macht“, wie es in dem Beschlussvorschlag zur Regionalversammlung heißt. Für die anderen Kirchen und Gemeindehäuser garantiert der Verband die laufende Bauunterhaltung mittelfristig für zehn Jahre.

          Das Verfahren zur Bewertung der Kirchen hatte die Regionalversammlung im April beschlossen. Sie wurden nach ihrem Zustand, ihrem Symbolwert, dem Einzugsgebiet und der erwarteten Entwicklung der Gemeinde beurteilt. Jedes dieser vier Kriterien war in weitere Bewertungsmaßstäbe unterteilt. Die Höchstpunktzahl liegt bei zwölf (je drei Gesamtpunkte aus den vier Hauptkriterien). Berücksichtigt wurden etwa der kalkulierte Bauunterhalt, der Denkmalschutz, die Erreichbarkeit einer Kirche und der Gottesdienstbesuch.

          Zentrum für Trauernde

          Mit diesen Kriterien hatten sich die Gemeinden in den vergangenen Monaten befasst. Den ersten Platz hat nach wie vor die Emmauskirche in Eschersheim inne (9,8 Punkte), gefolgt von der Epiphaniaskirche im Nordend (9,3). Die Versöhnungskirche konnte zwar 0,2 Punkte zulegen, kommt aber dennoch wieder auf den letzten Platz. Der Kirchenvorstand der Gemeinde hat schon beschlossen, sie dem Regionalverband zu übergeben. Es gibt erste Ideen, dieses Gotteshaus als Zentrum für Trauernde weiterzubetreiben.

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